# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S51 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Lutheraner“ proteſtiren, da es in That und Wahrheit nur Lutheraner, d. i. Mitbekenner des lutheriſchen Bekenntniſſes, und Nicht⸗Lutheraner, d. i. ſolche giebt, welche dieſes durch aus ſchrift⸗ gemäße rechtgläubig⸗kirchliche Bekenntniß mehr oder minder verwerfen, mögen ſie nun Papiſten, Schwärmer, oder falſche Brüder ſein, und möge die Hoffahrt der Selbſtgerechtigkeit und Werk⸗ heiligkeit, wie bei den Römiſchen, oder die Hof— fahrt der ſtolzen fleiſchlichen Vernunft, wie bei den Schwärmern und den falſchen Brüdern, die vornehmſte Ursache dieſer theilweiſen Verwerfung der Wahrheit ſein. Die (wahren) Lutheraner oder rechtgläubigen Chriſten ſtehen nach wie vor in allen Artikeln der heilſamen Lehre auf Gottes klarem unzweifelhaftem Worte in der heiligen Schrift, wie ſie Lautet; und wie dieſe Sonne der Wahrheit nicht veraltet, ſondern geſtern, heute, morgen und bis zum jüngſten Tage dieſelbe war, —1—111117 iſt und bleibt: ſo hält es ſich auch mit dem Glau⸗ ben, dem Bekenntniß und der Lehre der recht⸗ gläubigen Chriſten, dermalen in ihrem confeſſio⸗ nellen Hervortreten Lutheraner genannt, die mit aufrichtigem Herzen, Sinn und Gewiſſen auf dieſem Schriftworte, wie es lautet, ſich gründen und faſſen und in Sachen des Glaubens und der ö Seelen Seligkeit keinen Gegenſatz von Alt und Neu irgend jemals anzuerkennen vermögen. Wohl kann es geſchehen, daß dieſe und jene Lehre, meiſt durch den Widerſpruch der Irrlehrer veranlaßt, genauer dargelegt und gegen alle Sei⸗ ten des Angriffs behauptet und bewährt werde und dadurch in ein helleres Licht trete, als es vordem war, aber doch iſt ſie weſentlich dieſelbe in ihrem früheren und ſpäteren Ausdrucke, weder in ienem an ſich veraltet, noch in dieſem an ſich neu geworden, und es iſt damit wie mit einem koſt⸗ baren Edelſteine, der ehedem in einer engen, ſpä⸗ ter aber in einer weiteren Kapſel liegt, die etwa gläſerne Wände hat, ſo daß der Edelſtein von allen Seiten betrachtet werden kann. So iſt z. B. die Lehre von den heiligen Sa⸗ cramenten in den rechtgläubigen Lehrern der Kirche von Alters her, dem Weſen nach, völlig dieſelbe, als in den Bekenntnißſchriften der luthe⸗ rſchen Kirche; denn dieſe wie jene gründen dieſe Lehre auf die Einſetzungsworte des allmächtigen Sohnes Gottes, wie ſie lauten und die als Gottes Wort nirgend und niemals im Laufe der Jahrhunderte ſich verändern und wandeln und einen neuen Verſtand bekommen können; aber ganz natürlich iſt es, daß dieſe Lehre, wider das abergläubiſche Zuthun der Papiſten und das un⸗ gläubige Abthun der Schwärmer, die eben beide wider die alte und immer neue Wahrheit ihre fleiſchlich neuen Menſchenfündlein aufbrachten, in den ſymboliſchen Büchern der lutheriſchen Kirche viel ausführlicher und entwickelter gehan⸗ delt iſt, als in den Büchern jener alten Lehrer, die noch nicht dieſelben Widerſacher zu bekämpfen hatten. Statt uns nun mit dem verkehrten Beinamen Fnrreerrreenrr eree mehr die ſogenannte lutheriſche Generalſynode, die bekanntlich in der Lehre von den heiligen „Alt⸗Lutheraner“ zu benennen, ſo möge ſich viel⸗ 51 Sacramenten von der lutheriſchen Kirche ab⸗ und der Reformirten zugefallen iſt, in jene ſymboli⸗ ſchen Bücher gründlich hineinwenden und zuſehen, ob ſie aus Gottes Wort z. B. die Beweisgründe der Concordienformel entkräften können, daß die reformirte Sacramentslehre nicht einfältig auf Gottes Wort ſtehe, mithin irrig ſei. So lange ſie dieſes aber nicht thun, iſt all ihr Behaupten, als ſei die lutheriſche Lehre von den heiligen Sa⸗ cramenten abgenutzt und veraltet und den ſo⸗ genannten „Ergebniſſen der neuern Schriftfor⸗ ſchung“ nicht mehr gemäß, ein leerer Wahn, wo⸗ mit ſie ſich und andere betrügen; denn behaupten iſt nicht beweiſen. — Darum wollen wir denn auch unſern fröhlichen Muth bei den Worten des Herrn Einſenders be⸗ halten, „daß unſere Theologie ſo ſtrack und grade (straight) ſei, als die ſymboliſchen Bücher ſie machen können“. Denn da durch Gottes Gnade dieſe theuerwerihen Zeugniſſe der Väter die reine und ungefälſchte Erklärung und Darlegung der göttlichen Heilswahrheit der heiligen Schrift ſind und unſer Herz und Gewiſſen zunächſt in dieſer letzteren mit Lieb und Luſt gefangen und gebunden iſt, ſo ſind wir natürlich, auf mittelbare Weiſe, auch den Glaubensbekenniniſſen unſrer Kirche von Herzen unterthan, weil ſie eben durchaus mit Gottes Wort übereinſtimmen. Wir ſind deß auch ſo freudig gewiß, daß wir nicht nur den Herrn Hermann, ſondern die ganze ſogenannte lutheriſche Generalſynode mit den Herren Dr. Schmucker und Kurtz an der Spitze hiemit öffent⸗ lich auffordern, aus heiliger Schrift den Erweis zu führen, daß z. B. die Sacramentslehre unſerer Kirche, wie unſere Symbole ſie einmüthig be⸗ zeugen, nicht der heiligen Schrift allein und durchaus gemäß ſei, und daß ſie Recht daran gethan haben, die reformirte Gegenlehre anzu⸗ nehmen und von der lutheriſchen Kirche abzu⸗ fallen. So lange ſie aber dieſen Erweis ſchuldig blei⸗ ben, ſo müſſen wir leider ihre Theologie, wie ſie etwa in den Schriften der Herren Dr. Schmucker und Kurtz vorliegt, grade deshalb als krumm und ſchief erklären, weil ſie der graden Richtſchnur eben ſowohl des göttlichen Wortes, als der ſym⸗ boliſchen Bücher (als norma normata) nicht in allen Artikeln gemäß iſt. Dabei jedoch verwahren wir uns ausdrücklich gegen die Anmuthung, als ſtellten wir die ſymboliſchen Bücher an und für ſich auf dieſelbe Stufe mit der heiligen Schrift; wir halten ſie keineswegs für die eigentliche und urſprüngliche Glaubensregel, welches allein der Einklang der klaren Schriftſtellen zur Seelen Se⸗ ligkeit, die Summe und der Inbegriff der Heils⸗ lehre des göttlichen Wortes iſt. Denn thäten wir dies und hielten wir die kirchlichen Symbole für ſolche Glaubensnorm neben der heiligen Schrift, ſo wären wir allerdings keine rechtgläubige und bekenntnißtreue Diener der Kirche, ſondern Ortho⸗ doriſten und Confeſſioniſten und thäten wirklich, wie wir hie und da fälſchlich beſchuldigt werden, daß wir nemlich aus ihnen einen papiernen Pabſt machten; wir wären dann in dieſem Stücke nicht weſentlich von den Papiſten verſchieden, welche die ſogenannten mündlichen apoſtoliſchen Ueber⸗ lieferungen auch neben, ja eigentlich noch über die heilige Schrift ſtellen. Auf der andern Seite aber behaupten wir eben ſo entſchieden, daß die ſymboliſchen Bücher un⸗ ſerer Kirche wegen ihrer völligen Uebereinſtim⸗ mung mit Gottes Wort durchaus lautere irr⸗ thumsfreie Wahrheit enthalten, die als ſolche, dem Weſen und Inhalte nach, über allem Wech⸗ ſel flüchtiger Zeitmeinungen erhaben und keiner Veränderung unierworfen iſt. Und um deswillen achten wir es für recht, daß die Diener der Kirche ſich auch zu dieſen Zeugniſſen bei ihrer Ordina⸗ tion feierlich und öffentlich bekennen, ja daß von dem ordinirenden Lehramte der Kirche ſolch' Be⸗ kenntniß auch von den zu Ordinirenden verlangt werde. Wenn ferner der Lutheran Observer unſere gottesdienſtlichen Bräuche als „ſteif“ bezeichnet, und zwar dermaßen, als wir trockenen und ver⸗ knöcherten Geſellen es nur wünſchen können, ſo redet er mehr, als er wiſſen kann; denn ſchwerlich hat der Einſender auch nur bei einem von uns dem Gottesdienſte jemals ſelber beigewohnt und aus unſerer Synodalconſtitution und erſtem Sy⸗ nodalbericht kann er es auch nicht unbedingt wiſſen. Unſere. Anſicht in Betreff der Ceremonien iſt die, daß ſie Mitteldinge ſeien, von dem HErrn in einer beſtimmten Form weder ge- noch ver⸗ boten, ſondern der Freiheit der Kirche und jeder einzelnen Gemeinde anheim gegeben, ſie ihres Gefallens aufzurichten, wie ſie zur Erbauung und auch zur Zucht des heranwachſenden Ge⸗ ſchlechtes dienen. Wir ſind auf dieſem Gebiete alſo keineswegs ſo ſteif, auf eine unbedingte Ein⸗ heit und Gleichförmigkeit zu dringen, nur daß wir natürlich keiner Ceremonie beipflichten, die, wie etwa das Meßopfer, das Anbeten der Hoſtie u. dergl., ſchriftwidrige Lehre vorausſetzt oder die ſonſt bei den Gegnern der reinen Lehre ſiehend ge⸗ handhabt wird, wie z. B. das Brechen des Bro⸗ tes bei den Reformirten, damit wir auch hierin allen böſen Schein meiden, als ſeien wir, indem wir gottesdienſtliche Bräuche von den Gegnern der reinen und einen Heilslehre annehmen, gleich⸗ gültig gegen die Fälſchungen dieſer Lehre oder denſelben am Ende heimlich zugeneigt. Sonſt aber dringen wir z. B. keineswegs darauf, daß etwa in allen Gemeinden dieſelbe Agende und dasſelbe Geſangbuch gebraucht werde; wir be⸗ gnügen uns damit, darauf zu halten, daß beide auf dem Grunde der heiligen Schrift ruhen und die betende und bekennende Kirche — nicht aber der Einzelglaube, oder gar die zufällige Herzens⸗ ſtimmung dieſes oder jenes geiſilichen Redners, wie dies meiſt bei den Reformirten und der ſo⸗ genannten lutheriſchen Generalſynode der Fall iſt — in ihnen offenbar wird. Ein unbefangener Augen⸗ und Ohrenzeuge, der etwa unſere Ge⸗ meinden bereiste, würde alſo in Handhabung der kirchlichen Ceremonien eine große Mannigfaltig⸗ keit finden, je nach dem liturgiſchen Standpunkte der einzelnen Gemeinde; doch würde er hoffent⸗ lich in dieſer Mannigfaltigkeit zugleich die Ein⸗