# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S376 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 376 Die lutherische Kirche in Ungarn. von dem Wesen und der Wichtigkeit ihres Berufes zu haben und im festen Glauben zu stehen, sich im Gegentheil als Werkzeuge zur Ausführung der intriguenhaften Bestrebungen des Magyarismus gebrauchen, — oder vielmehr in ihrer Stellung mißbrauchen lassen. Und wir müssen in dieser Hinsicht dem Prof. Dr. Hengstenberg völlig beistimmen, welcher sagt (Evang. Kirchenzeitung Nr. 8, 1860), daß die Gemeinden in Ungarn verhältnißmäßig besser sind, als die Geistlichen. Doch wäre es ein großes Unrecht, dies von allen Geistlichen unserer ungarisch-lutherischen Kirche behaupten zu wollen. Es giebt, Gott sei Dank! noch eine bedeutende Anzahl von Pfarrern wie auch von Lehrern unserer Kirche, welche sich als treue Hirten der ihnen anvertrauten Heerde erweisen, welche ergriffen von der Wahrheit des Christenthums und im festen Glauben an unsern Herrn und Heiland stehend, mit klarem Blicke erkennen, was der lutherischen Kirche Ungarn's fehlt; welche, fern von selbstsüchtigen Tendenzen und nationalen Verkehrtheiten die wohlmeinende Gesinnung des besagten Patentes erkennend, mit Freude und Dank dasselbe annahmen und in konsequenter Weise die Organisation ihrer Kirchengemeinden bereits durchführten. Da nun die oppositionelle Partei sah, daß sie durch ihre Intriguen innerhalb unserer lutherischen Kirche nicht im Stande sei, die Einführung des Patentes zu verhindern, begaben sich Ende Januars l. J. ihre Häupter nach Wien. Die Audienz, welche die zwei ungarischen Magnaten von Vay und von Pronay beim Kaiser damals erhielten, hat diese Opponenten zu neuen heftigen Agitationen ermuthigt, welche die Aristokraten von Pesth aus, an allen Orten, wo das Patent angenommen ist und die Gemeinden sich nach der Ministerial-Verordnung vom 2. September 1859 bereits organisirt haben, auf alle mögliche Weise auf unser lutherisches Volk gerichtet, um dasselbe gegen das Patent zu erregen. — Am 5. Februar l. J. erschien vom k. k. Kultusministerium ein neuer Erlaß, welcher berichtet, daß bei der Durchführung des Patentes vom 1. September und der Ministerial-Verordnung vom 2. September v. J. auf alle begründeten Wünsche der evangelischen Glaubensgenossen beider Bekenntnisse jede mögliche Rücksicht genommen werden solle, so daß es sich demnach nur um Wege handelt, auf welchen solche Wünsche noch vor Einberufung der Synoden in officielle Verhandlung genommen und einer befriedigenden Erledigung zugeführt werden können. — Allein die oppositionelle Partei bei uns bekümmerte sich nicht weiter um die Begründung ihrer Bedenken gegen das Patent, sondern setzte ihre perfide Agitation fort, um besonders die slavisch-lutherischen Gemeinden, die mit einer so großen Freude das Patent begrüßten, wankend zu machen. Und dies schien jenen Leuten auch hie und da gelingen zu wollen, wodurch sie eben den treuen Bekennern der lutherischen Kirche neue Kämpfe zubereitet hatten. Die Aristokraten und ihre für die magyarische Politik schwärmenden Anhänger möchten wünschen in diesen Wirren eine Synode zu halten, um somit noch einmal unsere lutherische Kirche zum Tum⸗