# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S364 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 364 Die Rosenmonate heiliger Frauen. geschichte der Paula, welche die vaterlosen Kinder verläßt, um die Einsam⸗ keit des gelobten Landes zu suchen. (S. 14 flg.) Wenn er nun aber hinzu⸗ fügt, wir „würden den Weg des Hochmuths betreten, wenn wir Jüngerin⸗ nen wie die heilige Paula um des Irrwegs willen, den sie sich erwählten, und zwar nach großen Beispielen erwählten, gering schätzten und an ihnen theilnahmlos wie an fremden vorübergehen wollten,“ wenn er den Fehlern jenes Zeitalters die nicht geringeren Fehler und Gebrechen un⸗ serer Zeit entgegenstellt und uns räth, eine Zeit, „für deren Fehler wir sogar zu klein seien, nicht zu verachten,“ indem wir eine Pflicht (der Anerkennung) gegen die hätten, die „zwar ihrer Zeiten Weise an sich trugen, wie wir die der unsern, uns aber dennoch in eben demselben Glau⸗ ben, welchen wir bekennen, und in der Liebe zu Christo, die auch von uns gefordert wird, so sehr übertreffen (S. 15. 16.) — so ist das zum Mindesten eine sehr mißverständliche Rede. Wir wären freilich hochmüthig, wenn wir mit solchen, wie Paula, nicht herzliches Mitleiden tragen könnten. Aber was heißt es denn, den Fehlern und Irrwegen unserer Zeit die einer frühern gegenüberzustellen? Wollen wir Verirrung mit Verirrung heilen? Soll uns ein Irrweg erträglich dünken, weil man sich ihn „nach großen Beispielen erwählt?“ Sollen die großen Beispiele an die Stelle des un⸗ trüglichen Maßstabes des Wortes treten? Heißt das unser Urtheil sicher stellen, wenn man uns sagt, wir seien zu klein selbst für die Fehler vergan⸗ gener Zeiten? Hört denn ein Fehler auf zu sein, was er ist, gleichviel ob ich mich ihm gewachsen fühle oder nicht? Und wenn wir mit Schmerzen sehen, daß an sich edle Naturen mit ihrer Liebe zu Christo auf Fehlwege ge⸗ rathen und ihres Glaubens Bethätigung in Dingen suchen, welche der rechte Glaube eben nicht als ächtes Glaubenserzeugniß und Gehorsam gegen Got⸗ tes Gebote ansieht, wie kann man jene Irrenden als Vorbilder desselben Glaubens hinstellen, welchen wir dem Evangelium durch Gottes Gnade danken, und sagen, sie überträfen uns in dem Glauben, den wir bekennen, während unser Bekenntniß uns verbietet, zu thun, was Jene thaten, uns verbietet, die Unsrigen zu verlassen und in selbsterwählte Einsamkeit zu „lau⸗ fen?“ Wenn das nicht heißt, am Bekenntniß unseres Glaubens irre machen, so weiß ich nicht, was noch so genannt werden kann. Denn damit wird nicht das Bekenntniß gefestigt, wenn man es mit der einen Hand auf⸗ pflanzt und mit der anderen umreißt. Und doch geht durch das ganze Buch eine solche falsche Bewunderung der Irrwege, wenn mit dem Betreten desselben ein gewisser Heroismus, eine gewisse Großartigkeit menschlicher, in die Augen fallender, Selbstverleug⸗ nung gepaart ist. Als ob es eben nicht dieser, allerdings menschlich natür⸗ liche, Zug gewesen wäre, welcher von den Tagen der Apostel an vom evan⸗ gelischen Wege ab zu selbsterwähltem Gottesdienst (ἐθελοθρησκεία) ver⸗ lockt hätte. Wenn dagegen in unserm Buch berichtet wird, daß Apollonia sich selbst in die Flammen des Scheiterhaufens gestürzt habe, so soll uns über alle Be⸗