# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S362 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 362 Die Rosenmonate heiliger Frauen. bild. Dies zum Wenigsten erwarten wir in einem Buche scharf hervorge⸗ hoben zu sehen, welches uns Vorbilder aus Zeiten vorhalten will, in denen der Strom des Glaubens und der Liebe sich durch viele fremdartige, ja wohl auch giftige und verwerfliche Pflanzen und Gewächse dahin drängt. Und so scheint es auch zu sein. Denn neben der Mehrzahl der Bilder steht auch eine Warntafel. Sind aber die Warnungen also gestellt, daß unbewachte und ungeschulte Gemüther sicher vor der Gefahr sind, das Ver⸗ kehrte nachahmenswerth zu finden? Wir können das Letzte nicht sagen, und müssen deßhalb mit doppelter Verwunderung fragen, was denn den Verfasser bewog, aus dem reichen Schatz der Geschichte für Frauen und Jungfrauen nicht andere und bessere Vorbilder zu wählen? Wir werden zur Erklärung auf einen ganz äußerlichen Anlaß hinge⸗ wiesen. Weil im zweiten Theile des von Löhe herausgegebenen „Haus⸗ buches“ ein „calendarium sanctorum, ein Verzeichniß der Gedenktage von Heiligen sich findet, welche in der Kirche früherer Zeiten Anerkennung und Geltung gefunden haben,“ so solle das Gedächtniß dieser hingeschiedenen Heiligen den protestantischen Lesern und Leserinnen unserer Zeit wieder fruchtbar gemacht werden. So heißt es in der Vorrede (S. 1.) Je weniger man aber sagen kann, daß er sich ausschließlich durch den gebräuchlichen lutherischen Kalender binden ließ, um etwa die dort herkömm⸗ lichen Namen nach der Geschichte oder Legende zu erläutern, um so weniger läßt sich begreifen, warum er so oft seine Vorbilder an Namen knüpfte, für die man bei dem Mangel an historisch beglaubigten Nachrichten oder dem Ueberfluß an Sagen kaum etwas anzuführen weiß, als daß sie auch heute noch in unserm Kalender stehen. Und die Sache wird um nichts unbedenklicher, sondern nur um Vieles bedenklicher, wenn man, wie bei der Margaretha, sich mit dem Satze trösten soll: „Wo viel Fabel, da ist auch viel wahres Licht“ (S. 201). Denn mit diesem „Kanon“ läßt sich jede „Lügende“ zu einem Vorbild auf Kosten der Wahrheitsliebe verwenden. Oder soll uns über dieses Bedenken jener andere Satz hinweghelfen, welcher an die fabelhafte Geschichte der Christiana geknüpft wird? Wir lesen da (S. 227): „Bei so vielen bezeugten und un⸗ widersprechlichen Wundern, welche wir aus den Zeiten der Verfolgungen lesen, kann es uns in der That nicht schwer oder gar unlieb sein, einige Wunder mehr hinzunehmen:“ Wenn man aus der Sage, als einem großen Kehrichthaufen, einzelne hineingerathene Blumen herausliest, säubert und zusammenbindet, da kann man leicht aus der Sage Geschichten von Vorbildern machen, deren Erbau⸗ lichkeit so lange vorhält, bis — man die ganze, wirkliche Fabel kennt. Oder kann man denn wirklich einem ernsthaften Christen zumuthen, Geschichten sich zur Aufforderung zur Buße gereichen zu lassen, bei welchen „wir dem Leser völlig seine eigenen Gedanken, Werth und Geringschätzung, Glauben und Unglauben überlassen?“ Und dennoch bilden die angeführten Worte bei Löhe den Eingang zur Ermahnung, sich die Sage von der ägyptischen