# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S302 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 302 Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche. Und laßt uns auch beten gegen allen confessionellen Leichtsinn, dessen sich manche rühmen, welche doch damit den Weg der heiligen Mitte ebensowohl verlassen, als jene anderen, die über dem, was trennt, die Einheitsbande übersehen, welche uns Gott der HErr noch gönnet.“ IV. „Es ist Euch, meine Theuren, nicht verborgen geblieben, daß in Amerika, Irland und England in den letzten Jahren gewaltige Erweckungen stattgefunden haben und noch im Gange sind, und daß man sich im Anfang dieses Jahres (zweite Woche des Januars 1860) gemäß einer Aufforderung von Christen in Ludiana im nordwestlichen Indien in vielen Gegenden, sonderlich aber in Irland, England, Frankreich und Oberitalien zum Gebet um die Fortdauer der Bewegung und deren nachhaltige Kraft vereinigt hat. So weit diese Bewegung göttlich genannt werden darf, so muß sie auch als eine außerordentliche, nicht als eine ordentliche bezeichnet werden. Es hat solche Bewegungen allezeit gegeben, und man hätte sie niemals weder übersehen, noch überschätzen sollen. Indem man sie übersieht, übersieht man auch eine Aufforderung zum Dank und Lobgesang, man bekommt keinen Theil daran, und versündigt sich durch Gleichgiltigkeit gegen die Gaben des heiligen Geistes, der da weht, wo er will, und sich an seinem seligen Wehen dadurch nicht hindern läßt, daß hie und da eine fanatisch gesinnte Schaar von Menschen sein Werk verkennt und gering schätzt. Indem man sie aber überschätzt, verblendet man sich selbst gegen die nie versiegenden Segnungen der ordentlichen Gnadenmittel des Wortes und Sacramentes.*) So wie die Erweckungen, von denen wir geredet haben, hauptsächlich im Gebiete der reformirten Kirche sich ereignen, obwohl sie auch über die Grenzen der reformirten Gemeinschaften hinübergreifen, so ist auch der Gebetseifer um die Fortdauer derselben zunächst bei solchen Gemeinden zu finden, welche entweder reformirt sind, oder doch aus der reformirten Kirche und Richtung hervorgegangen. Da nun die reformirte Kirche und Richtung im Vergleiche mit der lutherischen Kirche sich allezeit durch eine zu geringe Schätzung der ordentlichen Gnadenmittel des Wortes und Sacramentes ausgezeichnet hat, die Regungen des Geistes neben dem Worte und Sacramente hergehen läßt, statt mit dem Worte und Sacramente auf das innigste verbunden erkennt, so ist es leicht erklärlich, weshalb die Kinder der reformirten Richtung so sehr nach den außerordentlichen Wirkungen des heiligen Geistes verlangt, und warum sie für dieselben so sehr empfänglich sind. Für die Kirche der lauteren Mitte paßt es nun allerdings nicht, sich einfach dem reformirten Zuge anzuschließen, ebenso wenig aber paßt es für sie, ganz gleichgiltig daneben zu stehen, wie wenn solche außerordentliche Bewegungen durch und durch ungöttlich und nichts wären, als Krankheit und Epidemie der Seelen oder gar der Leiber. *) Die Bewegung ist eben nur so weit göttlich, als sie ihre Wurzel in den ordentlichen Gnadenmitteln hat. Diese Wahrheit übersehend, verwirrt Löhe nur das Urtheil über die betreffenden Erscheinungen. L. u. W.