# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S45 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * deihen und die Ausbreitung des Reiches Gottes zu hindern. Sie ſprechen: ihr Brüder aus allen Confeſſionen und Benennungen, laßt uns uns vereinigen; laßt uns zu dem gemeinſchaftlichen Kampfe gegen die Welt und gegen den Antichriſt die Bruderhand uns reichen; laßt uns allen Streit über einzelne Lehrpunkte aufgeben, und endlich Frieden ſchließhen! So wird Segen kom⸗ men über die ganze Chriſtenheit, die nun lange genug zu ihrem großen Verderben in Partheien zerriſſen und zerſpalten geweſen iſt. Aber wie irren auch ſolche Freunde einer fal— ſchen, nicht auf Einigkeit in der Wahrheit ge— gründeten Union ſich doch ſo bitter! Wohl ſcheint es, als werde es großen Segen bringen, wenn das ſtarre Lutherthum endlich zu Grabe getragen ſein werde. Aber bedenket: würde es endlich keine Kirche mehr geben, die mit unbeweglichem Ernſte und unbeugſamer Strenge alles Abweichen von dem Worte ſtraft; würde es keine Kirche mehr geben, die mit unbeſtechlicher Treue und uner⸗ ſchütterlicher Beſtändigkeit an jedem Buchſtaben der heiligen Schrift feſthält; würde die menſch⸗ liche Liebe über die göttliche Wahrheit, und irdi— ſcher Friede über Gottes Wort und Ehre ſiegen — wehe dann der Welt! Dann würde der Feind bald gewonnen haben, die ganze Chriſtenheit von Irr⸗ thum zu Irrthum verführen, ſie wieder in die alte Nacht des falſchen Glaubens ſtürzen und end⸗ lich den ganzen Chriſtus und die ganze Wahr⸗ heit ihr entreißen. O welch ein unausſprechlicher Segen ſind daher diejenigen, die bei der recht— gläubigen Kirche und ihrer laͤuteren Wahrheit verharren, ſie bis an ihren Tod laut bekennen und dafür furchtlos ſtreiten! Ihnen iſt, wie es in unſerem Terte heißt, „gegeben eine of— fene Thür, und niemand kann ſie zu⸗ ſchließen“. So vergeblich, ja verderblich ihr Kampf mitten in dem Tempel der Kirche zu ſein ſcheint, — ſie ſiegen! — Ihre Gegner müſſen end⸗ lic, wie der HErr den Philadelphiſchen Chri⸗ ſten verheißt: „kommen und anbeten zu ihren Füßen, und erkennen, daß er ſie geliebet habe“. Sie ſind das Licht der Welt, das allenthalben die eindringen de Finſterniß der Menſchenlehre mit Macht wieder zurücktreibt; ſie ſind das Salz der Erde, das die gleichgiltigen lauen Chriſten vor gänzlicher geiſtlicher Fäulniß bewahrt; ſie ſind die Mauern, die noch vor dem Riß ſtehen; ſie ſind die Säulen, die das Him— melsgewöibe der heiligen Kirche tragen und ſtützen. Hier freilich werden die Kämpfer für die Reinheit der Lehre als liebloſe Zänker und Friedensſtörer verachtet und gehaſſet; Schmach und Verfolgung iſt der Lohn, den ſie hier ernten; aber einſt wird die treuen Streiter die Krone der Ueberwinder ſchmücken. Chriſtus gibt ihnen in unſerem Texte die große Verheißung: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel mei— nes Gottes, und ſoll nicht mehr hinaus gehen. Und will auf ihn ſchreiben den Namen meines „Gottes und den Namen des neuen Jeruſalems, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel her⸗ nieder kommt, von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.“ O ſelige Ausſicht. — 4⁵ Doch, meine Zuhörer, noch einen Pfeil trage ich gegen euer Herz in meinem Köcher. Könnte uns nemlich der Segen nicht locken, den das treue Ausharren bei der wahren Kirche gewißlich zeitlich und ewiglich uns ſelbſt und unſern Miter⸗ lösten bringt, ſo ſollte uns doch endlich der Fluch abſchrecken, der dem Abfall von derſelben gewiß und unausbleiblich folgt. Wohl dürfen wir zwar hoffen, wenn ein Menſch die Herrlichkeit unſerer Kirche nicht kennt, wenn ihm vielleicht gar von Jugend auf eingeprägt worden iſt, daß ſie eine falſche Kirche ſei, wohl dürfen wir hoffen, wenn ein ſolcher in ſeiner Un⸗ wiſſenheit ihr den Rücken kehrt und ſich doch in Einfalt an das Wort ſeines Gottes hält, daß ein ſolcher einſt vor Gottes Angeſicht gewiß nicht ver— ſtoßen werden, ſondern Gnade finden und ein barmherziges Urtheil aus ſeinem Munde hören werde. Aber was haben die zu erwarten, die entweder von Jugend auf in der Wahrheit un⸗ terrichtet worden ſind, oder die die Wahrheit doch ſchon oft gehört haben, und die dieſe von ihnen erkannte Wahrheit verleugnen, wider beſſeres Wiſſen ihre rechtgläubige Kirche verlaſſen und ſo— mit den theuren Eid, den ſie ihr geſchworen, muthwillig brechen? Was haben ſie zu erwarten, wenn ſie nun, entweder um irdiſcher Vortheile willen, oder aus Haß und Verachtung gegen ihre Glaubensgenoſſen, oder aus Gleichgiltigkeit ge⸗ gen die Wahrheit, oder aus geiſtlichem Stolz und Vorwitz ſich zu einer ſchwärmeriſchen, oder reli⸗ gionsmengeriſchen, oder offenbar ungläubigen Secte wenden? Was haben ſolche Abtrünnige und Meineidige zu erwarten? — Gottes Wort ſagt es uns, — es ſpricht: „Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele keinen Gefallen haben.“ Schreckliche Drohung! Was kann er⸗ ſchrecklicher ſein, als wenn Gott an einem Men⸗ ſchen keinen Gefallen mehr hat? Von einem ſol⸗ chen Menſchen heißt es: „Iſt Gott wider ihn, wer mag für ihn ſein?“ Er iſt ein Verworfener immer und ewiglich. Es heißt aber ferner im 68. Pſalm: „Gott führt die Gefangenen aus zu rech⸗ ter Zeit, und läßt die Abtrünnigen bleiben in der Dürre.“ Und endlich ſpricht Chriſtus ſelbſt: „Wer ſich aber mein und meiner Worte ſchämet unter dieſem ehebrecheriſchen und ſündigen Ge⸗ ſchlecht, des wird ſich auch des Menſchen Sohn ſchämen, wenn er kommen wird in der Herrlich⸗ keit ſeines Vaters, mit den heiligen Engeln.“ Ach, der unſeligen Ausſicht für abtrünnige See⸗ len! Hier müſſen ſie „in der Dürre“ bleiben, das heißt, ohne wahren Troſt; die Gnade, die ſie zu haben vermeinen, iſt Selbſttäuſchung; und einſt, wenn ſie vor Chriſto erſcheinen, wird der HErr ſein Gnadenantlitz von ihnen wegwenden, wie ſie ſich hier von ſeinem Gnadenworte weg⸗ wendeten, und von der triumphirenden Kirche werden ſie dort ausgeſchloſſen ſein, wie ſie hier ſelbſt ſich ausſchloſſen von der ſtreitenden. — Oder wollen wir etwa dieſen Drohungen Got⸗ tes in ſeinem Worte nicht glauben? Hat Gott nicht ſchon oft durch furchtbare Strafgerichte über Verleugner der lutheriſchen Wahrheit und Kirche ſeinen Drohungen ein ſchreckliches Siegel auf— gedrückt? Zur Zeit der Reformation kam einſt ein römiſcher Prieſter zu Bautzen in der Säch⸗ ſiſchen Oberlauſitz, mit Namen Urban Nico— lai, zur Erkenntniß von der Wahrheit der luthe⸗ riſchen Lehre und bekannte ſich auch hierauf dazu öffentlich. Nicht lange darauf aber fällt derſelbe, nach den Fleiſchtöpfen Egyptens ſich zurückſehnend, wieder ab, und wird nun aus einem Bekenner ein Läſterer. Einſt am Sonntage Trinitatis im Jahre 1537 tritt er auf die Kanzel, läſtert, wie gewöhnlich, und ſpricht endlich die vermeſſenen Worte aus: „Wo Lutheri Lehre recht wäre, ſolle ihn der Donner erſchlagen!“ Was geſchieht? Noch am Abend desſelbigen Tages zieht ein furchtbares Gewitter auf; Blitze auf Blitze durch⸗ kreuzen die Luft und wie tauſend Stimmen des göttlichen Zornes rollt der Donner. Der Elende, an ſeine Herausforderung der göttlichen Gerechtig⸗ keit denkend, läßt jetzt ſchnell mit allen Glocken läuten, eilt in die Kirche und wirft ſich zitternd und bebend vor den Altar, und betet. Aber ſiehe! ein Blitzſtrahl fährt auf den Knieenden herab und wirft ihn betäubt zu Boden. Die Bauern des Dorfes (er war jetzt in dem Dorfe Kuhnewalde) laufen herzu und tragen ihn als todt heraus; doch, ein zweiter Blitzſtrahl fährt herab und tödtet ihn jetzt auf der Stelle, worauf die Träger ſeines Leichnams in höchſter Beſtürzung, aber unverletzt, hinwegeilen. In dortiger Ge⸗ gend machte dies entſetzliche Gericht Gottes einen ſo tiefen Eindruck, daß ſich nun ganze Schaaren zur lutheriſchen Kirche wendeten und viele Läſterer verſtummten.“) — Bekannt iſt ferner das ſchreck⸗ liche Beiſpiel eines biſchöflichen Rathes zu Halle, jenes Dr. Krauſe. Als dieſer die erkannte lu⸗ theriſche Wahrheit aus Menſchenfurcht verleugnet hatte, verzweifelte er, hörte Chriſtum ſchon in ſeinem Leben das Verdammungsurtheil ihm ſpre⸗ chen, und brachte ſich endlich in ſeiner Verzweif⸗ *) Wir haben obige Geſchichte aus Gerbers Buch „von den unerkannten Wohlthaten der Ober- und Nieder⸗ lauſitz“ genommen, welcher dieſelbe den „Annalen der Stadt Bautzen“ entlehnt hat. „Wir wollen zwar, ſetzt der ſelige Gerber hierbei hinzu, dieſen Peter Urban um dieſes plötzlichen und entſetzlichen Todes willen nicht richten noch verdammen; denn weil ihn ſein Gewiſſen gerührt und geſtraft hat, daß er auch in die Kirche gelaufen und mit großer Angſt gebetet hat, da er denn hoffeutlich ſeine Läſterung, die er wider die Lehre des Evangelii ausgeſtoßen, wird bereuet und dem lieben Gott abgebeten haben, ſo wollen wir hoffen, ſeine Seele werde erhalten worden ſein, obſchon der Leib hat verderben müſ⸗ ſen. Es iſt aber gleichwohl ein erſchreckliches Exempel, welches auch damals einen großen Eindruck in den Gemü⸗ thern ſelbſt vieler Papiſten gehabt hat; daher ſie ſich auch dem Evangelio nicht mehr ſo heftig widerſetzten, ſondern ziemlich freien Lauf ließen, daher immer eine Stadt nach der andern dem Evangelio ihre Thore aufthat und evange⸗ liſche Lehrer ſuchte, die Meſſe, die Proceſſionen und andere papiſtiſchen Ceremonien abſchaffte, und dem Pabſte allen Gehorſam aufkündigte.“ Dieſe Geſchichte finden wir auch in Luthers Werken kurz erzählt. Luther ſetzt hinzu: „Alſo gehets. Gott läßt nicht mit ihm ſcherzen in dem Stück; er will über ſeinem Wort halten, oder will nicht Gott ſein. Solche Exempel ſollte man wohl merken und bedenken, denn ſie ſind beide, ſchreck⸗ lich und tröſtlich: ſchrecklich den gottloſen Verächtern Gottes Worts, tröſtlich aber den Gottesfürchtigen, ſo die Lehre des Evangelii lieb und werth haben. Aber die Welt achtet nichts, weder Gottes Zorn noch Barmherzigkeit.“ (L. W. Hall. XXII. 1447.)