# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S316 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 316 Aus dem Königreich Polen. die Hände des sehr geweckten und denkenden christlichen Volkes zu bringen. Möge der heilige, wahrhaftige Heiland JEsus als Haupt der Kirche auch un⸗ sern norwegischen Brüdern im Kampfe gegen so mächtige und wilde Wellen des Irrthums beistehen und frohen, freien Siegesmuth verleihen, wie Luther singt: „Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben.“ Das walt Gott. Aus dem Königreich Polen. In der Ev. Kirchenzeitung Dr. Hengstenberg's vom 14. Juli c. läßt „ein Glied der ev.⸗luth. Kirche des Königreichs Polen“ in die kirchlichen Zu⸗ stände dieses Landes uns einen Blick thun, indem dasselbe Folgendes berichtet: „Im Aprilhefte l. J. brachte die Ev. Kirchenzeitung eine Kritik der Pre⸗ digten von Dr. C. Schwarz, Oberhofprediger in Gotha. Das Evangelische Polen ist mit der nicht minder verderblichen Wirksamkeit eines Deformators heimgesucht. Es ist dies Past. Ludwig, Ev.⸗Luth. Superintendent in War⸗ schau, und als solcher Generalsuperintendent der ganzen Ev.⸗Luth. Kirche des Königreichs Polen. Past. Ludwig, jüdischer Herkunft, schon seit seiner Studienzeit in Berlin ein eifriger Verehrer Hegel'scher Philosophie, scheint, wenn nicht von vorn⸗ herein, so doch bereits sehr früh, ihr einen entschiedenen und bestimmenden Einfluß auf seine theologische Anschauung gestattet zu haben, und in der Folgezeit bei der Uebertragung seiner philosophischen Ideen auf das theolo⸗ gische Gebiet allmälig einen Glaubenssatz der Kirche nach dem andern der Consequenz seines Princips geopfert zu haben; so allein läßt sich die von sei⸗ nen Zuhörern ausgesprochene Behauptung seiner immer größer werdenden Entfremdung vom Christenthum verstehen. Durch günstige Gestaltung der Verhältnisse früh zur Warschauer Superintendentur gelangt, übt er in dieser Stellung nun bereits über zwanzig Jahre einen immer entschiedener christen⸗ thumfeindlichen Einfluß auf alle Verhältnisse aus. So arbeitet er systema⸗ tisch an der Bekehrung der gesammten Landesgeistlichkeit zu seiner vernünf⸗ tigen Geistesreligion, indem er theils die ältere Generation der Pastoren, die noch im Auslande studirten, die sogenannten Pietisten und Orthodoxen (welche Ausdrücke er immer promiscue gebraucht) mit den reichen Mitteln büreau⸗ kratischer Quälereien und geisttödtender Arbeiten überhäuft, und damit jede geistige Regung, die ihm gefährlich werden könnte, als z. B. Pastoralconfe⸗ renzen u. dgl. zu erdrücken, die jüngere Generation dagegen, die in Dorpat studirt und vom Wehen des Geistes Gottes in verschiedenem Grade ergriffen zurückgekehrt, theils durch Verspottung und Verhöhnung des starren Buch⸗ stabenglaubens, theils durch beredte Verkündigung einer neuen, dem Fleische schmeichelnden, höheren speculativen Auffassung des Christenthums großen⸗ theils leider für sich gewinnt. Dies hindert ihn aber durchaus nicht, nicht nur fortwährend die Ordinanden auf die heil. Schrift und die Bekenntniß⸗ schriften der Ev.⸗Luth. Kirche mit dem höhnenden Zusatze: inwiefern sie mit der heil. Schrift übereinstimmen, zu verpflichten, sondern auch selber ganz unbeirrt in seinem Amte eines christlichen und speciell Ev.⸗Luth. General⸗ superintendenten zu verbleiben. Dem obigen Verfahren entsprechend ist nun leider auch das Ergebniß: der mehr oder minder ungeistliche Lebenswandel vieler Pastoren und der verwahrloste Zustand vieler Gemeinden, die größten⸗ theils unter der nachlässigen Pflege ihrer Seelsorger und dem immer rück⸗