# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S312 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 312 Das sogen. tausendjährige Reich. 1. das Loswerden des Satans und der allgemeine Sturm gegen die Kirche kann unmöglich in die Zeit der Parusie Christi gesetzt werden. 2. Nirgends in der Schrift erscheint die Zukunft Christi als Periode, immer als Moment. Wie rasch bei derselben die Dinge von Statten gehen, das zeigt besonders das „in einem Momente, einem Augenblicke“, in V. 52. 3. Die Parallelisirung unserer Stelle mit Apoc. 20, 4—6 ist schon deshalb unstatthaft, weil hier von der Auferstehung aller Gläubigen die Rede ist, dort dagegen nur von einem Theile derselben, den treuen Bekennern, die vor den tausend Jahren heim⸗ gegangen sind. Wie wenig günstig aber 1 Cor. 15. den Chiliasten ist, das tritt noch besonders hervor in V. 51. 52. Danach weiß der Apostel nur von einer Auferstehung, der, welche bei der „letzten Drommete“ (vgl. Matth. 24, 31., vgl. 25, 31) erfolgt und mit der die Umwandlung der Lebenden verbunden ist. Außer in 1 Cor. 15. sucht der Chiliasmus noch in 1 Thess. 4, 15. einen Anhalt. Allerdings heißt es dort: „Und die Todten in Christo werden auf⸗ erstehen zuerst“, aber daß damit nicht eine Auferstehung der Gerechten vor der allgemeinen gelehrt werden soll, zeigt ein Blick auf den Zusammenhang. „Zuerst — sagt Lünemann — steht im Gegensatz gegen darnach in V. 17 und bezeichnet, daß der erste Act des wiedererscheinenden Christus die Er⸗ weckung der christlichen Todten sein wird, woran dann das Entrücktwerden der Lebenden als zweiter Act sich anschließt.“ Weit entfernt aber, dem Chiliasmus Vorschub zu leisten, reicht die Stelle vielmehr hin zur Widerle⸗ gung desselben. Der Apostel will diejenigen trösten, welche über die Ent⸗ schlafenen betrübt sind. Wie würde er diese hinweisen auf die Auferstehung am jüngsten Tage, wenn dieser eine andere voranginge? Die ganze Scene ist hier aber die des jüngsten Tages. Darauf führt das Feldgeschrei, die Stimme des Erzengels, die Posaune. Darauf die Verbindung der Todten⸗ auferstehung mit der Verwandlung der Lebenden. Darauf, daß von da an alle Verstorbenen und lebenden Christen bei dem Herrn sind allezeit. Da sind Scenen, wie die in Apoc. 20, 7. f. gar nicht mehr denkbar. Es ist offenbar, daß der Apostel von einer andern Auferstehung als der am jüngsten Tage gar nichts weiß, daß er von der Anschauung ausgeht, bis dahin seien die Todten in Christo nicht auferstanden. So zeigt sich also, daß die Erwähnung der Auferstehung dem Chiliasmus keine Stütze gewähren kann, daß vielmehr grade bei diesem Punkte seine Un⸗ haltbarkeit recht zu Tage kommt. Man rühmt nun noch die praktische Be⸗ deutung dieser Lehre. „Das — meint man*) — stärkt die müden Hände und richtet auf die strauchelnden Kniee! Nun soll das Leben nicht in Bruch und Abbruch enden, sondern soll auch seine Krone haben. Nun soll dieselbe Erde die das Blut Christi getrunken, auch seine Herrlichkeit sehen. Nun soll die⸗ selbe Welt, die seine Kirche geschmäht, auch seiner Kirche Reichthum offenbart sehen. Nun soll mithin nichts vergebens geschehen auf Erden.“ Aber wer *) Flörke, S. 214.