# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Fünfzehn Thesen über den Wucher. daß unter allen Erwerbszweigen dieser im höchsten Grade widernatürlich ist. — Aristoteles macht hier auf zweierlei aufmerksam, um seinen sittlichen Abscheu vor dem Wucher zu begründen. 1. Die Wucherer sehen die Zinsen als ihnen mit Recht zukommend an, weil durch die Benutzung des Geldes ein Gewinn zu Stande komme, der den Grund seines Daseins im Capital habe, und darum ihnen als den Besitzern als Accessorium zukomme. Sie behandeln darum das Geld wie eine fruchttragende, sich in sich selbst vermehrende Creatur, deren Frucht dem Eigenthümer zuwächst. Da aber das Geld keine fruchttragende Sache ist, so ist auch die Frucht desselben ein widernatürliches gefälschtes Erzeugniß, wobei die Ordnung der Natur verkehrt wird, die in diesem Falle darin besteht: daß was dem Schuldner zu eigen gehört, nicht des Gläubigers Eigenthum ist, und daß, was von fremdem Gelde nur zum Capital hinzugethan wird, nicht aus dem Capitale erwachsen ist.*) 2. Da das Geld nur eine durch allgemeine Uebereinkunft gangbare Marke ist, die für ein Gut zu dem Zwecke in Empfang genommen wird ein anderes Gut, das man zu haben wünscht, dafür eintauschen zu können, diese Marken sich aber natürlicher Weise nur durch Güter, die in den Tausch gegeben werden, vermehren können, so ist es unnatürlich, d. i. hier: unsittlich, räuberisch, einen Zuwachs neuer Marken bloß vermittelst der ausgeliehenen Marken zu erzielen. Es ist also Aristoteles mit der heiligen Schrift in Uebereinstimmung, die den Wucher für einen Greuel erklärt. — Ferner sagt Aristoteles in seiner Ethik, 4, 3.: Der Geiz erstreckt sich auf Vieles und ist von mancherlei Art. Da er hauptsächlich in zweierlei besteht, nämlich im Zuwenig des Gebens und im Zuviel des Nehmens, so ist er nicht vollständig bei Allen vorhanden, sondern zuweilen getrennt, indem Einige zu viel nehmen, Andere im Geben zurückbleiben. Diejenigen, welche im Nehmen das Maß überschreiten thun dies, indem sie von überall her und jede Sache nehmen, als z. B. diejenigen, welche ein schimpfliches Gewerbe treiben, indem sie durch wiederholten kleinen Gewinn einen großen erzielen, sowohl die Hurenwirthe und alle der Art, als auch diejenigen, welche Zinsen von ausgeliehenem Gelde nehmen. Denn alle diese nehmen von daher, woher sie nicht sollen und wieviel sie nicht sollen. Bei ihnen insgesammt aber ist offenbar schmutzige Gewinnsucht. Denn sie alle unterziehen sich schmachvoller Handlungen wegen des Gewinnes und noch dazu eines kleinen. Denn diejenigen, welche im Großen von wo und was *) So sagt auch Shakspeare mit Abscheu von den Wucherern, daß sie eine Brut oder Zucht aus dem unfruchtbaren Metalle erzielen, was nur an einem Feinde geübt werden könne.