# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S366 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 366 Die Rosenmonate heiliger Frauen. Lebenslauf von der Jugend bis zum Grabe; Eine Absicht war festgehalten und endlich erreicht. Kunigunda ist jungfräulich und bräutlich ihrem Gemahle Heinrich nachgefolgt bis in die Ewigkeit, ohne daß ihr Fuß von dem Wege der lauteren Nachfolge Dessen abgetreten wäre, dessen Reich nicht von dieser Welt ist u. s. w. Was dabei nach der Zeiten Art und Weise geirrt und gefehlt ist, das hindert nicht, daß das Gedächtniß der Gerechten in Segen bleibe und zur Nachfolge Jesu ziehe.“ (S. 60 flg.) Ich will mich nicht dabei aufhalten, daß es mir widersteht, wenn hier und anderwärts mit „der Zeiten Art und Weise“ entschuldigt werden zu wollen scheint, was nicht nach dem Zeitgeist, sondern nach dem Worte Gottes zu bemessen ist. Wohl aber möchte ich wissen, wo denn die heilsame Scheu vor der Verirrung herkommen soll, wenn eben das, worin geirrt und gefehlt wurde, zum Mittelpunkt des Preises und Lobes gemacht wird? Wer die Gabe der Enthaltung hat, der bleibe ehelos und frevle nicht an der Ehe — das wäre zu sagen gewesen. Wenn aber gewissermaßen nur dem Mangel an Erfahrung beigelegt wird, daß wir das Glück einer solchen ordnungswidrigen Ehe mißtrauen, so heißt das unser Erfahren, Gutmeinen und Belieben statt des göttlichen Wortes zum Richtmaß über das machen wollen, was zum Glück dieses oder jenes gottgeordneten Standes und unsern Pflichten in demselben gehört. Im Uebrigen müßte das Buch nicht von Löhe geschrieben sein, wenn es nicht umgekehrt im Einzelnen ganz Vortreffliches enthielte. Aber der Apostel sagt: ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Und wir haben es in diesem Buche nicht mit einzelnen Mißgriffen, sondern mit einer, das Ganze durchdringenden, bedenklichen Richtung zu thun. Dies wollte ich mit den oben angeführten Stellen belegen. Mehr als alle Rosenmonate heiliger Frauen dürfte der Gegenwart das Bild jenes Alexandrinischen Schusters Noth thun, zu welchem ein Traum den Einsiedler Antonius führte und dessen in der Augsburgischen Confession (im 13. Art.) gedacht wird. Denn was Nachfolge Christi, Weltverleugnung, christliche Tugend heißt, für das werden jetzt von Unzähligen Formen gesucht, deren Christlichkeit man nach dem Maße bemißt, in welchem sie etwas Apartes darstellen und nichts mit dem zu schaffen haben, was die Gestalt des gewöhnlichen Erdenberufs trägt. Und ist doch alles Larve und Spuk, so nicht die Welt in uns verleugnet ist und Christus im Herzen wohnt, der uns unseren Frieden nicht in besonderen Werken, sondern in seiner Gnade suchen heißt, deren Besitz eben nicht an selbsterwählten Gottesdienst geknüpft wird. Wo aber, so wird man fragen, wird das von Löhe verleugnet? Ich antworte: Mit Worten nirgends. Im Gegentheil erklärt er ausdrücklich in der Vorrede (S. XII), daß er jetzt noch wie früher ein getreuer Anhänger der symbolisch lutherischen Sätze sei. Und wenn er hinzufügt, daß er nur nicht mehr zu denen gehöre, welche die symbolischen Sätze und die dogmatischen Erläuterungen derselben, wie sie sich im 16. und 17. Jahrhundert finden, verwechseln und Beide für gleich richtig und wichtig halten, so wird das mit dem Inhalt des vorliegenden Buches gar nichts