# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S352 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 352 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Schiller's Eid. Prof. Cuno Fischer in Jena hat vor kurzem aus dem Universi⸗ tätsarchiv den Religionseid mitgetheilt, den Schiller bei der Uebernahme seines akademischen Amtes schwur. Er lautet u. A. wie folgt: Ego Fridericus Schiller juro: 1. quod puram Evangelii doctrinam congruentem cum tribus symbolis et augustana confessione velim amplecti, profiteri atque etiam propagare, pro modo meae vocationis d. i.: Ich Friedrich Schiller schwöre: 1. daß ich die reine mit den drei Symbolis und der Augsb. Conf. übereinstimmende Lehre des Evangeliums annehmen, bekennen und auch ausbreiten wolle nach dem Maß meines Berufes. Stockholm. Vor kurzem wollte hier ein Jude mit einer Christin aufgeboten sein. Der Hofprädicant Anjou verweigerte dies. Das Consistorium ist, sich auf einen Erlaß be⸗ rufend vom 27. Mai 1782, worin es heißt, daß „Juden nur eine Ehe mit ihren Religions⸗ verwandten, aber nicht mit irgend Anderen eingehen dürfen,“ der Entscheidung des Predigers beigetreten. Der Jude hat sich in Folge davon mit seiner Beschwerde an die oberste kirchliche Behörde, an die Ecclesiastic⸗Expedition gewandt. Römische Sympathieen. Das Nathusius'sche Volksblatt erklärt in seiner Nummer vom 4. August: „Wir unsers Orts würden uns dieser Selbstauflösung des Ka⸗ tholicismus, des Falles des Pabstes oder der weltlichen Herrschaft desselben nichts weniger als freuen, denn dieser Fall würde nicht der ev. Kirche zu Gute kommen, sondern lediglich ihrer Fratze, der Negation, dem platten Unglauben, .. den unverständigen protestantischen Engländern, der ev. Allianz, der Partei der protestantischen Kirchenzeitung und was weiter der Art ist. Wenn hin und wieder auch kirchlich gesinnte Glieder der ev. Kirche die Hoffnung aussprechen, es werde des Papstes Fall zu einem Siege der ev. Kirche gereichen, was wir nicht genug beklagen können, so zeugt dies nur von einer politischen wie kirchlichen Blödsich⸗ tigkeit, welche unserer Kirche nichts weniger als zur Ehre gereicht.“ Freienwalde a. d. Oder. Gegen den Oberprediger Melcher, den Verfasser der „Beiträge zum Verständniß der heil. Schrift oder die Entstehung der Schriften des Neuen Testaments“ (zum Theil im Sinne der Tübinger Schule), wurde von dem Consistorium vor einem halben Jahre eine Untersuchung eingeleitet, die nun ihr Ende damit erreicht hat, daß er wegen Abfalls von seinem Ordinationsgelübde abgesetzt und zu den Kosten der Unter⸗ suchung verurtheilt worden ist. Er hat die Appellation an den Oberkirchenrath angemeldet. Es ist erfreulich, zu sehen, daß hie und da ein Kirchenregiment sich ermannt und um Irrlehre willen vom heil. Amte entfernt. Neudettelsau. Die Ref. K.⸗Z. meldet in der Nummer vom 1. October, daß nach Löhe's Suspension der Gottesdienst in Neudettelsau bis auf Weiteres von den benach⸗ barten Geistlichen gehalten werde. Starke Mißbilligung habe bei dem Gottesdienste des auf den 18. Juli folgenden Sonntags das Benehmen Löhescher Zöglinge erfahren. Die⸗ selben behielten nehmlich meistens die Hüte auf den Köpfen, als sie in die Kirche traten, und unterbrachen den Prediger, nachdem er eben seine Predigt begonnen hatte, mit einstimmigem und dreimaligem: Amen! Der Decan, dem sogleich Anzeige von diesem ärgerlichen Vorfall gemacht war, ließ den Pfarrer Löhe und die Zöglinge zu sich kommen, und hielt ihnen unter Androhung ernstlicher Maßregeln für den Fall der Wiederholung ihr unziemliches und un⸗ gesetzliches Verfahren vor. Laien auf den Synoden. Von der gegenwärtigen Zusammensetzung der preu⸗ ßisch⸗luth. Generalsynode redend, bemerkt der Freimund in der Nummer vom 13. Septem⸗ ber: „Die Zahl der Gemeindedeputirten ist also der der Pastoren gleich, was bei Abstim⸗ mungen und namentlich bei der Entscheidung von Lehrfragen sein Bedenkliches hat!“ Daß sich doch die Herren deutschen Theologen die Laien nie anders denken können, als gefährliche Leute in der Kirche, die Herren Pastoren aber als lauter ungefährliche! Wie ganz anders dachten die heiligen Apostel, die es nicht bedenklich fanden, daß in der Jerusalemischen Synode Prediger und Laien nicht nur gleich an Anzahl, sondern letztere in ungleich größerer Anzahl gegenwärtig waren, mit stimmten und Entscheidung gaben! Act. 15. Löhe ist, wie wir so eben im Freimund lesen, der Suspension wieder enthoben und in sein Amt wieder eingetreten.