# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1860_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Generalsynode. 355 und von der Feindschaft wider Gott. Die Liebe zu Gott und zu den Brü⸗ dern ist ihm durch den heil. Geist im Herzen lebendig und treibt ihn zu guten Werken zum Dienste des Nächsten. So wird durch die Predigt des Evan⸗ geliums auch der Wille Gottes, wie er im Gesetz offenbart ist, erfüllt. Röm. 3, 31.: „Wie? heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.“ Vgl. Gal. 3, 5. ꝛc. Wenn es somit nach dem Zeugniß der heil. Schrift unwiderleglich ge⸗ wiß ist, daß die Aufgabe der Kirche, im Ganzen sowohl als in einzelnen Ge⸗ meinden oder Synoden, allein die Predigt des Evangeliums ist, und daß sie nur durch diese den ganzen Willen Gottes nach allen Seiten hin ausführen kann: so ist es eben so gewiß, daß die Generalsynode dem Wort Christi un⸗ gehorsam ist und dawider streitet, wenn sie sich nicht bloß in ihrer Constitu⸗ tion, sondern in ihrer gesammten synodalen Praxis die Beförderung der brüderlichen Liebe und die Erhaltung einer äußerlichen Eintracht, mit Aus⸗ schluß alles Streits über die Lehre, zur Aufgabe stellt. Christus und die Apostel machen die Predigt des Evangeliums zur einzigen Arbeit der Kirche, die Generalsynode dagegen die Uebung der brüderlichen Liebe und Eintracht. Nun schließt freilich, wie oben gezeigt ist, das Evangelium die Liebe sowohl als den Glauben nothwendig in sich, indem es jene durch diesen wirkt. Aber Liebe und Eintracht umfassen nicht nothwendig das andere Prinzip, nämlich das Evangelium, da Liebe und Eintracht in äußerlicher Weise auch ohne und wider das Evangelium vorhanden sein kann. Ja, wegen der menschlichen Sündhaftigkeit geschieht es gar oft, daß das Evangelium mit äußerlicher Liebe und Eintracht gar nicht bestehen kann. Der Herr hat selbst gesagt: „ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“ Dar⸗ aus ist offenbar, daß eine Synode, welche in einseitiger Weise statt der Pre⸗ digt des Evangeliums die Uebung der Liebe und Eintracht zu ihrem Princip macht, jedesmal da dem Evangelium wird entgegentreten müssen, wo ein lauteres und ungefälschtes Bekenntniß desselben, etwa eingedrungenem Irr⸗ thum gegenüber, die äußerliche Eintracht und Liebe stören würde. Eine solche Synode wird lieber das Evangelium in einem oder mehreren Stücken seiner Lehre darangeben, gegen das ausdrückliche Gebot des Herrn: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ Matth. 28, 25., als ihre äußerliche Liebe und Eintracht. Sie wird das Wort, das ihr Herr ihr auf⸗ getragen hat, lieber verstümmeln und fälschen, als daß sie ihre Gemeinschaft in die Gefahr der Trennung und Zersplitterung kommen ließe. Es ist leider vor aller Welt am Tage, daß dies die greuliche Praxis der Generalsynode auf Grund ihres einseitigen und darum verwerflichen Princips ist. Um nur den Synodalverband zu erhalten, unterlassen es ihre Glieder, insbesondere ihre leitenden Männer, wo sie nicht selbst in falscher Lehre stehen, wider die Lüge kräftig zu zeugen und die Wahrheit, wie sie in Gottes Wort und im Bekenntniß unserer und ihrer Kirche niedergelegt ist, Gott zur Ehre und der Kirche zum Heil, frei und öffentlich zu bekennen. Sie sind bereit, Haupt⸗ stücke des Evangeliums, Grundartikel der christlichen Lehre zu verschachern