# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S344 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 344 Clöter, Eine Heerde unter Einem Hirten ꝛc. ten des Lebens. Daß in den vielen Verhandlungen des 4., 5. und 6. Jahrzehents besonders Melanchthon das Wort führte, ist ein für das historische Recht des Protestantismus höchst bedeutender Umstand. Wäre es Luther gewesen oder einer der lutherischen Streittheologen, so würde man jetzt sagen: Bei solchen Vermittlern konnte es zu keinem andern Resultate als zum Bruch kommen. Daß es aber den mildesten Collocutoren von beiden Seiten nicht gelang, ist doch ein klarer Hinweis, daß dieß Resultat historisch nothwendig war. Aber ist denn der Schade, daß sich durch die Reformation die abendländische Kirche in drei Sonderkirchen zerschlagen hat, wirklich so groß? Es war ja seit dem 11. Jahrhundert die abendländische Kirche nicht mehr die Kirche, sondern nur ein Bruchtheil der Kirche, getrennt von der Kirche des Morgenlandes. Und die Reformation war ja nur die Mündung einer durch das ganze Mittelalter hindurchgehenden, seit Mitte des 13. Jahrhunderts mächtiger und mächtiger werdenden Strömung. Die historische Nothwendigkeit, daß der Strom der abendländischen Kirche sich in getrennte Arme zerschlagen mußte, hat Melanchthon nicht erkannt. Er konnte sich von dem Gedanken nicht trennen, daß die Einheit der Kinder Gottes auf Erden die Einheit des kirchlichen Organismus fordere. Wie Melanchthon's Vater die Seinen gebeten hatte, sie möchten in Einheit mit der Kirche bleiben, so bewegte den sterbenden Melanchthon noch des Herrn Gebet, daß seine Jünger eins seien. Nach dreihundert Jahren ist weder durch Kämpfe noch durch Unionsbestrebungen die kirchliche Einheit der drei Sonderkirchen des Abendlandes erzielt worden. Und nur wer ohne auf Vergangenheit und Gegenwart zu blicken abstrakten Friedensidealen nachjagt, kann hoffen, daß bald der Tag kommen werde, wo die getrennten Kirchen zu Einer großen Kirche sich vereinen werden. (Aus der Erlanger Zeitschrift.) Clöter, Eine Heerde unter Einem Hirten im Königreich Jesu auf Erden vor dem jüngsten Tag. Unter diesem Titel ist bereits in dritter Auflage ein Büchlein erschienen, das eine Reihe biblischer Weissagungen erläutert, und zwar sind es kirchliche Betrachtungen, die ein evangelischer Pfarrverweser vom Reformationsfest 1858 bis zum zweiten Sonntag nach Epiphanias 1859 Sonntag für Sonntag in seiner Gemeinde gehalten hat, und da jene Betrachtungen nicht minder fleißig sollen gehört worden sein, als jetzt das Büchlein begierig gelesen wird, so ist es wohl der Mühe werth, seinen Inhalt näher ins Auge zu fassen und auch an diesem Orte zur Besprechung zu bringen. Wie schon der Titel der Schrift besagt, handelt es sich hier um das Friedensreich Jesu auf Erden oder um das, was man sonst das tausendjährige Reich nennt, oder, wie der Verfasser völlig gleich bedeutend es nimmt, um