# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S382 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 382 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. z. B. der siebente Wahlbezirk (ward) mit einer Bevölkerung von 35,000 Seelen hat nur sechs Kirchen, und diese sind nicht besonders groß; der elfte Bezirk mit 80,000 Seelen hat nur etwa ein Dutzend Kirchen, die zusammen nicht mehr als 10,000 Personen fassen können. Nach einem Bericht im Chr. Intelligencer vom 18. Oct. sind in New York jetzt im Gan⸗ zen nur 300 Kirchen und nur Raum in denselben, um ein Drittel der Bevölkerung der gro⸗ ßen Stadt aufzunehmen. Mit Recht ist dieser Bericht mit „Fortschritt des Heidenthums in New York“ überschrieben. So eben lesen wir in einem andern Blatt, daß Baltimore 165 Kirchgebäude besitzt. Die Olive Branch Synode in Indiana zählt im Ganzen nur acht ordinirte Prediger und aus diesen waren bei der diesjährigen Versammlung nur drei anwesend! Die Allgemeine Synode von Ohio, versammelt am 24. Oct., discutirte, wie wir aus dem Luth. Standard ersehen, die Frage über die Kirche. „Ohne daß man zu einem bestimmten Verständniß gekommen war, wurde eine Committee, welche ziemlich voll⸗ ständig jede ausgesprochene Ansicht repräsentirte, ernannnt, eine Thesis vorzulegen, welche nach weiterer Discussion und Annahme durch die Synode dazu dienen sollte, die Ansicht der Synode über diese Frage auszudrücken. Dessen ungeachtet wurde, ohne daß man den Re⸗ port der Committee abwartete, diese Sache und die Amtsfrage für die nächste Versamm⸗ lung der Synode zurückgestellt.“ Der Redacteur des Luth. Standard, Hr. Worley, nicht eben ehrenvollen Andenkens aus der Geschichte von dem gestohlenen Briefe, redet in seinem Bericht von "shameful and disorderly reception of Messrs. Eirich and Buehl'' von Seiten unserer Synode. Es sind dies Ausdrücke, des Characters und bösen Gewissens eines solchen Mannes gewiß würdig. — So eben lesen wir etwas von den Gründen, warum es auf der Synode nicht dazu kam, daß der Report über die Frage von der Kirche gemacht und gehört wurde, in der luth. Kirchenzeitung von Columbus. Davon heißt es nehmlich hier u. A.: „Da auch die heillose Sucht, vor Beendigung der Sitzungen nach Hause zu reisen, wie eine ansteckende Krankheit ausgebrochen war, ehe die Committee berichten konnte, so hielt man es für besser, erst zu Anfang der nächsten Synode den Bericht entgegenzunehmen, damit in voller Sitzung darüber verhandelt würde.“ „Die ganze Stimmenzahl der Sy⸗ node belief sich auf 60 — 70; von den anwesenden Gliedern waren höchstens 15 Laien.“ Man sprach viel vom Innehalten der Gebietsgrenzen der Synoden und von Regelung dieser Angelegenheit. Wir meinen, die allgemeine Conferenz war das rechte Mittel, das rechte äußerliche und innerliche Verhältniß der Synoden zu einander nach und nach herzustellen. Nachdem dieses Mittel von Seiten der Ohio⸗Synode mit Schmähung der unsrigen, als habe dieselbe dabei Eroberungsgelüste, thatsächlich und schnöde abgewiesen worden ist, wird auf äußerlichem diplomatischem Wege das rechte Ziel schwerlich erreicht werden. Wir wer⸗ den hier an die Worte der Apologie der Augsburg. Confession erinnert: „Gute Gewissen schreien nach der Wahrheit und rechtem Unterricht aus Gottes Wort, und denselbigen ist der Tod nicht so bitter. als bitter ihnen ist, wo sie etwa in einem Stücke zweifeln; darum müssen sie suchen, wo sie Unterricht finden. Wollt ihr die Kirche bei euch erhalten, so müßt ihr dar⸗ nach trachten, daß ihr recht lehren und predigen lasset; damit könnt ihr einen guten Willen und beständigen Gehorsam anrichten.“ Fol. 82. Hier hilft kein Decretemachen, kein Nachsenden in Galle getauchter Pfeile, kein Schelten. Vorerst gilt es, Glauben und Gewissen salviren; dann erst kommt die Ordnung. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott siehet das Herz an. Mögen Menschen nach jenem richten, der HErr wird nach diesem richten. Er weiß, wie gern wir jede gute Ordnung innehalten und mit aller Welt in Frieden leben möchten, aber Glaube und Gewissen nimmt bei uns immer den ersten Platz ein. Wer das nicht glaubt oder nicht achtet, dem können wir nicht helfen. Der „Olive Branch“ von Springfield, Ill., erklärt sich zweifelhaft über das nächste Schicksal des Pabstes nach den jetzt eingehenden Nachrichten. Er schließt mit den Worten: „Nun, wir werden schon sehen — aber die letzten Tage des Pabstthums sind nicht fern.“ Man bedenkt aber nicht, daß der Pabst schon oft in noch größerer Klemme war, und sich doch als der großartigste Reinecke aus der Schlinge zu ziehen wußte; vor allem be⸗ denkt man nicht, daß dem Pabst nach der Schrift erst durch die Erscheinung der Zukunft des