# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S46 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lung ſelbſt um's Leben. Dies geſchah im Jahr 1527. Das ſchrecklichſte unter allen Beiſpielen dieſer Art iſt aber das eines italieniſchen Rechts⸗ gelehrten, mit Namen Franzesko Spiera, der auch die Wahrheit der evangeliſch⸗lutheriſchen Lehre erkannt hatte, dieſelbe aber ſpäter zweimal wider das Zeugniß ſeines Gewiſſens verleugnete, und zwar das letzte Mal in ſeiner Vaterſtadt Citadella, um ſein Leben zu erhalten, feierlich abſchwor. Von dieſem Augenblicke an trug er die Hölle in ſeinem Herzen, bis er endlich nach unerhörter Gewiſſensangſt und Seelenqual ſeinen Geiſt im Jahr 1548 mit Ach und Weh elendig⸗ lich aufgab. — Wozu hat das Gott gethan? — Darum: alle Lutheraner, denen Gott das Kleinod der reinen Lehre geſchenkt hat, vor Abfall zu warnen. O ſo laßt uns nicht ſcherzen mit unſerer Seligkeit! Irret euch nicht, ruft der heilige Apoſtel, Gott läßt ſich nicht ſpotten! Laſſet uns hören auf ſeine Stimme, die uns wie mit Donnerton in Worten und ſchrecklichen Gerichten warnend zuruft: „Halte, was du haſt, daß niemand deine Krone nehme!“ Laßt uns bedenken: müſſen auch (wie bereits geſagt) diejenigen, welche feſt bei der Wahrheit bleiben, die Dornenkrone der Verachtung, des Spottes und des Haſſes tragen, was iſts? — Sie werden dadurch Dem gleich, der auf ſein Bekenntniß, daß Er die Wahrheit ſelbſt ſei, am Creuze bluten mußte. Wie dieſer aber jetzt ſitzet auf dem Throne ſeiner Herrlichkeit, ſo will er auch ſeine treuen Bekenner einſt aus der Schmach zu ewiger Ehre, aus dem Streit zu ewi⸗ gem Triumphe bringen. Er will ſie auch vor ſeinem Vater bekennen und ihre Häupter mit dem unverwelklichen Siegerkranz himmliſcher Herrlich⸗ keit krönen. Denn er ſpricht: „Wer beharret bis ans Ende, der wird ſelig. Sei getreu bis an den Tod, ſo will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Amen! Amen! Luthers Antwor auf die Frage: Ob ein Laie das heilige Abendmahl in gewiſſen Fällen ſich und den Seinigen insgeheim in ſeinem Hauſe ſelbſt rei⸗ chen ſolle oder dürfe? (Ein Brief an Wolfgang Brauer, Pfarrherren zu Jeſſen. Opp. Hal. X, 2736.) Gnade und Friede in Chriſio. Würdiger, lie⸗ ber Herr Pfarrherr, auf die Frage, ſo Euer guter Freund zu Linz, Sigmund Hangreuter, Euch vor⸗ gelegt ſchriftlich, und an mich gelangen zu laſſen begehrt, iſt dies meine Antwort, daß Ihr dem gu⸗ ten Herrn und Freund wollet anzeigen, daß er nicht ſchuldig ſei, ſolche Weiſe vorzunehmen, ſich und ſein Hausvölklein zu communiciren, auch darzu unnöthig, weil er dazu nicht berufen, noch Befehl hat, und ohne das, wo es die tyranni⸗ ſchen Kirchendiener, ſo es zu thun wohl ſchuldig ſein, ihm noch den Seinen nicht reichen wollen, dennoch wohl kann in ſeinem Glauben ſelig wer⸗ den durchs Wort; es würde auch ein groß Aer⸗ gerniß machen, alſo in den Häuſern das Sa⸗ crament hin und wieder zu reichen, und doch die 46 Länge kein gut Ende nehmen, und eitel Spaltung und Seeten ſich erheben; wie denn die Leute jetzt ſeltſam und der Teufel unſinnig iſt. Denn die erſten Chriſten in der Apoſtelgeſchichte haben nicht das Sacrament alſo inſonderheit in Häuſern gebraucht, ſondern ſind zuſammen kommen; und ob ſie es gethan hätten, ſo iſt ſolch Exempel jetzt nicht mehr leidlich, wie jetzt nicht leidlich iſt, daß wir alle Güter gemeinſchaftlich laſſen ſein, wie ſie es dazumal thaten, denn es iſt nun das Evan⸗ gelium öffentlich ausgebreitet mit den Sacramen⸗ ten. Daß aber ein Hausvater die Seinen das Wort Gottes lehrt, iſt recht und ſoll ſo ſein, denn Gott hat befohlen, daß wir unſere Kinder und Haus ſollen lehren und ziehen, und iſt das Wort einem jeglichen befohlen; aber das Sacra⸗ ment iſt ein offenbarliches Bekenntniß und ſoll offenbarliche Diener haben, weil dabei ſteht, wie Chriſtus ſagt, man ſoll es thun zu ſeinem Ge⸗ dächtniß, d. i. wie St. Paulus ſagt: zu verkün⸗ digen oder predigen des HErrn Tod, bis er komme; und daſelbſt auch ſpricht, man ſoll zu⸗ ſammen kommen, und hart ſtraft die, ſo ſonderlich ein jeglicher vor ſich des HErren Abendmahl ge⸗ braucht; ſo doch nicht verboten, ſondern geboten iſt einem jeglichen inſonderheit, ſein Haus zu lehren mit Gottes Wort, ſich ſelbſt dazu auch, und doch niemand, ſich ſelbſt zu taufen ꝛc. ꝛe. Denn es gar ein Anders iſt um ein öffentliches Amt in der Kirchen, und um einen Hausvater über ſein Geſinde, darum ſie nicht zu mengen ſein noch zu trennen. Dieweil nun hie keine Noth noch Be⸗ ruf iſt, ſoll man ohne Gottes gewiſſen Befehl hie nichts aus Andacht vornehmen, denn es wird nichts Gutes daraus. Solches mögt Ihr, mein lieber Herr Pfarrherr, als von meinetwegen zur Antwort geben. Hiemit Gott befohlen. Amen. Am St. Davidstage, Anno 1536. Mart. Lutherus. 2*•——— Die Generalſynode und die Geſchichte. In einer der letzten Nummern des „Lutheran Standard“ (vom 27. Oct.) erklärt ein Einſen⸗ der, die Thatſache, daß die ſogenannte lutheriſche Generalſynode von der lutheriſchen Kirche abge⸗ fallen ſei, laſſe ſich gegenwärtig nicht mehr ab⸗ leugnen oder übertünchen. Die Hoffnung, die Leute darüber im Nebel zu erhalten, ſei nun ein zerbrochener Rohrſtab geworden, welcher denen, die ſich darauf lehnen wollen, durch die Hand fahre. Der Einſender, ſich auf die neueſte Aus⸗ gabe der Kirchengeſchichte des Dr. Guericke be⸗ ziehend (S. Auflage 6, Theil 3, Seite 366. Note 2.), ſchließt: „Die Geſchichte hat es bereits für die Nachwelt eingetragen, daß die General⸗ ſynode keine evangeliſch-lutheriſche Körperſchaft iſt, inſofern dieſelbe gerade diejenigen Lehren nicht feſthält, durch welche ſich die evangeliſch-lutheriſche Kirche von andern Benennungen unterſcheidet. Die Geſchichte erklärt, daß ſich die Generalſynode ausdrücklich und ohne alles Hehl von den Unter⸗ ſcheidungslehren des Lutherthums losgeſagt und ſich zu gleicher Zeit zu Gunſten einer (falſchen) Union und methodiſtiſchen Praxis erklärt habe. — Gebe Gott, daß diejen igen Prediger und Ge⸗ meinden, die ſich aus Unwiſſenheit in die neue Secte, welche die Generalſynode mit Beibehal⸗ tung des lutheriſchen Namens geſtiftet hat, haben verlocken laſſen, nun endlich ihre Augen öffnen, jene abtrünnige Gemeinſchaft eilends verlaſſen und zu ihrer Mutterkirche zurücktreten. Es iſt nicht nur außer Zweifel, daß ein ſo elendes menſchliches, bodenloſes Machwerk, als die Generalſynode iſt, über kurz oder lang in ſich ſelbſt zerfallen muß, es iſt auch gewiß, da bei dem falſchen Glauben der⸗ ſelben nicht einmal natürliche Ehrlichkeit ſtatt fin⸗ det, ſo wird ſich das ſelbſt ſchrecklich rächen; im⸗ mer gräulicher wird die Finſterniß werden, dafür, „daß ſie die Liebe zur Wahrheit nicht haben ange⸗ nommen, daß ſie ſelig würden, darum wird ihnen Gott kräftige Irrthümer ſenden, daß ſie glauben der Lüge: auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, ſondern haben Luſt an der Ungerechtigkeit“. 2 Theſſ. 2, 10 —14. ———. —— Die weſtliche Diſtricts⸗Synode der ev.⸗Luth. Kirche von Ohio hat in einer den 31ſten Mai d. J. gehaltenen Sitzung beſchloſſen: „Daß eine jede Synode, die ſich Evangeliſch⸗ Lutheriſch nennt, es ſich zur Pflicht machen ſollte, die reinen Lehren und Gebräuche unſerer Kirche, wie ſie in den Bekenntnißſchriften der⸗ ſelben, als mit göttlicher heiliger Schrift über⸗ einſtimmend, von uns anerkannt und vor⸗ geſtellt werden, unter ihren Gliedern zu bewah⸗ ren, daß aber die Verpflichtung der zu ordini⸗ renden Prediger auf dieſe Schriften ein Gegen⸗ ſtand iſt, der zur Berathung an die nächſte All⸗ gemeine Synode gehört, wo er ohnedem nach einem gefaßten allgemeinen Schluß zur Bera⸗ thung und Entſcheidung vorgenommen werden wir * Ferner hat derſelbe Körper in einer der folgen⸗ den Sitzungen nachſtehende wichtige Beſchlüſſe gefaßt: „Beſchloſſen, daß dieſe Synode es für höchſt wünſchenswerth hält, daß jedes Glied unſerer Verbindung ſich ernſtlich bemühe, bei Verwaltung ſeines Amtes Gleichförmigkeit in dem Ritus und der Praxis der Kirche auf das Möglichſte zu fördern. Beſchloſſen, daß dieſer Körper, da er den engliſchen Catechismus, von Hrn. Ludwig in Neu York herausgegeben, für die beſte Aus⸗ gabe dieſes Werkes hält, ihn vor allen andern empfiehlt, dabei aber Hrn. Ludwig erſucht, in einer etwaigen künftigen Ausgabe das aus⸗ gelaſſene Wort „true“ (wahre, nemlich Leib) in der Antwort zur erſten Frage im 5. Haupt⸗ ſtück beizufügen, und das Wort „merely“ in der Erklärung des 3. Artikels im 2. Hauptſtück wegzulaſſen; ſo wie auch überhaupt ſo genau wie möglich dem echten lutheriſchen Catechis⸗ mus zu folgen.“ Gewiß jeder lutheriſche Chriſt wird ſich inſon⸗ derheit über das vorliegende neu hinzukommende öffentliche und offizielle Bekenntniß einer größern Körperſchaft zu den ſymboliſchen Büchern unſerer theuren Kirche herzlich freuen.“) Wir meinen *) Wir können nicht unterlaſſen, hierbei wiederholt dar⸗ an zu erinnern, daß Herr Ludwig in New York gegenwär⸗ tig eine neue Auflage der evangeliſch-lutheriſchen öffent⸗ lichen kirchlichen Bekenntniſſe, das Concordienbuch genannt,