# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S370 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 370 Die lutherische Kirche in Ungarn. setzlichkeit begnügt. Wir haben die heidnischen Dichter und Rhetoren zu Idealen bekommen, während uns Christus unser Herr mit seinem göttlichen Wesen und seiner Heilslehre kaum mehr galt, als was uns die übliche „Weihnachtserinnerung“ als frommes Erbtheil von ihm zurückgelassen. Die Kirchenlieder waren aus den Schulen verbannt; auch die Gebete wurden als nicht zeitgemäß abgeschafft — nie erinnerte man uns daran..... Schämten wir uns doch selbst unsere Hände zu falten beim Gebete, so wir sahen, daß dieß unsere Vorgesetzten nicht für nöthig fanden. Commilitonen, die ihr jetzt von der Höhe eurer vierziger Jahre zurückblickt auf eure Studienjahre, erinnert euch, ob es nicht so und noch ärger gewesen?“ Mit Recht sagt derselbe Verfasser, daß in dieser Zeit der grellste Subjectivismus auf dem lockersten Boden einer stückwerklichen Erkenntniß geherrscht hat. „Jeder dünkt sich genugsam Theologe zu sein, um über die Grundartikel des evangelischen Glaubens zu urtheilen und sie zu verurtheilen.“ In dieser Zeit hat sich nun der Magyarismus auch in der lutherischen Kirche geltend machen wollen. Daher denn der lutherische Generalinspektor Graf von Zay, der bis zum Jahre 1849 in seinem Amte blieb, im Jahre 1840 auszusprechen gewagt hat, daß der Protestantismus Hand in Hand mit dem Magyarismus gehe. Und so verbannte er kraft seines Amtes die lateinische, deutsche und slavische Sprache aus den Gymnasien und theologischen Anstalten, und ließ die magyarische einführen, in der Absicht, mit der Zeit Alles zu magyarisiren. Bei den ungläubigen und charakterlosen Geistlichen und Lehrern aber fand er große Unterstützung in der Ausführung dieses seines Planes. Sodann hat dieser magyarisationssüchtige Graf im Vertrauen auf große Ausdehnung seines amtlichen Einflusses auf die lutherische Kirche eine Union zwischen den Lutheranern und Reformirten in Ungarn durchsetzen wollen, das heißt: daß Alles magyarisch werde. — Es wurde auf allen Seiten und auf alle mögliche Weise agitirt, ja einige lutherische Professoren der Theologie an unseren theologischen Lehranstalten in Ungarn haben den Studirenden und dem Volk mündlich und schriftlich demonstrirt, daß kein Unterschied zwischen diesen beiden Kirchen (was ihr Wesen anbetrifft) existire. Die Gefahr war so groß, um so mehr, da die mächtigen Grundherrn unter den lutherischen Slovaken und Deutschen das Wesen der lutherischen Kirche verleugnend auf dem kirchlichen Gebiete für die Magyarisation schwärmten. Ein wilder Terrorismus und rohe Grausamkeit sind ihre Waffen gewesen. Damit wir aber von allem Verdacht der Parteilichkeit frei werden, berufen wir uns hier auf die geschichtliche Darstellung des ehrlichen katholischen Grafen von Majlath (der selbst ein Magyare ist): „Neuere Geschichte der Magyaren, Regensburg 1853“, 2 Bände, 1. Band S. 254 ff. „Die Agitation zur Magyarisirung der Slaven in den Karpathen bewegte sich zumeist auf dem Boden des Protestantismus ... Zay, ein eifriger Oppositionsmann, war ganz der magyarischen Agitation ergeben ... Er drängte mit aller Gewalt