# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S372 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 372 Die lutherische Kirche in Ungarn. Prediger von dem Aufstande fortreißen und nahmen bald stärkeren bald geringeren Antheil an der Revolution. Dies hatte zur Folge, daß nach Unterdrückung des Aufstandes der kaiserliche General Haynau durch die Verordnung vom 10. Febr. 1850 alle früheren Superintendenten unserer ungarisch⸗lutherischen Kirche absetzte und an ihre Stelle die sogenannten Superintendenzadministratoren setzte; das Amt des Generalinspektors aber wie auch das der Superintendenzinspektoren gänzlich aufhob. — In die nächste Zeit darauf fällt die Organisation unserer Gymnasien. Die Unterrichtssprache in dieser Zeit war ausschließlich die magyarische, obwohl das Käsmarker Lyceum in einer rein deutschen Stadt ist und zum größten Theile von Deutschen und Slovaken besucht wurde. Obwohl unter den 820,000 Lutherischen Ungarns*) nicht mehr als 183,028 Magyaren sich befinden, so war gleichwohl durch den obenerwähnten Generalinspektor Graf von Zay die magyarische Sprache seit 1840 als ausschließliche Unterrichtssprache eingeführt worden. So wurden die slavischen Studirenden mit Gewalt gezwungen, ihre Muttersprache zu vernachlässigen, und man wird sich wohl kaum wundern, wenn wir, freilich mit dem tiefsten Schmerze, das Geständniß ablegen müssen, daß die Pfarrer und Lehrer in den lutherisch-slavischen Gemeinden, die doch 435,374 Seelen zählen, seit jener Zeit durchgängig nicht im Stande sind, correkt in ihrer Muttersprache in Kirche und Schule zu lehren und zu schreiben. Die 201,598 Lutherisch-deutschen in Ungarn aber haben größtentheils ihren nationalen Charakter verleugnet. Es erhoben sich gegen diesen Unfug und gegen dies himmelschreiende Unrecht sehr ernste Stimmen; sie blieben jedoch ohne den erwünschten Erfolg! Endlich begann das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht nach seinem Organisationsentwurfe der Gymnasien und Realschulen in Oesterreich von 1849 auch auf die Organisation unserer lutherischen Schulen in Ungarn strenger als früher zu dringen. Es wurde also sowohl in Betreff der zweckmäßigen pädagogischen Einrichtung unserer lutherischen Gymnasien, als auch, was die Gleichberechtigung einzelner Nationalitäten in Ungarn erheischt, eine Besserung der Sachlage in Aussicht gestellt. Jedoch auch hier haben die ungarisch-protestantischen Politiker ihren Protest mit einem trotzigen Widerstand ausgesprochen. Dies sind die echt-ungarischen Protestanten, von denen, leider! das Leben unserer lutherischen Kirche schon seit längerer Zeit gar nichts Gutes, als eben nur das ewige Protestiren gegen Alles, was mit ihren selbstsüchtigen Tendenzen und magyarisationssüchtigen Verkehrtheiten nicht übereinstimmt, — nachweisen kann. Endlich wurde versprochen, daß die Verfassungsangelegenheiten der *) Unsere ungarisch-lutherische Kirche besteht gegenwärtig aus 552 Kirchengemeinden, von welchen 241 rein slavisch, 104 rein deutsch, 103 rein magyarisch, 49 magyarisch-slavisch, 23 magyarisch-deutsch, 16 deutsch-slavisch und 16 deutsch-magyarisch slavisch sind. Die reformirte Kirche in Ungarn zählt gegenwärtig: 1,511,842 Seelen in 1427 Muttergemeinden.