# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S309 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche. 309 Grunde nach allen Seiten hin Gerechtigkeit und Freiheit übten. Laßt uns, lieben Brüder, darum beten.“ XI. „Es ist eine allbekannte Sache, daß unter uns viele, die dem rechten Glauben anhangen, weltförmig leben, und für ihr persönliches Verhalten aus dem pietistischen Streite des vorigen Jahrhunderts keine edle Frucht gewon⸗ nen haben. Man darf wohl sagen, daß wir in unserer Zeit ebenso sehr über todten Orthodoxismus zu klagen haben, als man vor hundert Jahren dazu das Recht hatte. Wir entschuldigen den leichtsinnigen fleischlichen Wandel an uns und unsern Kindern sehr häufig mit der edlen Lehre von der christ⸗ lichen Freiheit. Wir achten nicht darauf, daß wir, indem wir dies thun, nicht stark, unsere Gegner nicht die Schwachen genannt werden dürfen, und daß unser Verhalten ganz einfach, nicht dogmatisch, sondern aus den vorhandenen sittlichen Gründen erklärt werden sollte. Wir würden es verdammen und uns bekehren, wenn wir das thäten. So aber betrügen wir uns selbst und lassen uns im Selbstbetruge durch die Menge derjenigen stärken, die es ebenso machen und beschönigen. Das heilige Amt fruchtet nicht, weil die Pfarrer und ihre Familien der Welt und ihren Freuden fröhnen, die Bestrafung der Gemeinden wird verlacht, weil die Prediger sich selbst und die Ihren nicht strafen, und zwischen ihresgleichen und dem Volke bösen Unterschied machen. Der Fluch und Unsegen, der uns deshalb verfolgt, ist unermeßlich. Es wäre einmal Zeit, daß wir die Grenzen zwischen Welt und Kirche reinlich zögen und nicht immer aufs neue uns und unsere Nachkommen in die Versuchung des weltlichen Lebens hineinstießen, die ohnehin auch ungesucht und ungebe⸗ ten nur zu oft an uns herantritt. Wir sind zu dieser Vermengung des Guten und Bösen im Leben ohne Zweifel durch diejenige Vermengung von Welt und Kirche veranlaßt und verführt, welche sich nothwendig an alle Staats⸗ und an alle Massenkirchen anhängt. Es liegt in unseren öffentlichen und kirch⸗ lichen Verhältnissen deshalb ein Entschuldigungsgrund für unsere Unentschie⸗ denheit und Weltförmigkeit; aber was hilft das, was nützt es der nachkom⸗ menden Jugend? Unter der Firma väterlicher Grundsätze verwildert und ver⸗ weltlicht sie immer mehr. Wir entschuldigen uns, und unsere Kinder gehen verloren.“ „Laßt uns daher beten, daß die Wissenden weise und die Gelehrten klug werden, daß ihnen Unterscheidungsgabe geschenkt werde, die Grenze zwischen Welt und Kirche zu erkennen, und nicht nach Tradition, sondern nach dem göttlichen Worte zu leben. Es handelt sich nicht um Pietisterei und Phari⸗ säismus, sondern um Ganzheit des Lebens und daß unser Wandel dem ent⸗ spreche, was wir glauben und bekennen, auf daß unser Glaube nicht eitel werde.“ XII. „Endlich, lieben Brüder, lasset uns in unsern Gebeten diejenigen Bitten nicht vergessen, welche uns früher schon empfohlen worden sind: Bittet um frischen kräftigen Zusammenschluß der Gläubigen hin und her.