# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1861_S5 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Theologische Axiome. 5 die die unumstößlichsten Wahrheiten enthalten und gerade darum in die Form eines Paradoxon eingekleidet sind, um durch dieselbe das Nachdenken desto mehr zu wecken, bei der Belehrung zugleich zu ergötzen, dem Gedächtniß durch das Charakteristische des Ausdruckes zu Hülfe zu kommen und die Wahrheit so dem Geiste um so tiefer und dauernder einzudrücken. Nach dem Grundsatz: Alles ist euer! werden von dem Theologen zuweilen selbst profane Adagia zu theologischen Axiomen verbraucht, indem sie dieselben umdeuten und einen höheren Sinn ihnen unterlegen. Martin Chemnitz schreibt hierüber in seinen Locis theologicis: „Es ist gebräuchlich, zur Unterstützung des Gedächtnisses und um der Erklärung willen die Summa der Lehre in kurze Sätze und Regeln zu fassen; als: Gott ist nicht Urheber der Sünde; das Evangelium hebt die Ordnungen des weltlichen Regiments nicht auf. Und jene Regeln (man mag sie nun Axiome oder Theoreme nennen, die Alten nannten sie Canones) muß man sorgfältig in jedem einzelnen Locus (Lehrartikel) beachten. Denn sie beherrschen das Urtheil über die Lehre des ganzen Locus.“ *) So schreibt hierüber ferner Johann Gerhard in seinen Locis theologicis: „Wenn einige Stellen der Schrift, für sich genommen und abgesehen von anderen, dunkel sind, so sind sie solcher Art entweder um der Sachen, oder um der Worte willen. Zur Beseitigung der Dunkelheit, welche ihren Grund in den Sachen hat, ist außer der Erleuchtung des heiligen Geistes, die durch ernstliches Gebet erlangt werden muß, nützlich, in jedem Artikel der christlichen Lehre gewisse sichere Axiome inne zu haben, welche gleichsam der Leitstern und die Norm sein sollen, wornach sich die Behandlung des Uebrigen richten muß. Solche Axiome kann man Catechetica oder Elementaria nennen; gemeiniglich nennt man sie theologische Regeln. Von einem treuen und fleißigen Schriftausleger können sie nach der Reihenfolge der theologischen Loci (Lehrartikel) gesammelt werden.“ **) Nachdem wir uns nun zu unserem eigenen Privatgebrauche ein Verzeichniß solcher Axiome bei Gelegenheit unserer theologischen Lectüre, und einem Bruder davon und von dem mannichfaltigen daraus gezogenen Nutzen Mittheilung gemacht hatten, beantragte derselbe in der letztgehaltenen allge⸗ *) Usitatum est, juvandae memoriae et declarationis causa summam doctrinae brevibus propositionibus et regulis complecti; ut: Deus non est auctor peccati; evangelium non abolet politias. Et illae regulae (sive axiomata, sive theoremata appellare quis voluerit, vetustas vocavit canones) diligenter in singulis locis sunt observandae. Gubernant enim judicium de doctrina totius loci. Loc. th. fol. 15. b. **) Si quae scripturae loca per se et seorsum sumta obscura sunt, talia sunt vel propter res, vel propter verba. Ad amoliendam ex rebus natam obscuritatem praeter Spiritus S. illuminationem seriis precibus impetrandam utile est tenere certa quaedam in quovis doctrinae christianae articulo axiomata, quae sunt veluti cynosura et norma, ad quam reliquorum pertractatio exigenda. Axiomata talia possumus dicere Catechetica vel Elementaria, vulgo dicuntur regulae theologicae. Colligi vero possunt ab industrio et fideli scripturae interprete juxta seriem locorum theologicorum. Loc. th. de interpr. S. S. § 190.