# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 319 logische Lehranstalt, so bald es sich thun läßt, in unserer Gemeinschaft eingerichtet werde.“ Also selbst diese sonst jede wissenschaftliche Ausbildung für das Predigtamt principiell ver⸗ achtende Gemeinschaft kann der immer lauter werdenden Forderung wohl vorbereiteter Pre⸗ diger ihr Ohr nicht verschließen. Für jene Glücksritter, denen hier das Preacher-Geschäft der letzte Nothanker ist, sinkt die Sonne immer mehr. Gottlob! Unionsgedanken. In der Chambersburger Ref. K.-Z. vom 1. Sept. finden wir eine Einsendung, in welcher erst eine Charakteristik der luth. und ref. Kirche gegeben und gelobt wird, die dem Lehrbuch der Weltgeschichte von G. Weber entnommen ist. Hierauf raisonnirt der Einsender folgendermaßen: „Zufolge obiger Vergleichung wäre die ref. Kirche mehr dem Mann ähnlich, welcher sein Hauswesen mit wohlberechneter Ueberlegung und consequent durchführt. Die lutherische wäre einer gemüthlichen Hausfrau mehr ähn⸗ lich, welche den ihr zukommenden Antheil vom Hauswesen auf ihre eigenthümliche und mit ihrer Natur übereinstimmende Weise zu besorgen hat. Sie gehören also offenbar zusam⸗ men.“ Nach einer Lamentation darüber, daß dieses Ehepaar immer noch getrennt lebt, gibt Einsender folgenden Rath, der Sache zu helfen: „Ein immerfort zänkisches Ehepaar ver⸗ klagte sich gegenseitig öfter beim Sittengericht. Dieses, endlich satt, verurtheilte die Hadern⸗ den ins Gefängniß und zwar in eine und dieselbe Zelle und mit nur Einem Löffel für beide! Da — schauten sie sich endlich an, schämten sich, lächelten und — wurden ein trauliches Paar. — Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ — Was der geistreiche Schreiber wohl unter der Zelle und unter dem Löffel verstehen mag? — Wahrscheinlich die Generalsynode und die Platform. In San Francisco haben sich die Chinesen einen heidnischen Tempel erbaut, der $20,000 kostete, und für eine noch größere Summe ein Götzenbild von China herüber⸗ kommen lassen, das einen berühmten chinesischen Staatsmann und Feldherrn vorstellt, ihr Cultus meist in der Verehrung der Geister ihrer Vorfahren besteht. Synode von Pennsylvanien. Der gewesene Präsident dieser Synode, Past. Welden, schlug derselben in seinem letztjährigen Amtsbericht vor: „Daß ungesäumt Anstalt getroffen werde, an einem der Synode beliebigen Orte, wo vielleicht zwei oder mehr fähige Prediger wohnen mögen, eine theologische Schule unter Aufsicht der Pastoren in dem Ort, welcher dazu bestimmt werden möge, zu eröffnen.“ Taufgültigkeit. Herr P. Brobst klagt, „auch ‚Lehre und Wehre‘, irre ge⸗ leitet durch fehlerhafte Berichte, das, was seine Synode über die Verrichtung der heil. Taufe beschlossen hat, unrichtig angegeben habe. Der Beschluß sei dieser gewesen: „Die von der 6. Conferenz vorgelegte Frage über die Gültigkeit der Taufe von Betrügern ver⸗ richtet, wurde in Erwägung genommen und beschlossen: 1. Daß dieses Ministerium nur die von regelmäßig bevollmächtigten Predigern der Kirche Christi verrichtete Taufe als gültig anerkennt, ausgenommen in Nothfällen, in welchen ein Glied der Kirche die Taufe verrichten mag, daß aber in letzterem Fall dieselbe nachher kirchliche Bestätigung erhalten sollte. 2. Daß in dem von der Conferenz uns vorgelegten Fall wir die Gültigkeit solcher Taufe nicht anerkennen.“ Wir theilen dies nur mit, weil dies Herr P. Brobst als einen Act der Ge⸗ rechtigkeit fordert, müssen aber gestehen, daß Herr P. Brobst irrt, wenn er meint, daß damit seine Synode gerechtfertigt sei. Der Sinn, der den Beschluß hervorgerufen hat, mag im⸗ merhin ehrenwerth sein, aber derselbe verwechselt dennoch offenbar rectum und ratum und ist daher gefährlicher, als es vielen erscheinen mag. Selinsgrove. In der luth. Zeitschrift des Herrn P. Brobst lesen wir: „Nach einem Berichte im Lutheran Observer sind jetzt schon mehr theologische Studenten in dem neulich von Dr. Kurtz gegründeten Missions-Institut in Selinsgrove, als in irgend einem der Seminare in Verbindung mit der Generalsynode.“ — Dieser Tage lasen wir, daß das Wittenberg-Seminar 3 theologische Studenten hat. Weinbrenner. Der Stifter der Secte der „Weinbrennerianer“ oder der „Kirche Gottes“, ist vor kurzem gestorben. Quäkerismus. Ein Englischer Quäker sagt in einem neueren Werke: „Im Jahre 1658 gab es keinen lebenden Quäker, der nicht glaubte, der Quäkerismus sei die ein⸗ zige wahre Kirche des lebendigen Gottes; im Jahre 1858 gibt es keinen lebenden Quäker, der dies glaubte.“ So citirt der Missionary. Die New York-Synode hat bei Gelegenheit ihrer Versammlung am 31. Aug. ihren Licentiaten C. F. Meinnicke wegen „conduct unbecoming a christian mi- nister“ ausgestoßen, auch Pastor C. Hennicke wegen seines Verhaltens gegen ihren Präsidenten aus ihrem Ministerium ausgeschlossen, und unter andern den Beschluß gefaßt: „Beschlossen, daß in den Resolutionen, welche in der vorjährigen Synode gefaßt wurden, rücksichtlich gewisser Bräuche und Praxen, welche in verschiedenen Theilen Europa's herrschen und in einigen von unseren Kirchen in diesem Lande eingeführt sind, unser Körper nicht beab⸗ sichtigt, irgend einem Artikel der Augsburgischen Confession sich entgegenzustellen, oder irgend einen geistlichen Despotismus über irgend eine Gemeinde, die mit diesem Ministerium ver⸗