# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S306 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 306 Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche. römischen Kirche gegenüber als Eine Abendmahlsgenossenschaft ansehen sollten! Und doch hat man durch die Abendmahlsmengerei, die unter uns praktisch einriß, dem reformirten Wesen und Grundsatz, das heißt dem Grundsatz der protestantischen Union die Pforten geöffnet und es selbst verschuldet, daß allenthalben das lutherische Gewissen verstummt, und der reformirte Grundsatz zu Ehren gebracht ist! Man sagt damit nichts anderes, als daß die lutherischen Väter mit ihrer beharrlichen Scheidung von den Reformirten und mit der Aufhebung der Abendmahlsgemeinschaft zwischen uns und ihnen unrecht gethan haben, und für alle die politischen Folgen dieser Trennung verantwortlich sind. Indem man aber die Väter zu Sündern macht, sündigt man selber an den Vätern, aber nicht blos an ihnen, sondern auch an den Brüdern und an den Reformirten, welche beide man dann gleichgültig macht gegen die gewaltige Unterscheidungslehre vom Sacrament des Altars. So wendet man sich dann von Seite der Reformirten je länger, je weniger zum Sacrament des Altars, und findet am Ende unsererseits zur falschen Praxis eine beschönigende Theorie. Wir werden mit schuldig an dem Uebel, welches sich den großen Bewegungen unserer Tage auf reformirtem Gebiete anhängt, und haben es mit zu verantworten, wenn die außerordentlichen Gnaden so vergänglichen Segen stiften, weil sie nicht zum Segen der ordentlichen Gnadenmittel einlenken. Keine größere Liebe könnten wir den Glaubensgenossen erzeigen, als wenn wir treu wären rücksichtlich der Abendmahlsgemeinschaft. Das treue thatsächliche Bekenntniß würde vielen auf der Gegenseite die Augen für die hohe Gnade des Sacraments und die Herrlichkeit aller Gnadenmittel öffnen, während unsere Lauheit und Untreue die der lutherischen Kirche vertraute Gabe des reinen Sacramentes nach außen und dann auch nach innen in Schatten stellt. Der gewaltige Eifer, mit welcher hie und da reformirter Seits neuerdings die Abendmahlsgemeinschaft unter allen Protestanten als Pflicht hingestellt wird, wird das Seine thun; die neuentstehende Weltkirche kann die Gemeinschaft aller Protestanten beim Sacrament zum Zeichen erwählen und zur Standarte, unter welcher mit der reinen Lehre vom Sacrament der reine Brauch desselben, ebendamit der Segen, und überdies die von Christo gewollte Zucht grundsatzmäßig dahinfallen wird. Darum lieben Brüder, lasset uns beten, daß wir nüchtern werden, den Weg der Wahrheit und ebendamit der Liebe zu gehen.“ IX. „Eine jede Kirche von Anfang her hat ihre Richtungen gehabt und eine jede wird ihre Richtungen behalten bis an's Ende. Auch die lutherische Kirche hat ihre Richtungen gehabt, und zwar vom Anfang an, wie sich das nachweisen läßt. Sie hat auch jetzt noch innerhalb ihrer dieselben Verschiedenheiten. Eine Einigkeit in allen Stücken ist durch kein Symbol hergestellt worden, wird auch durch keines hergestellt werden. Es ist genug, wenn in dem Nothwendigen Einheit ist. Unweise genug wollen etliche in unsern Tagen eine Einheit in allen Stücken herstellen, auch in denjenigen, in welchen