# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S49 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) + 3 Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 30. November 1847. No. 7. ö Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ö welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, Mr. F. W. Barthel, care of C. F. E Nur die Briefe, enthalten, unter der Adreſſe: W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. welche denſelben alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder dꝛc. ö (Eingeſandt von Th. Brohm.) Das Concordienbuch. —— 3. Beſeitigung etlicher gangbarer Vor— urtheile und Beſchuldigungen wider das Concordienbuch. Da das Concordienbuch ein ſo helles und ent⸗ ſchiedenes Zeugniß von der himmliſchen Wahr— heit iſt und durchaus keinen Irrthum neben ſich ungeſtraft duldet, ſo kann es nicht befremden, wenn diejenigen, welche den Irrthum mehr lieben, als die Wahrheit, dieß edle Buch verdächtigen und allerhand Argwohn darüber auszuſtreuen trachten. So lange die lutheriſche Kirche in gutem Stande war, da waren es meiſt mit weni⸗ ger Ausnahme nur die Päbſtler und Reformirten, die das Concordienbuch anfochten; jetzt aber ſind es vorehmlich die abgefallenen Kinder, die wider ̃ das Bekenntniß ihrer geiſtlichen Mutter ſtreiten. Die einen habens kein Hehl, daß ihnen der bib⸗ ö licche Inhalt des Buchs verhaßt iſt, andere ent⸗ nehmen heuchleriſcher Weiſe aus der Bibel ihre Waffen, womit ſie es bekämpfen. Wir wollen unſere Leſer nur mit einigen der vornehmſten Ein⸗ würfe bekannt machen, um ſie gegen die ſchäd⸗ lichen Einwirkungen derſelben zu verwahren. Ein Einwand, den man jetzt aus dem Munde von Tauſenden, Gelehrter und Halbgelehrter, hört, iſt der, das Concordienbuch ſei nicht nehr zeitgemäß, es habe ſich überlebt, es ſtehe hinter unſerm aufgeklärten Jahrhunderte zu⸗ rück. Luther ſelbſt, wenn er, vom Lichte der heu⸗ tigen Aufklärung erleuchtet, wiederkäme, würde ganz anderer Ueberzeugung ſein und vieles, was er ehedem als unverbrüchliche Wahrheit mit Eifer vertheidigte, als eine Beſchränktheit ſeiner Zeit belächeln. Die Fortſchritte und Entdeckungen auf dem wiſſenſchaftlichen Gebiete ſeien ſo groß, daß ſie die Unhaltbarkeit des alten theologiſchen Sy⸗ ſtems unwiderſprechlich nachgewieſen hätten; nicht blos einzelne Dogmen, ſondern die Bibel ſelbſt habe vor dem Auge des Critikers ihre unbedingte Glaubwürdigkeit verloren, und überhaupt laſſe ſich die Wiſſenſchaft und das unabläſſige Streben des menſchlichen Geiſtes nach Wahrheit nicht in die Feſſeln ſymboliſcher Bücher einzwängen. Was will nun der arme Laie darauf ſagen, der, ſelbſt kein Gelehrter, die vorgeblichen rieſenhaften Fort⸗ ſchritte der Wiſſenſchaft nicht zu beurtheilen ver⸗ ſteht? Soll er dem Feinde das Feld räumen und etwa den Glauben ſeiner Väter für verloren auf⸗ geben oder gleichſam von der Gnade der Gelehr⸗ ten leben, was ihm dieſe noch für Reſte des alten Glaubens übrig laſſen? Da ſei Gott für! Gott Lob und Preis, daß unſer Glaube nicht von Ge⸗ lehrſamkeit und Wiſſenſchaft abhängt, als dürften wir nichts glauben, als worauf die Wiſſenſchaft erſt das Siegel gedrückt hat! Gott Lob, daß der Glaube des Ungelehrten auf demſelben guten Grunde ruht, als der der Gelehrten! Ueber den Werth des Concordienbuchs entſcheidet nicht die Zeit, ſondern die heilige Schrift. Iſt es ſchrift⸗ gemäß, ſo iſt es auch zeitgemäß; denn die heilige Schrift iſt das Wort des lebendigen Gottes, das in Ewigkeit bleibt, iſt für alle Zeiten geſchrieben und überlebt ſich nicht. Man laſſe ſich doch ja durch die prächtigen Worte: „Wiſſenſchaft, wiſ⸗ ſenſchaftliche Entwickelung, Forſchung, Foriſchritt“ u. ſ. w. nicht einſchüchtern; es ſind hohle Worte, da nichts hinter iſt. Führt eine Wiſſenſchaft von dem geſchriebenen Worte Gottes ab, gibt ſie vor, ſelbſtſtändig neue und andere Wahrheiten gefun⸗ den zu haben, als in Gottes Wort, dann iſt ſie eine Mißgeburt des menſchlichen Geiſtes, eine Ausgeburt der Hölle, eine Feindin Gottes und, wie ſie St. Paulus nennt, die falſch berühmte Kunſt. Dieſe findet allerdings im Concordien⸗ buch einen ſtarken Widerſtand, als deſſen höchſter Grundſatz es iſt, ſich demüthig und unbedingt dem geſchriebenen Worte Gottes zu unterwerfen. Es gibt aber auch, Gott Lob! eine wahre theologiſche Wiſſenſchaft, welche, als eine demüthige Dienerin des Glaubens, nicht neue Wahrheiten erfindet, ſondern die von Gott ſelbſt geoffenbarten Wahr⸗ heiten aus ſeinem Worte ſchöpft, ſammelt, ordnet und vertheidigt; von dieſer ſagen wir getroſt, daß ihr das Concordienbuch nicht die geringſte Feſſel iſt, da dieſes nichts anderes iſt und enthält, als das reine Ergebniß wahrhaft wiſſenſchaftlicher Forſchung. Nur dann könnte das Concordienbuch der Wiſſenſchaft hemmend entgegentreten, wenn es entweder die Forſchung in der heiligen Schrift verböte, oder wenn es gewiſſe Irrthümer ſtabilirte (feſtſetzte) oder gewiſſe Wahrheiten verdammte. Keiner dieſer Fälle findet ſtatt. Iſt es aber eine treue und wahrhaftige Auslegung der heiligen Schrift über die wichtigſten und nöthigſten Artikel des Glaubens, ſo kann ja unmöglich zwiſchen ihm und der wahrhaft theologiſchen Wiſſenſchaft ein Widerſtreit ſtattfinden. Es iſt in der That die allerunſeligſte Behauptung, der Begriff von Wahrheit hänge von dem jedesmaligen Zeitgeiſte ab, oder es ſei Anmaßung, ſich durch Gottes Gnade des Beſitzes der Wahrheit zu rühmen. Leugnet man doch in rein menſchlichen Wiſſen⸗ ſchaften nicht gewiſſe ausgemachte Wahrheiten; warum will man denn die göttliche Wiſſenſchaft zu dieſer unſeligen, hoffnungsloſen Tantalus⸗ arbeit verdammen, immer nach der Wahrheit zu jagen und ſie doch nie ergreifen zu können? Oder iſt die heilige Schrift ein ſolch' dunkles, räthſel⸗ haftes, zweideutiges Buch, über deſſen richtigen Verſtand, ſonderlich in den hochſten, wichtigſten Artikeln, man nie zur Gewißheit kommen könnte? Man laſſe ſich alſo nicht durch das Geſchrei der Ungläubigen bethören; das Concordienbuch hin⸗ dert und hemmt nicht die wahre theologiſche Wiſ⸗ ſenſchaft, es iſt ja eine Tochter derſelben; nur der falſchberühmten Kunſt, der Vernunftweisheit, ſetzt es einen Damm entgegen, die aber ebenſowenig verdient Wiſſen ſchaft genannt zu werden, als ein Charlatan den Namen eines Künſtlers verdient. Die Freunde des Concordienbuchs müſſen keines⸗ wegs Feinde des Fortſchreitens in Erkenntniß der Wahrheit ſein; ſie halten ſich nicht für vollkom⸗ men, ſind auch weder ſo hochmüthig noch ſo bor⸗ nirt, daß ſie alle realen Leiſtungen der Wiſſen⸗ ſchaft verachten; ſie wiſſen auch, daß die heilige Schrift ein Brunnen der Weisheit iſt, der nie erſchöpft werden kann; jedoch wollen ſie fortſchrei⸗ ten nur auf dem von Gott ſelbſt gelegten Grunde und in den von Gott ſelbſt geſteckten Schranken. Alle die angeblichen Fortſchritte der neuern Zeit, die einen andern Grund und andern Weg zur