# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S347 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Litteratur. 347 nungen als Gotteswort aufbürden darf? was für einen Schutz haben unsere Gemeinden noch gegen die Willkühr solcher Prediger, die die Hauptsache zurückstellen hinter solchen Menschenfündlein, die von gestern her sind? Es ist kein Zweifel, unsere Zeit fragt wieder mehr nach dem Glauben, die Kirchen füllen sich, es wird gesucht und geforscht da und dort, und wer unser Volk aufmerksam beobachtet, kann dies Suchen und Fragen in gar vielen Kreisen nicht verkennen. Aber wie es immer in solchen Zeiten gewesen, ist es auch jetzt eine Krankheit dieser unsrer Zeit, daß gar viele sich nicht mehr genügen lassen an dem Einen, das Noth thut. Es geht gar oft, wie dort bei Israel in der Wüste, das am Manna, weil es alle Tage kam, nicht mehr genug hatte und sein überdrüssig wurde: es wollte pikantere Speise haben. Solcher pikanter Speisen giebt es gar manche: es sind ja die Schlagwörter hüben und drüben, aus dem Lager zur Rechten wie zur Linken wohl bekannt. Die Frage vom tausendjährigen Reich gehört auch mit dazu. Es gehört sehr wenig Kunst dazu, unsere Gemeinden in chiliastische Fragen und Begeisterungen hineinzubringen: man kann ja ein eifriger Chiliast sein, ohne guter Christ sein und seine bösen Gewohnheiten ablegen zu müssen. Es ist das eben so leicht, als ein confessioneller Eiferer zu werden, womit ja bekanntlich der alte Mensch auch noch nicht abgelegt ist. Unsere Gemeinden brauchen darum etwas Anderes. Das tägliche Brod, die gute nahrhafte Hausmannskost thut ihnen Noth, und nicht Leckerbissen pikanter Art, wenn anders unser HErr noch Recht hat mit seinem Wort: Eins ist Noth! Das Evangelium thut unsern Gemeinden Noth, nicht wie Clöter es predigt, sondern wie Paulus und die andern Apostel es gepredigt haben, damit sie lernen, was sie in Christo haben und werden können, und nicht damit sie nur grübeln und allerlei sonderliche selbsterwählte Dinge vornehmen und treiben, sondern damit sie durch dies Evangelium neue Menschen werden, die Frucht bringen in Geduld. So hat Luther es gehalten, und unsere evangelische Kirche hat es immer ihre Ehre sein lassen in Luther's und der Apostel Fußtapfen einherzugehen. Litteratur. Nach einer Ankündigung in der Darmstädter K. Z. soll demnächst in London eine neue deutsche theol. Zeitschrift unter folgendem Titel erscheinen: „Englisch⸗theologische Forschungen und Kritiken. Herausg. von Dr. M. Heidenheim, theol. Mitglied des Königlichen Collegiums in London.“ Jährlich 3 — 4 Hefte in Octav zu 10 — 15 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 — 4 Preuß. Thaler. Der Zweck dieser Zeitschrift soll ein dreifacher sein. „1. Sollen alle Erscheinungen auf dem theologischen Gebiete genau besprochen und dem Leser das Wichtigste aus denselben mitgetheilt werden, so