# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S345 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Clöter, Eine Heerde unter Einem Hirten ꝛc. 345 das Reich Gottes. Denn das ist wohl der Grundgedanke, der sich von Anfang bis zu Ende hindurchzieht, daß das Reich Gottes noch nicht vorhanden ist, sondern erst kommen wird. Wir stehen vielmehr erst noch in der Zeit der Weltreiche, und, wie wir aus Daniel lernen, giebt es vier solcher Weltreiche, das babylonische, persische, griechische und römische. Dies römische Weltreich hat zwar bereits 476 sein Ende erreicht, hat sich aber 800 in Karl dem Großen von seiner tödtlichen Wunde wieder erholt, bis es 1806 ein Ende genommen, und besteht seitdem nur noch in seinen zehn Zehen oder zehn einzelnen Königreichen fort, bis zuletzt auch diese zerschlagen werden, damit als das fünfte Weltreich das Reich Gottes an seine Stelle trete. „Erkennet, werden die Bauern von Reutin und Umgegend vermahnt, daß das Reich, in dem wir leben, erst das vierte, nicht schon das fünfte Reich ist, denket nicht, daß das fünfte Reich, das Reich Christi, irgendwo neben, draußen oder innen versteckt, oder gar droben über den Sternen ist, sondern daß es nach diesem römischen Reich ebenso eintreten wird, wie einst das römische gefolgt ist auf das griechische, und das griechische auf das persische, und das persische auf das babylonische Weltreich“ (S. 20). Die Kinder Gottes sind jetzt nur erst unter der Herrschaft der Weltreiche, sie sind, seitdem David's Thron zerschlagen worden, in der babylonischen Gefangenschaft, wo freilich, wie Daniel einst auf den Perserkönig, so auch jetzt die Gefangenen den größten Einfluß auf ihre Sieger haben; aber es ist eben doch nur erst eine Gefangenschaft unter dem Weltreich. „Wer das weiß, lautet eine andere Vermahnung, der warte ruhig, sei er König oder Unterthan, bis das römische Reich vollends vorüber geht; es ist Thorheit, selber an diesem Reich wollen anfangen zu bauen. Vielmehr gilt es, seine Seele bereiten und sich reinigen von seinen Sünden durch die Arznei 1 Joh. 1, 7—9“ (S. 21). Vor Allem aber thut es noth, diese Lehre vom kommenden Gottesreich recht fleißig zu treiben. Denn „diese Offenbarung die uns Daniel giebt, ist ebenso wichtig, als die Offenbarung am Sinai durch Mosen, und muß in unserer Zeit ebenso schon den Kindern in der Schule eingeprägt werden, wie die zehn Gebote“ (S. 66). Damit wird dann auch erst die rechte Arbeit an den Heiden ermöglicht werden. „Denn wie jetzt die s. g. christlichen Nationen sind, taugen sie nicht, das Christenthum zu den übrigen Nationen zu bringen. Und wie jetzt die Heiden sind, kann man sie zwar vorläufig mit dem Gesetz Gottes und dem Sünderheiland bekannt machen; aber das Reich Gottes kann man ihnen noch nicht predigen, dazu gehört eine tausendjährige Vorbereitung“ (S. 119). Denn woher kommt es doch, daß die Christenheit seit dem siebenten und achten Jahrhundert kaum mehr eine Vermehrung erfahren? daß auch die Mission verhältnißmäßig nur so geringe Fortschritte macht? „Antwort: weil die Christenheit selber sich ihres Berufes noch nicht oder nicht mehr klar ist. Sie soll das Reich Gottes predigen. Statt dessen predigt man noch zu viel irdisches Kirchenthum und