# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S47 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) RRR RRRRRRRRwMWEE freilich, daß es ganz in der Ordnung geweſen wäre, wenn die Diſtrictsſynode den Beſchluß, die zu Ordinirenden auf das Concordienbuch zu verpflichten, ſchon im Voraus gefaßt hätte, doch wollen wir uns durch dieſen Gedanken gern unſere Freude nicht verkümmern laſſen. Wir hoffen es und bitten darum unſern lieben HErrn JEſum Chriſtum, das unſichtbare Oberhaupt ſeiner hei⸗ ligen Kirche, daß die Allgemeine Synode von Ohio zu der Ueberzeugung komme, wie wichtig und unerläßlich zur Bewahrung der Reinheit und Einigkeit der Kirche die Maßregel ſei, keinem Candidaten die kirchliche Sanction ſeines Dien⸗ ſtes in unſerer Kirche zu ertheilen, der nicht vor⸗ her feierlich erklärt hat, daß der Glaube, welchen unſere Kirche je und je bekannt hat, auch ſein Glaube ſei, den er bis an den Tod treulich be⸗ kennen und vertheidigen und nach welchem er ſein Amt in allen Stücken führen wolle. Uebrigens ſind wir der guten Zuverſicht, da die Synode ſolche Schritte, wie die oben erwähnten ſind, gethan hat, daß ſie ſich auch bald von der Unkirchlichkeit der von ihr noch befolgten Praxis, reformirte oder unirte (gemiſchte) Gemeinden zu bedienen und Candidatenlicenzen zu ertheilen, überzeugen und beides als eingeſchlichene Miß⸗ bräuche abthun werde. Der HErr wolle das geben! Amen. * Aus einem Privatbriefe an den Redacteur. Sachſen, den 28. September. — „Glauben Sie nicht, daß es hier viel Kämpfe und Siege fürs Lutherthum gibt. Ein eigentlicher Kampf iſt noch nicht ausgebrochen, ſo ſehr es auch zu wünſchen wäre. An Anfeindungen fehlt es frei⸗ lich nicht, und wer weiß, was die nächſte Zukunft bringt! Sachſen ſoll eine neue Kirchenordnung erhalten; Gott gebe, daß ſie nicht Unordnung bringe; denn was in Dresden im Conſiſtorium ans Licht gefördert wird, iſt nicht immer das Beſte; gibt es ja ſchon lange kein lutheriſches Conſiſtorium mehr. — In Leipzig iſt ſeit Har⸗ leh's Antritt ein neuer Geiſt erwacht, und wenn auch nur ein kleines Häuflein Studenten ſeinem Wone, oder vielmehr dem Worte des HErrn ge⸗ folgt ſind, ſo iſt doch dafür dem HErrn nicht genug zu danken, denn welch' ſchrecklich rationaliſtiſche Luft hier in Leipzig ſeit Jahren geweht hat, das wiſſen Sie ſelbſt. Freilich iſt Harleß der Uni⸗ verſität wieder in etwas entzogen worden; denn man hat ihn als Hauptpaſtor zu St. Nicolai in Leipzig berufen, in welcher Eigenſchaft er ſeit Mitte dieſes Jahres in großem Segen arbeitet, doch hören wir von ihm alle vierzehn Tage eine Predigt, die nicht nur Tauſende von den Leipziger Weltleuten in die Kirche lockt (denn der HErr iſt mit ihm), ſondern die auch durch die Preſſe im ganzen Sachſenlande wiederklingt. Obgleich er, ein echter Lutheraner, die Schmach der „Formula Concordiä“, d. i. die Schmach Chriſti, auf ſich zu nehmen wagt, ſo ſpricht man doch ſchon ſonder⸗ barer Weiſe davon, daß er nach v. Ammon's, des Oberhofpredigers und Oberconſiſtorialpräſidenten in Dresden, Tod an deſſen Stelle kommen werde.“ beſorgt. Alle Freunde unſerer Kirche ſind aufgefordert, dieſes Werk, welches für unſere amerikaniſch-lutheriſche Kirche gewiß von unberechenbar wichtigen und geſegneten Jolgen ſein wird, nach allen Kräften zu unterſtützen. Der Subſcriptionspreis iſt Pl.25. 47 (Eingeſandt.) Kirchliche Nachricht aus Miſſouri. Unſern entfernten Freunden diene zur Nach⸗ richt, daß wir vor kurzem hier das erſte Mal die Freude gehabt haben, einen Zögling aus dem Coll eium und theologiſchen Seminar zu Alten⸗ burg, Perry Co., Mo., in den Weinberg des HErrn eintreten zu ſehen. Herr Wilhelm Mül⸗ ler, welcher von der Gründung dieſer Anſtalt — vom 9. December 1839 — an, bis zu ſeinem Eramen am 7. October d. J. daſelbſt ſtudirt hatte, iſt von der lutheriſchen Gemeinde in St. Louis Co., die bisher von P. Bünger mitbedient wor⸗ den war, zum Paſtor und Schullehrer berufen, und am 23. Sonntage nach Trinitatis vor der Gemeinde ordinirt worden. Im Auftrage des Präſes der lutheriſchen Synode von Miſſouri ꝛc. waren die PP. Fick und Bünger bei der Ordina⸗ tion thätig; erſterer predigte über das Sonntags⸗ evangelium: Von dem wahren Gottesdienſte, den der HErr in den Worten fordert: „Gebet Gotte, was Gottes iſt“; letzterer hielt die Ordi⸗ nationsrede über Joh. 21, 15—17., indem er die Frage und den Befehl des HErrn IEſu an den berufenen Prediger darſtellte, 1. die Frage IEſu: „Haſt du mich lieb?“ und 2. den Befehl IEſu: „Weide meine Schafe!“ Sowohl aus P. Ficks Gemeinde, als auch aus der zu St. Louis waren mehrere Glaubensgenoſſen gegenwärtig. — Es war ein Tag lieblicher Ge⸗ meinſchaft in dem HErrn. Möge auf der An⸗ ſtalt zu Altenburg auch ferner Gottes Gnade und Segen ruhen; möge der Kirche aus dieſem Pflanz⸗ garten noch manche reife Frucht zuwachſen, mö⸗ gen die lieben Zöglinge daſelbſt zu treuen Arbei⸗ tern für die große Ernte Chriſti ausgerüſtet wer⸗ den. Chriſtus helfe auch gnädig, daß der Dienſt des erſten unter den Ausgeſendeten ein recht ge— ſegneter in ſeiner Gemeinde ſein möge. Dieß unſere Bitte zu Gott. Amen. Eingeſandt.) Der Apologet. Es iſt bekannt, wie zudringlich die Methodi⸗ ſten ſind, um ihren Apologeten auch unter den Lutheranern an den Mann zu bringen und ſo ihr methodiſtiſches Seelengift auszuſtreuen. Auf dieſe Weiſe kam jüngſt das genannte Blatt auch in meine Hände. Seinen Zweck mußte es an mir verfehlen, indem einem jeden erleuchteten Chriſten das Herz bluten muß, wenn er von Menſchen, die Chriſten, und zwar die beſten, ſein wollen, Läſte⸗ rungen lieſ't, dergleichen der Apologet enthält. Es hieß in meinem Herzen: Wirſt du ſchweigen, ſo müſſen die Steine ſchreien! Im Apologeten No. 39 fand ich einen Aufſatz von einem gewiſſen C. H. D., welcher beweiſen will, daß die Buß⸗ bank „ſchon ſeit dem Fall Adams von Gott ſelbſt eingeführt wurde“. Er zieht einige Beiſpiele, die ſeine Behauptung rechtfertigen ſollen, bei den Haaren herbei; ſelbige beweiſen aber das gerade Gegentheil, nemlich: daß die Buße an keinen Ort und an keine Zeit gebunden ſei, während die Methodiſten, die Leute gewaltſam bei den Aermeln an ihren „Betaltar“ hinziehend oder ſchiebend, rufen: Jetzt, jetzt iſt es Zeit! wie erſt kürzlich bei der Langry Campmeeting geſchehen. Das erſte Beiſpiel, welches der C. H. D. an⸗ führt, iſt David und zwar ſein Bekenntniß im 40. und 51. Pſalm. Was für eine Verwandt⸗ ſchaft dieß aber mit der Bußbank habe, mag jeder ſelbſt nachſehen. Der 51. Pſalm iſt bekanntlich Davids Bußgebet, und wodurch dasſelbe erweckt worden, leſen wir 2 Sam. 12, 1. ff. Wer kann nun wohl im 13. Vers Methodiſtenpraxis finden? — Beichte und Abſolution iſt wohl darin, aber wo die Bußbank? Fernere bibliſche Beiſpiele davon ſollen ſein: die Sünderin (Luk. 7, 36. ff.), ſogar der Schä⸗ cher am Creuz, der Zöllner in dem Tempel, „die allerlängſte Bußbank“ aber ſoll „an jenem Pfingſt⸗ feſte errichtee worden ſein, wo 3000 Seelen an derſelben ſtanden oder lagen!!“ Ein jeder, der nicht vom methodiſtiſchen Schwarmgeiſt trunken geworden iſt, urtheile ſelbſt. Wo iſt eine Spur, daß man den Leuten einen Platz angewieſen habe, an welchem ſie um Gnade heulen und ſchreien mußten? O, wie muß ſich doch das theure Wort Gottes dazu mißbrauchen laſſen, die größten Tollheiten des menſchlichen Herzens zu beſiegeln! Daß die Kammer, die jener Herr durchaus nicht anerkennen will, auch ein ſchicklicher Platz ſei, ſehe ich wohl aus dem 6. Pſalm, wo David ſpricht: „Ich bin ſo müde vom Seufzen, ich ſchwemme mein Bette die ganze Nacht, und netze mit meinen Thränen mein Lager“; ich leſe auch von andern Plätzen, aber daß, wie bei den Me⸗ thodiſten, ein beſonderer erfordert werde, das finde ich nirgends. Als Paſtor Wyneken ſchrieb, daß die Metho⸗ diſten die heiligen Sacramente in den Hintergrund ſtellen und die Bußbank oben an, da wollte der Himmel einfallen; wie haben da die Methodiſten, um die aufgedeckte Schande wieder zuzudecken, ihre Abendmahlsfeier ſo herrlich dargeſtellt; ſelbſt die dabei vergoſſenen Thränen ſollten beweiſen, wie hoch bei ihnen jenes Sacrament ſtehe — und was thun ſie jetzt? — Ein jeder Chriſtenmenſch höre, und ſtaune! In der angeführten Nummer heißt es: „In der Folge der Zeit hörte jene alte Maßregel, durch deren Gebrauch der Sünder allein ſelig werden kann, auf; neue Maß⸗ regeln wurden von der Menſchheit eingeführt, leichter, bequemer und dem Fleiſche angenehmer, als die alten. Dieſe neuen Maßregeln, die an die Stelle von Buße und Bekehrung treten ſoll⸗ ten, waren: Beichte, Meſſeleſen, Wallfahrten, Ka⸗ ſteiungen, Taufe, Abendmahl und dergl.; Buße, Bekehrung und der Glaube an Jeſum war nicht mehr der Weg, der zum Himmel führt.“ — Was iſt's hiernach Wunder, wenn die deutſchen Methodiſten zugeben, daß ihre Glieder ihre Kinder nicht taufen laſſen, da ihre Lehrer Taufe und Abendmahl neben Meſſeleſen, Wallfahrten, und andere gottloſe Menſchenſatzungen ohne Scheu in eine Klaſſe ſetzen! Wer hätte je geglaubt, daß die Methodiſten ſich ſelbſt ſo entlawen würden? Denn wenn man auch weiß, daß ſie die heiligen Sacra⸗ mente nichts achten, ſo haben ſie dieß doch, wenn ſie darüber zur Rede geſtellt wurden, bisher im⸗ mer nicht Wort haben wollen. Nun, wie will Herr Naſt, als Theolog, es vor Gott verantworten, ſolche Läſterreden wider Chriſti Stiftungen in ſein Blatt aufzunehmen, das der Vertheidiger des Chriſtenthums heißt? Sollen die heiligen Sa⸗ cramente „von der Menſchheit eingeführt“ ſein, ſo beweiſe man, daß unſer Herr Jeſus Chriſtus nicht wahrhaftiger Gott, ſondern ein bloßer Menſch geweſen ſei, und offenbare, was man im Herzen trägt, nemlich: Rationalismus. O, wie fällt doch ein Menſch von einem Irrthum in den andern, wenn er von Gottes Wort abweicht und ſeinem Herzen folgt! Lutheraner, laßt uns uns vorſehen! F. W. Wier, luth. Paſtor. Lawrenceville, den 5. October 1847.