# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1860_S289 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. October 1860. No. 10. Alte Zeugnisse wider neue Irrthümer in Betreff der Wirkung der heiligen Taufe. Nachdem eine längere Zeit alles von einem falschen Subjectivismus verschlungen war, so daß man die Gnadenmittel, Wort und Sacrament, nichts achtete, hingegen allein auf das sah, was der Mensch thut und was in ihm vorgeht, so sind jetzt viele, die jene Abirrung erkannt haben, in den entgegengesetzten Irrthum, in einen falschen Objectivismus gefallen und schreiben namentlich den Sacramenten eine Wirkung zu, die dieselben nicht haben. Unter diesen Irrthümern nimmt namentlich dieser mehr und mehr überhand und droht, daß das Letzte ärger werde, denn das Erste, daß nehmlich die Taufe der einzige Eingang in das Himmelreich und das einzige Mittel der Wiedergeburt sei, und daß daher niemand vor der Taufe den gerecht⸗ und seligmachenden Glauben haben könne. Es wird Zeit, daß gegen diesen, das Gnadenmittel des Wortes herabsetzenden, Irrthum unserer Zeit, der namentlich unter denen herrschend werden will, welche recht entschiedene Lutheraner sein wollen, kräftig gezeugt, und daß derselbe in seiner Irrigkeit und Gefährlichkeit dargestellt und erwiesen und so durch die Waffe des Wortes Gottes abgewehrt und überwunden werde. Vorläufig wollen wir unseren Lesern wenigstens einige Zeugnisse alter anerkannt rechtgläubiger Lehrer unserer Kirche mittheilen, die es zunächst außer Zweifel setzen, daß jene Lehre von der Taufe eine in der lutherischen Kirche durchaus neue und bisher unerhörte, ja von derselben bereits bekämpfte ist. I. Zeugnisse aus den symbolischen Büchern. In den Schmalkaldischen Artikeln heißt es: „Wir wollen nun wieder zum Evangelio kommen, welches gibt nicht (auf) einerlei Weise Rath und Hülfe wider die Sünde*), denn Gott ist überschwänglich *) „Rath und Hülfe“ oder die Gnadengabe ist also immer dieselbe, welche durch Wort, Taufe, Abendmahl, Absolution ꝛc. gegeben wird, nehmlich Gnade, Vergebung der Sünde, Gerechtigkeit, Erlösung von Tod und Teufel, heiliger Geist, Kindschaft, Leben und Seligkeit; aber die Art und Weise, wie Gott diesen Rath und Hülfe, diese Gnadengaben gibt, ist verschieden. 19