# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S371 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die lutherische Kirche in Ungarn. 371 zur Magyarisirung ... Die Superintendenten und Prediger, die sich nicht politisch konvertirten, das heißt, zum Magyarismus übertreten wollten, wurden Landesverräther gescholten, im gewöhnlichen Leben gehöhnt, ihre Namensunterschrift mit schmählichen Beinamen befleckt. Der Verfasser hat selbst ein Sammelbuch gesehen, in welchem das Zeugniß des sehr achtbaren Superintendenten Jozefi mit abscheulichen Epitheten versehen war... Bei der Besetzung der protestantischen Predigerstellen wurde nicht auf das sittliche Benehmen, nicht auf theologische Kenntnisse Rücksicht genommen, sondern einzig und allein darauf, ob der Kandidat der magyarischen Sprache mächtig sei. Derjenige protestantische Geistliche galt für den besten, der den slavischen Kindern seiner Gemeinde den magyarischen Katechismus am tüchtigsten einzubläuen vermochte. Ob sie das Gelernte verstanden, war gleichgültig, es genügte vollkommen und wurde belobt, wenn bei der Visitation oder Schulprüfung die Kinder den magyarischen Katechismus herplapperten. Wenn in einer slavischen Gemeinde nur ein paar protestantische Magyaren waren, wurde der Gemeinde ein magyarischer Prediger gesandt, der alle zweite, alle dritte Woche magyarisch predigen mußte. Manche Gemeinden wollten solche Prediger nicht annehmen, das betreffende Komitat ließ sie als Widersacher der magyarischen Sprache mit Stockstreichen züchtigen. Als eine dieser Gemeinden sich bei der Statthalterei beschwerte, und die Statthalterei vom Komitat Aufklärung verlangte, antwortete das Komitat, dies habe die Würde und Majestät der Nation erheischt, und der aufgedrungene Prediger blieb... Der Verfasser des vorliegenden Werkes hat die Akten in Händen gehabt.“ So ging es in der Zeit 1840—1848 in Ungarn. Der erwähnte Graf von Zay mit seinen Consorten hoffte auf diesem Wege eine sichere Durchführung der unheilvollen Union, bis endlich der gläubige lutherische Mann Pfarrer Hurban in jugendlicher Energie mit der kräftigen lutherischen Ueberzeugung und kirchlichen Entschiedenheit der alten Väter dagegen auftrat, und durch das lebendige Wort, wie auch durch eine Reihe von Schriften und besonders durch sein Werk „Unia“ vom J. 1846 mit großer Schärfe jene Unionsbestrebungen von Zay's und seiner Anhänger vernichtete. In dieser Beziehung hat sich auch der hochverdiente gläubige Nestor weiland Superintendent Dr. theol. Paul Jozefi, und haben sich in Anschluß an ihn auch andere lutherische Männer Ungarns unter der Geistlichkeit und den Lehrern für die Integrität unserer ungarisch⸗lutherischen Kirche große Verdienste erworben. Die Merkmale des kirchlichen Lebens überhaupt unter den lutherischen Slovaken und Deutschen, wie auch in manchen magyarischen Gemeinden bezeugen in jeder Beziehung auch in diesem Zeitraume, Gott sei Dank! — daß der Geist des reinen Evangeliums unter ihnen wirksam war, wenn auch das kirchliche Leben im Allgemeinen unter jenen traurigen Erzeugnissen „der magyarischen Intelligenz“ an vielen Orten geschwächt wurde. Im Jahre 1848 brach die Revolution in unserem Lande Ungarn los. Leider ließen sich 2 lutherische Superintendenten, mehrere Professoren und