# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S303 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche. 303 Deshalb schlage ich Euch vor, daß wir beten und zwar so, wie wir in der Epiphanienwoche in unseren Privatkreisen schon gebetet haben, nehmlich 1. daß der HErr uns empfänglich machen wolle, uns und alle Christen, auch die in den reformirten Gegenden, für die Segensströmungen, welche vom Anfang des Christenthums bis hieher unaufhörlich mit dem rechten Gebrauch der göttlichen Gnadenmittel verbunden gewesen sind und verbunden sein werden bis ans Ende der Tage; 2. daß die Bewegungen auf dem Gebiete der reformirten Kirche als göttlich auch dadurch möchten erkannt werden dürfen, daß die auf außerordentlichem Wege erweckte Menge zur richtigen Fortsetzung alles Guten dadurch geleitet werden, daß sie die Gnade des Wortes und Sacramentes erkennen, suchen und gebrauchen lernen, und in der Herberge des guten Samariters, d. i., in seiner Kirche durch die stille Arbeit des göttlichen Amtes völlig genesen und reifen zu der Mannheit in Christo Jesu; 3. daß auch unsere Kirche Theil habe an den außerordentlichen Gnaden des heiligen Geistes, wenn es dem HErrn gefällt, solche zu geben, und der Geist, der da weht, wo er will, an uns nicht vorüber gehe.“ V. „Es ist uns in unseren Kreisen durch Gottes Barmherzigkeit je länger, je klarer geworden, daß es ein unlutherisches Lutherthum gibt, und daß viele für das Werk und den Bestand der Reformation ungöttlich eifern, daß sie den gegenwärtigen Bestand der lutherischen Kirche mit dem verwechseln, was die lutherische Kirche sein kann und sein soll, und eben damit Beruf und Eigenschaft der lutherischen Kirche verkennen. Wer sein will, der muß werden. Wer nicht immerdar im Werden bleibt, der hört auf zu sein. Die Kirche ist einem Flusse vergleichbar, zu dessen Natur es gehört, zu fließen und sich immer vorwärts zu bewegen.*) Das ganze lutherische Leben ist in mancher Gegend noch keine zehn Jahre alt; die es haben, pflegen und tragen sollten, sind durch die Bewegung der Zeit dazu gekommen, sich irgend wie Lutheraner zu nennen, mit dem aber, was sie sind und haben, so zufrieden, daß sie es für nichts anders halten, als für das Lutherthum Luthers selbst, ja für noch mehr, für einen Gipfel aller religiösen Bewegung, über welche hinaus nur Schwärmer und Abtrünnige gehen könnten. Sie gleichen verirrten Kindern, die ein Wind aus der Irre zurückgeweht hat zum Vaterhause, die aber zu faul und träg sind,**) das Vaterhaus selbst in Besitz zu nehmen, und sich wie Lazarus vor des Reichen Thüre, so vor den heimathlichen Pforten niederlegen, und von den Brosamen des Hauses sich sättigen, dessen *) Löhe läßt hier und in dem unmittelbar Folgenden gewisse Leser glauben, als polemisire er gerechterweise gegen Lutheraner, die für ihre Person vollkommen sein wollen; er meint aber offenbar diejenigen, welche glauben, daß die lutherische Lehre keiner Verbesserung bedürftig sei. Seine Kirche ist daher nicht einer auf einem Felsen gebauten, feststehenden Burg, sondern einem — Flusse gleich! L. u. W. **) Hier fällt Löhe offenbar arg aus seiner sonst beliebten Rolle. L. u. W.