# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S383 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 383 HErrn ein Ende gemacht werden wird, 2 Thess. 2, 8. Der Pabst liegt jetzt so wenig in den letzten Zügen, daß er vielmehr jetzt mehr als seit langer Zeit auflebt. Die Gewalt, die er wieder über Millionen Gewissen ausübt, ist eine viel höher anzuschlagende, als die poli⸗ tische, die er bisher in dem gestohlenen Patrimonium Petri ausübte. Immer besser. P. Grabau tadelt es in seinem Informatorium vom 1. Norbr. scharf, daß in dem Calender von P. Brobst erklärt wird, daß die Delegaten auf der Synode die Gemeinden vertreten. Er schreibt: „Das ist nichts als die elende Vertretungslehre, die immer sich einbildet, im Namen aller Köpfe handeln und reden zu können! Eine Synode ist keine Versammlung von Vertretern, die andere Menschen vertreten; davon steht in Gottes Wort gar nichts: sondern“ (man merke auf die Logik des Gegensatzes!) „sie ist eine Versammlung, die nur Gottes Wort und Wahrheit ans Licht stellen soll, und dem⸗ nach das Bekenntniß der wahren Kirche in Uebung bringen soll.“ Das ist etwa so: Einer sagt, die Landstände vertreten die Bevölkerung des Landes. Der andere aber fährt auf und spricht: Was? Die Landstände sollten die Bevölkerung vertreten? Gott behüte, sie sind vielmehr eine Versammlung, die für des Landes Beste sorgen soll! — Merkwürdig ist, wie P. Grabau folgende Stelle Luthers, die ihm wie ein schwerer Stein zwar nicht auf dem Gewissen, aber im Wege liegt, wegzuräumen sucht, die Stelle nehmlich: „Derhalben so ist die Kirche allenthalben heilig, auch an den Oertern, da gleich die Schwärmer und Rotten⸗ geister regieren, so ferne sie nur das Wort und Sacrament nicht allerdings verleug⸗ nen und verwerfen. Denn die diese Dinge ganz und gar verleugnen, sind keine Kirche mehr. Wo aber Wort und Sakrament wesentlich bleiben, da bleibet auch eine heilige Kirche.“ (Zu Gal. 1, 2.) Hierzu macht Genannter in der angezogenen Nummer die erklärende Bemerkung: „Luther unterscheidet demnach das Regiertwerden der Kirche unter fanatischen Geistern mit bleibendem reinen Wort und Sacrament, und das Regiertwerden unter denselben mit Verleugnung und Wegwerfung des reinen Wortes; wie z. B. mit Aufrichtung eines falschen Abendmahlscultus an den Altären. Im ersten Fall bleibt die Kirche, im andern fällt sie. Der erste aber ereignete sich in den Galatischen Ländern.“ Schon vorher hatte er das Wort wesentlich mit dem Wort rein erklärt, und geschrieben: „Da man denn Gottes Wort noch essentialiter hatte oder wesentlich, d. i rein;“ P. Grabau meint nehmlich, rein in der Predigt der Pastoren. Zu demselben Zweck, der ihn bestimmt, wesentlich so zu definiren, setzt er auch das Wort „verbieten“ hinzu, indem er schreibt: „Werden sie aber das reine Wort und Sacrament verleugnen und verbieten: so kann die Kirche da nicht mehr sein.“ Man sieht, P. Gr. versteht, zu Zeiten gar leise aufzutreten, wie gewisse Leute, wenn sie sich unvermerkt etwas Fremdes zueignen wollen. Er will seinen Lesern weis ma⸗ chen, daß nach Luthers Lehre nur da die Kirche bleibe, wo rechtgläubige Pastores und Se⸗ niores Min. das heilige Predigtamt verwalten, um das sich dann die wahre Kirche sam⸗ melt, Luther gebe nur zu, daß die Kirche selbst da bleibe, wo „fanatische Geister im kirch⸗ lichen Regiment sitzen,“ d. h. nach Grabauischer Exegese hier: im obersten Regiment, während die Pastoren unter demselben alles nach einer reinen Kirchenordnung verwalteten. Das will P. G. seinen unschuldigen Lesern aufbinden, er sagt's aber nicht so grob heraus, sondern geht dabei wie auf sammetnen Sohlen, denn er fürchtet, wenn er hier die Herren Pastores nennete, so würden die Leute sagen: Aber in aller Welt, wo sagt denn Luther von diesen etwas? Dieser Frage auszuweichen, thut P. G. der Pastorum daher hier keiner Er⸗ wähnung und denkt, haben meine lieben Leser nur einmal das verschluckt, daß Luther nur rede von dem Vorhandensein einer sichtbaren rechtgläubigen Kirche unter einer fanatischen kirchlichen Oberbehörde, so brauche ich jetzt noch nichts davon zu sagen, daß, wo eine solche sichtbare rechtgläubige Kirche ist, natürlich auch die Herren Pastores sein müssen, ohne welche sie sich gar nicht denken läßt. Seiner Zeit, wenn die Leser nicht mehr daran denken, wie ich mit einem Fuchssprung zu meiner Darstellung der Lehre Luthers von der Kirche gekommen bin, kann ich die Sache noch ergänzen. Kommen dann meine Pastoren auch wie Deus ex machina, so sind doch meine Leser, so weit nöthig, darauf vorbereitet und werden bald ein⸗ sehen, nachdem sie A gesagt haben, daß sie nun auch B sagen müssen.