# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1860_S323 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Fünfzehn Thesen über den Wucher. 323 best und über das Blut, so in dir vergossen ist. Meinest du aber, dein Herz möge es erleiden oder deine Hände ertragen zu der Zeit, wenn ich es mit dir machen werde? Ich, der HErr, habe es geredet und will es auch thun, und will dich zerstreuen unter die Heiden und dich verstoßen in die Länder und will deines Unflaths ein Ende machen, daß du bei den Heiden mußt verflucht geachtet werden.“ 2. Sprüchw. 28, 8.: „Wer sein Gut mehret mit Wucher und Uebersatz, der sammelt es zu Nutz der Armen;“ wird also seines Gutes nicht froh, nach dem Sprüchwort: Unrecht Gut kommt nicht auf den dritten Erben. II. Leihen auf Wucher heißt in der Schrift das Ausleihen fungibler Sachen, — d. i. solcher, bei denen es einerlei ist, ob man gerade dieselbe Species, oder eine andere, wenn sie nur von derselben Gattung und Güte ist, erhält, — in Folge dessen der Verleiher, als ihm zugehörig, mehr als er ausgeliehen von dem Schuldner fordert oder nimmt; und zwar ganz allgemein jedes solche Ausleihen ohne Unterschied der Personen, sowohl der Gläubiger als der Schuldner, und ohne Unterschied des Werthes dieses Mehr. Es ist also auch jedes sogenannte Interessennehmen für ausgeliehenes Capital ein Leihen auf Wucher. A. Daß mit den, dasselbe bedeutenden, Ausdrücken: Leihen auf Wucher, Wucher nehmen, Wucher treiben u. dgl. in der heil. Schrift die in der Thesis beschriebene Handlung bezeichnet wird, beweisen folgende Gründe: 1. Da keine besondere Erklärung der Bedeutung solcher Ausdrücke von der Schrift gegeben wird, so müssen sie in der allgemein gangbaren Bedeutung genommen werden. Daß aber die oben gegebene Erklärung diejenige Handlung beschreibt, welche bei allen historischen Völkern ohne Ausnahme bis gegen das 16. Jahrhundert mit solchen Ausdrücken bezeichnet werden, welche den oben genannten entsprechen, beweisen alle Schriften dieser Völker, in denen vom Wucher geredet wird. 2. Die Grundbedeutung derjenigen Wörter, welche zur Bezeichnung des geforderten oder genommenen Ueberschusses über das Ausgeliehene in der heiligen Schrift gebraucht werden.*) Diese sind neschech, das Beißende, d. i., wie die Mischnah, Mezia 60, b, erklärt: Neschech ist was den Gebenden beißt und etwas des Seinigen von ihm nimmt; tarbith die Vermehrung und τοχος das Erzeugte, d. i. dasjenige von dem Vermögen des Schuldners, *) Wucher = Wachsthum, fructus; goth. vokrs; althochd. wuochar; mitlhochd. wuocher; wuochern = wachsen, gewinnen, Zinsen nehmen, foenerari. Siehe J. Grimm, H. F. Massman, A. Ziemann u. a. —