# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S315 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Gegenwärtiger Stand der lutherischen Kirche in Norwegen. 315 nahme der besten Laienkräfte für die Kirche durch ihre Einordnung in das Amt, das, glaube ich, kann allein gegen das unleugbare Uebel helfen. Es ist eine große Gnade Gottes, daß in der letzten Zeit der hochgelehrte und rein lutherische Professor Johnson einen großen Einfluß auf die weiten Kreise der „Erweckten“ gewonnen hat und ihr unbedingtes Vertrauen genießt. Dies Vertrauen dehnt sich gegenwärtig auch auf alle von der Universität ausge⸗ hende junge Geistliche aus. Die andere Gefahr, welche der lutherischen Kirche Norwegens droht, ist der leidige von Dänemark ausgekommene Grundtvigianismus, welcher auf eine Auflösung der alten lutherischen Kirche hinarbeitet. Dieser kräf⸗ tige Irrthum schmeichelt mit einer skandinavischen Kirche und Theologie der Nationaleitelkeit; er leistet einem leichten oberflächlichen Christenthum Vor⸗ schub, brüstet sich mit Wissenschaftlichkeit und sucht sich der Schule zu bemäch⸗ tigen, was ihm auch leider zum Theil gelungen ist. Diese Irrlehre ist eine halbkatholische Richtung, sieht die Schrift nur als todtes Wort an; dagegen gelten das apostolische Glaubensbekenntniß, das Vaterunser, die Entsagungs⸗ formel der Taufe, die Worte des heiligen Abendmahls als lebendiges, münd⸗ liches, unmittelbar von des HErrn Person selbst gekommenes Wort; das göttliche Ebenbild sei nicht ganz verloren, die zehn Gebote und das Gesetz überhaupt aus dem Katechismus zu verbannen; keine rechte Predigt von der Buße; Möglichkeit der Bekehrung nach dem Tode; die Hauptlehre des Chri⸗ stenthums, nicht die Rechtfertigung aus dem Glauben allein, die nur eine untergeordnete Bedeutung hat, sondern die Taufe; jeder Getaufte wiederge⸗ boren, ob er auch ungläubig sei und die Sünde über sich herrschen lasse, wenn er nur noch nicht wider den heiligen Geist gesündigt; das Abendmahl vom Begriff der Kirche ausgeschlossen; die Absolution als Sacrament betrachtet, desgleichen die Ordination; Streben nach Auflösung des Parochialverbandes (in Dänemark schon gelungen), nach Lehrfreiheit für die Pastoren, daher auch nach Aufhebung der Verpflichtung auf die lutherischen Bekenntnisse. Auch das echt lutherische gilt dem Grundtvigianismus für Pietismus, von dem selbst Luther nicht frei gewesen. Das sind die wesentlichen Lehren dieser verkehrten Richtung, welche die dänische Kirche schon halb verschlungen hat und die norwegische verschlingen will. Wie es sich denken läßt, hat sie durch den Gegensatz das pietistische Ele⸗ ment im Volk nur gefördert und bewirkt, daß die „Erweckung“ auch gegen lutherische Kirchlichkeit mißtrauisch geworden ist. Besonders ist dies gesche⸗ hen durch eine frühere Verfälschung des pontoppidanischen Katechismus, des Kleinods des Volks. So schwebt das norwegische Kirchenschifflein zwischen Scylla und Charybdis, und bedarf in hohem Grade der Fürbitte aller Freunde der lutherischen Kirche. Doch der rechte Steuermann ist, Gott sei Dank, auf ihm und hat sich nicht unbezeugt gelassen. Es ist unverkennbar, daß die Er⸗ weckung sich nach der lutherischen Kirche hinbewegt. Es wird auch von der Universität aus ganz in lutherischem Sinne gewirkt, auch sind die Professoren Johnson und Caspari beschäftigt, das Concordienbuch zu übersetzen, um es in