# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S363 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Rosenmonate heiliger Frauen. 363 Maria zu Herzen zu nehmen. (S. 110 flg.) Ist denn das Wort Gottes, das zur Buße ruft, im Lande so theuer geworden, daß es des Surrogates von Legenden bedarf? Und soll mir das über die Lippen gehen, daß ich sage: ich glaube an die ganze Geschichte nicht; aber fühle mich doch aufge⸗ fordert, über meine Sünden Buße zu thun? Zu welcher Verschrobenheit, oder besser, zu welchem blinden Legendenglauben müßte man es gebracht haben, ehe solches möglich würde! Wo bleibt denn bei all' der Sagen⸗ und Fabelwirthschaft die Warntafel des getreuen Ekart? Wenn Luther am Tage St. Catharinä predigen muß, so hebt er an: „Ich habe dies Evangelium nicht für mich genommen, zu bestätigen die Le⸗ genden St. Catharinen, welche, wenn man sie recht ansiehet, mehr Lügen denn Wahrheit in sich hat. Es sei wie ihm wolle, so lassen wir die Legenden fahren, dieweil sie ungewiß sind, und wollen das Evangelium vor uns nehmen, das kann uns ja nicht trügen noch verführen.“ Und weil da oben von Franziskus und Dominikus die Rede war, so lassen wir gleich eine andere Stelle aus Luther folgen. „Zum andern legen sie uns vor der Heili⸗ gen Legende und Exempel, damit sie auch stärken und gründen ihre Men⸗ schenlehre. Und das dringet wahrlich hart und verderbet unzählige Seelen. Da kömmt man so heimlich von der Schrift und Glauben, daß Niemand merken kann. Da lesen sie vor St. Benedictum, Gregorium, Bernhar⸗ dum, Augustinum, Franciscum, Dominicum und viel großer Heiligen, die Niemand darf leugnen, daß sie heilig sind, die doch in solchen Menschenleh⸗ ren und Orden gelebet und heilig worden sind. Sage mir, wie mag ein einfältig Herz solche Stöße leiden und im Glauben bleiben? Es muß ein apostolischer oder evangelischer Geist hier sein, der dafür bleiben soll! — Allein von solchen und anderen Stellen Luther's wird man sagen, sie paßten nicht im geringsten hieher. Hier würde nicht auf die Heiligen der früheren Zeit zur Bestärkung in falscher Menschenlehre, sondern zur Ermunterung verwiesen, nach ihrem Vorbild Christo nachzuwandeln, und zwar nach dem Maß des reinen Lichtes lauterer und treuer, denn sie. So wird es denn eine Gewissenspflicht sein, genau zu prüfen, ob denn dies Buch wirklich dazu angethan ist, jenen Zweck zu erreichen und wahrhaft evangelisches Wesen zu fördern. Wer freilich frisch von Luther her kommt und gewahrt in den Rosen⸗ monaten neben den Märtyrerinnen all' die Klosterfrauen, Einsiedlerinnen u. dgl., der hat von vorn herein einige Bedenken zu überwinden. Es ist ihm, als hörte er Luther's Worte: „Christus will solcher Heiliger auch nicht, die von den Leuten laufen. Denn wo das sollte gelten, so dürfte man der zehn Gebote nichts überall.“ Solchen Gedanken, wie Luther sie hier ausspricht, und wie sie unsere Bekenntnißschriften wiederholen, wenn sie sagen, es sei keine Vollkommen⸗ heit, Weib, Kind und zeitlichen Beruf zu verlassen und in die Einsamkeit zu gehen — solchen Gedanken, sage ich, entzieht sich nun auch Löhe nicht. Im Gegentheil, er wiederholt sie mit ausdrücklichen Worten z. B. in der Lebens⸗