# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S335 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Luther und Melanchthon. 335 riges, also nicht als von dem Schuldner aus Billigkeit und Liebe zugleich dargereichtes Gut, gefordert wird. XV. Geld auf Wucher zu borgen, ohne durch die Noth dazu genöthigt zu sein, ist Sünde. Beweis: Da das Leihen auf Wucher wider das Moralgesetz ist und von jedem ehrlichen Erwerbszweige als ihm fremd ausgestoßen wird, auch das geoffenbarte Wort Gottes es für eine Missethat und Greuel vor Gott erklärt, so kann die Ansprache an den Wucherer, um von ihm etwas geliehen zu erhalten, wenn dies nicht durch die Noth veranlaßt wird, nur als muthwilliges Reizen zur Sünde angesehen werden, das im Namen JEsu nicht geschehen kann und Sünde ist. — Luther und Melanchthon. Bei Gelegenheit der zu Leipzig am 19. April d. J. veranstalteten akademischen Feier des dreihundertjährigen Todestags Philipp Melanchthon's hat Prof. Dr. K. F. A. Kahnis eine Rede zum Gedächtniß Melanchthon's gehalten, die bei Dörffling und Francke in Leipzig erschienen ist und uns vorliegt. Aus dieser Rede theilen wir eine Vergleichung mit, welche der gelehrte Redner darin zwischen Luther und Melanchthon anstellt. Es heißt darin, wie folgt: Wohl war Melanchthon von Haus aus fromm, in der Schrift heimisch, in die Theologie eingeführt, durch Reuchlin in die reformatorische Richtung geleitet, somit in jeder Beziehung auf Wittenberg vorbereitet: aber ohne Luther würde er die Bahn des Humanismus nicht überschritten, eine Stelle neben Erasmus und Reuchlin sich erworben haben. Auf dem entscheidenden Boden aber von Wittemberg schloß er sich mit jugendlicher Begeisterung an Luther an. Er nahm bekanntlich schon im folgenden Jahre 1519 an der Leipziger Disputation Theil und brachte Eck durch seine Bemerkungen mehrmals in Verlegenheit, aus welcher sich derselbe mit den Worten: Tace Philippe et cura studia sua zu helfen suchte. Melanchthon ergriff mit vorbereitetem Herzen den Lebensmittelpunkt Luther's, die Rechtfertigung aus dem Glauben, den theologischen Gedankenkreis Luther's, Luther's Protest gegen Rom. So mächtig war der Eindruck Luther's auf Melanchthon, daß er fast den Schwerpunkt seiner Eigenthümlichkeit verlor an diesen Mann, den er in der ersten Begeisterung einen Elias nannte und von dem er sagte, als er seinen Tod vernahm: Ach der Wagen und Reiter Israel's ist dahin. Daß Luther eine höhere Natur war als er selbst, hat Melanchthon nicht nur selbst allezeit in den Worten tiefster Bescheidenheit bekannt, sondern auch mit der That bewiesen, indem er sich stets ihm unterordnete, sich in allen entscheidenden Fällen von ihm leiten ließ und wo ihn das Uebergewicht Luther's drückte, nie an den Banden schüttelte, die ihn an