# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S361 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Rosenmonate heiliger Frauen. 361 bis in die Tage der Märtyrer und Bekenner unter den römischen Kaisern reichen.“ Und in Bezug auf den „Strom des Glaubens und der Liebe zu Jesu Christo, der sich von jenen uralten Zeiten bis tief in's Mittelalter hin⸗ ein erstrecke“, wird gesagt, daß er sich durch viele fremdartige, ja wohl auch giftige und verwerfliche Pflanzen dahin drängen mußte (S. XV). Ja es heißt (ebendas.), daß „die Bekennerinnen einer reineren Lehre sich ange⸗ mahnt und aufgefordert fühlen möchten, denselben Weg bei hellerem Lichte desto lauterer und treuer zu wandeln, und äußerlich wie innerlich so zu le⸗ ben, daß man an ihnen das Bild des Menschensohnes wiederfinden könne, der, gleich entfernt von den Verkehrtheiten früherer und jetziger Tage, je und je allen hätte Maß und Beispiel geben sollen und können zur Vermeidung der Fehler von jeglicher Art.“ Hiernach meint man, die Absicht des Büchleins sei die, vor den eigenerwählten Wegen der Heiligung und vor solchen Vorbildern zu warnen und die Menschen weg zu Dem zu führen, der je und je allen hätte Maß und Beispiel geben sollen und können zur Vermeidung der Fehler von jeg⸗ licher Art. Allein auf der andern Seite sollte „die Erwähnung der Rosen nach Meinung des Erzählers andeuten, daß die Lebensläufe der heiligen Frauen duftig sind wie Rosen und den Geruch eines heiligen und himmli⸗ schen Lebens auch jetzt noch verbreiten“ (S. VII ff.). Und so finden wir uns denn gleich an der Schwelle vor die Frage gestellt, wie es denn wohl gelingen möge, die Rosen, welche an den falschen Wegen selbsterwählter Heiligung blühen, also unserm Gemüthe nahe zu bringen, daß wir nicht mit dem Ge⸗ ruch des Lebens zum Leben auch zugleich den des Todes zum Tode einathmen. Es ließe sich das nur so denken, daß man, treu der Geschichte und aller Fabel abhold, mit unerbittlicher Strenge nach dem ewigen Worte der Wahrheit richtete, was verwerflich ist, und scharf aussonderte, was etwa nach Beseiti⸗ gung der Spreu dann noch von Nachahmenswerthem übrig bliebe. Und in der That wäre die Aufgabe auch da noch schwer genug. Denn zu zeigen, was an dem Wandel auf rechtem Wege nicht richtig war, und die an⸗ klebende Sünde von dem Trachten nach wahrer Heiligung zu unterscheiden, das ist nicht schwer. Aber auszuscheiden, was am Wandel auf falschem Wege doch nicht schlechthin verwerflich, ja in gewissem Sinne nachahmens⸗ werth sei, das ist eine schwierige und mißliche Sache und erfordert äußerste Vorsicht und Behutsamkeit. Am wenigsten werden wir uns auffordern lassen dürfen, auf „demselben“ Wege — wenn er falsch ist — nur „lauterer“ und „treuer“ zu wandeln. Denn nicht unsere subjective Lauterkeit und Treue macht den falschen Weg zu einem richtigen; sondern wenn der Weg der richtige ist, dann können wir hoffen, daß auch unsere Treue lauter und wahrhaftig sei und immer mehr werde. Darum können wir ja nur sagen: lasset Euch von der Treue und dem Eifer derer, die auf falschem Wege wan⸗ deln, nicht verführen, ihren Weg zu betreten, sondern sucht den rechten Weg und laßt euch auf diesem treu und eifrig, wie Jene, erfinden. Hiemit bleibt aber vom ganzen Vorbild nichts, als die Gestalt und Form eifriger Treue; ihr Wesen und Ziel wird ein ganz anderes, als bei dem sogenannten Vor⸗