# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S300 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 300 Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche. Erden treibe, wozu sie berusen ist. Betet um den Frieden der Welt und um Erfüllung des heiligen Berufes der Kirche mitten unter den Feinden IEsu.“ II. „Wir wissen es alle, lieben Brüder, daß im Verlaufe der Jahrhunderte, sonderlich aber in den letzten Jahrhunderten durch des Teufels Neid und die Schuld derjenigen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten, die Kirche Gottes zertrennt und in mancherlei Confessionen zertheilt ist, welche nicht blos fremd neben einander, sondern auch feindlich gegenüber stehen. Es ist Euch auch bekannt, daß es viele geradezu für Tugend erkennen, den alten Haß zu nähren,*) und es daher als Mangel an Liebe zur Confession, der man angehört, verlästern, wenn man von einer Einigkeit unter den Christen redet, die über die Confession hinausgeht. Und doch ist es eine andere Sache, falsche Lehren zu bekämpfen, die neu entstehen, und alte verjährte Irrlehren abzuweisen, an welche die, bei denen wir sie finden, seit Jahrhunderten durch den Vorgang ihrer Väter und durch die Erziehung gewöhnt sind. Die Unterscheidungslehren der Confessionen sind noch ebenso wie vor Jahrhunderten von denjenigen, die einander gegenüberstehen, festzuhalten, worinnen sie dem Worte Gottes entsprechen, — und als Ketzereien zu verwerfen, worin sie von der Wahrheit abirren. Aber die Behandlung der Ketzer muß eine andere werden, wenn einmal die Zeit so viel Milderungsgründe für die Beurtheilung der Personen herbeigebracht hat. Wie man bei denjenigen, die frisch von der Wahrheit abirren, den ernsten Gegensatz hervorzuheben und die Zucht zu üben hat,**) so muß man sich in Anbetracht der längst von uns geschiedenen Christen an die nicht erst herzustellende, sondern bereits vorhandene Einigkeit erinnern, damit man sie in Kraft der Liebe suche, und dasjenige Maß von Gemeinschaft und Gemeinschaftsgefühl erzeugt werde, das den wahren Verhältnissen entspricht. Alle Protestanten, die mehr dem göttlichen Worte, als der eigenen Vernunft folgen,***) sind einig in Betreff der großen Kämpfe, welche vor der Reformation über den Artikel von der allerheiligsten Dreieinigkeit, vom Verhältniß der drei Personen unter einander, von den beiden Naturen Christi und deren Verhältniß zu einander†) gekämpft worden sind. Auch stehen sie alle wider Pelagius und kennen den Grund unserer Erlösung und ewigen Seligkeit in dem gekreuzigten Gottes⸗ und Menschensohn. Was man gegen diese Behauptung anführen kann, beruht mehr auf Schlüssen und Consequenzen der Lehre, als auf Unterschie⸗ *) Es hat Löhe leider nicht gefallen, weder die, welche dies thun sollen, näher zu bezeichnen, noch die, welche den alten Haß zuerst gehabt haben. Man muß fürchten, daß er nicht die alten und neuen Feinde und Bekämpfer, sondern Vertheidiger der Wahrheit meint. L. u. W. **) Meint das Löhe ernstlich, so darf er sich nicht wundern, wenn diese Grundsätze auf ihn selbst angewendet werden. L. u. W. ***) Das Letztere ist eine schreiende Unwahrheit. Man vergleiche nur den 8. Artikel der Concordienformel. L. u. W. †) Das thun eben nur die Lutheraner! L. u. W.