# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S377 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorläufiger Bericht über die Generalsynode der Preuß. lutherischen Kirche. 377 melplatz ihrer politischen Machinationen zu machen. Aber Gott sei Lob! daß wir besonders unter unserer Geistlichkeit Männer haben, die mit einem klaren Bewußtsein ihres Amtes und ihres Dienstes in der Kirche unseres Herrn Jesu Christi, mit aller Entschiedenheit das nöthige Wort ergriffen, indem sie der festen Ueberzeugung leben, daß nur dann, wenn sich unsere Kirche nach den Septembergesetzen zuvor organisirt hat, eine Generalsynode Statt finden kann, von welcher sich sodann erwarten läßt, daß ihre Beschlüsse dem Wesen unserer lutherischen Kirche entsprechend gefaßt werden. Und so hat denn der energische k. k. Kultusminister Graf von Thun mit Berufung auf seinen Erlaß vom 10. Januar l. J. in seinem Ministerialerlasse vom 3. März l. J. sich dahin erklärt: daß die definitive Regelung der evangelischen Kirchenangelegenheiten in Ungarn nur auf Grundlage des kais. Patentes vom 1. Sept. 1859 vollzogen werden könne. Nie vielleicht hat unsere ungarisch-lutherische Kirche so vieler Fürbitte und so warmer Theilnahme bedurft, wie eben jetzt, wo ihr die Gefahr nicht von Außen, sondern von Innen droht. Daher, liebe deutsche Glaubensbrüder! betet ja auch Ihr für sie, und beten wir alle recht inbrünstig zu dem dreieinigen lebendigen Gott: daß durch seine Gnade auch die lutherische Kirche Ungarn's sowohl ein lebendiges Glied der Kirche unseres Herrn Jesu Christi zu ihrem eigenen Heil als auch ein äußerer Organismus zur Freude der gesammten lutherischen Kirche werde. Ja, das walte Gott! ————◆◆———— (Aus dem Pilger.) Vorläufiger Bericht über die Generalsynode der Preußischen lutherischen Kirche vom 13. September bis 11. October 1860. Von Herrn Pastor Eichhorn in Durlach. Wenn wir zunächst ein Gesammtbild der Synode geben sollen, so können wir's am Besten thun mit den Worten (welche auch der Schlußpredigt des Kirchenraths Nagel zu Grund lagen): Du Herr hast uns gedemüthigt — und hilfst uns. Die ersten zwei Wochen unseres Beisammenseins waren demüthigend in jeder Weise; ein tiefer Riß ging durch die Versammlung hin und legte fast unvereinbare Gegensätze bloß; allgemeines Mißtrauen und immer weiter gehende Zerklüftung waren die Folge hiervon. Schwere, ja unwürdige Angriffe waren gegen unser theures Oberkirchencollegium und gegen unsere gesammte lutherische Kirche zum Theil von Außen her, zum Theile, leider! aus ihrer eigenen Mitte geschleudert worden, und diese hatten theils Unmuth und Erbitterung, theils Muthlosigkeit, als sei der Schaden Josephs gar nicht mehr zu heilen, hervorgerufen. — Aber nachdem wir nicht allein gedemüthigt worden waren, sondern uns auch gedemüthigt hatten, war der zweite Theil um so herrlicher, denn da brach die Hülf' mit Macht herein; am Schlusse der Synode war eine herrliche Einmüthigkeit. — In diesen Rahmen wollen wir nun einige Züge des Bildes bezeichnen.