# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 16_S41 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Luther aner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 16. November 1847. No. 6. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — EENur die Briefe, enthalten, unter der Adreſſe: In St. Louis wird jede einzelne Num welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, mer für 5 Cents verkauft. ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, welche denſelben Predigt, gehalten am Reformationsfeſt, den 31. October 1847 in der Dreieinigkeitskirche der deutſchen ev.-luth. Gemeinde Unge— änderter Augsburgiſcher Confeſſion zu St. Louis, Mo.) S. N. Z. Lob und Preis und Anbetung und Dank ſei Dir, Du ewiger, lebendiger Gott. Du haſt Dich des in die Sünde gefallenen verlorenen menſch⸗ lichen Geſchlechtes erbarmt, Deinen eingebornen Sohn IEſum Chriſtum in die Welt geſendet und ihn allen Sündern zum Heiland und Seligmacher verordnet. Du haſt auch auf Erden eine feſte Burg erbauet, in welche alle Sünder fliehen und wo ſie Deinen Sohn und ſeine Gnade und ſiche⸗ ren Schutz wider Sünde, Tod und Hölle gewiß⸗ lich finden ſollen, nemlich Deine heilige chriſtliche Kirche. Mit ihr haſt Du auch einen ewigen Bund aufgerichtet: „Es ſollen wohl Berge wei⸗ chen, und Hügel hinfallen; aber Deine Gnade ſoll nicht von ihr weichen, und der Bund Deines Friedens ſoll nicht hinfallen“; auf den Felſen des Wortes haſt Du ſie erbauet, daß auch „die Pforten der Hölle ſie nicht überwältigen ſollen“. Ja, Du haſt ihr verheißen: „Wenn gleich die Welt unterginge, und die Berge mitten ins Meer ſänken, wenn gleich das Meer wüthete und wal⸗ let, und von ſeinem Ungeſtüm die Berge ein⸗ fielen; dennoch ſoll die Stadt Gottes fein luſtig ) Wir ſind von unſerer Gemeinde einſtimmig und dringend aufgefordert worden, zwei jüngſt gehaltene Pre- digten, welche derſelben beſonders eindrücklich und wichtig geworden ſind, in den Lutheraner aufzunehmen. Nun fühlt zwar gewiß niemand lebendiger, wie mangelhaft dieſe Predigten ſind, die im Drange vieler Amtsgeſchäfte nur in großer Eile abgefaßt werden konnten, als der Verfaſſer ſelbſt; in der Hoffnung jedoch, daß Gott unſere geringe Arbeit, wie er ſie an den Zuhörern ſichtlich geſegnet, ſo auch an den Leſern ſegnen werde, haben wir in Gottes Namen gewagt, der an uns ergangenen Aufforderung nachzugeben, und legen daher hiermit zuerſt unſere letztgehaltene Refor⸗ nationspredigt dem chriſtlichen Leſer vor, worauf wir in einer ſpätern Nummer eine zweitt, in welcher wir nach dem Evangelio des 20. Sonntags nach Trinitatis „Den Schein⸗ chriſten“ vorgeſtellt haben, folgen zu laſſen gedenken. D. R. bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchſten ſind. Gott iſt bei ihr drinnen, darum wird ſie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe.“ Und dieſe Deine großen Verheißungen und Deinen heiligen Bund haſt Du auch nach Deiner grundloſen Liebe und ewigen Wahrhaftigkeit treu⸗ lich und herrlich erfüllt. Du haſt es zwar den Feinden Deiner Wahrheit einſt geſtattet, die Burg Deiner Kirche 1500 Jahre lang zu beſtürmen, ſie in die Wolken zahlloſer Irrthümer einzuhüllen und mit dem Schutte falſcher Gottesdienſte zu be⸗ decken; ja Du haſt dem Antichriſt zugelaſſen, ſich einen Thron in Deiner Kirche zu erbauen, und Deinen heiligen Tempel mit ſeinen Abgöttereien zu beflecken. Da ſchien es, als habeſt Du Deines Zions vergeſſen; da ſchien es, als haben die Feinde Deiner Kirche geſiegt, und als liege ſie nun auf ewig zu Boden. Aber ſiehe! einſt heute vor 330 Jahren erſchienſt Du plötzlich wieder mit Deiner Hülfe, da erweckteſt Du Deinen treuen Knecht Luther, zerſtreuteſt durch ſeinen Dienſt die finſtern Wolken des Irrthums, thateſt hinweg den Schutt abgöttiſcher Gottesdienſte und ließeſt Deine ewige Kirche wieder im vollen Glanze Deines reinen Evangeliums hervorleuchten. O SeErr Gott, wie ſollen wir Dir danken, daß Du Dich auch unſer erbarmt und auch uns der Wohlthaten theilhaftig gemacht haſt, deren Fülle Du einſt vor 300 Jahren über unſere Väter aus⸗ ſchütteteſt? Wie ſollen wir Dir vergelten, daß Du uns Unwürdige in dieſer Zeit des Unglau⸗ bens und Abfalls zur Gemeinſchaft Deiner recht⸗ gläubigen Kirche brachteſt, daß wir heute hier er— ſcheinen konnten, um zu erzählen, was Du Gro⸗ ßes an uns gethan haſt? Ach, HErr, wir haben nichts, als unſer armes, ſündhaftes Herz. Das geben wir Dir hiermit und bitten Dich, mache es ſelbſt zu Deiner Wohnung; mache es durch Dei— nen Geiſt, wie es Dir gefällt; mache es treu und beſtändig in der erkannten Wahrheit. Ja, HErr, wie Du uns eingeführt haſt in Deine heilige Kirche, ſo erhalte uns nun auch bei ihr trotz aller Schmach, die auf ihr laſtet, bis an unſer Ende. Einſt aber bringe uns in das himmliſche Jeruſa⸗ wir Dir ewig, ewig danken. Amen! Amen! In Chriſto IEſu herzlichgeliebte Glaubens⸗ gen oſſen! Wir feiern heute, wie ihr alle wißt, das Jah⸗ resfeſt der lutheriſchen Kirchenreformation. Dieſes des chriſtlichen Kirchenjahrs. An unſeren ge⸗ wöhnlichen Feiertagen begehen wir nemlich die von Chriſto vor 1800 Jahren unmittelb ar voll⸗ brachten Werke der Erlöſung des ganzen menſch⸗ lichen Geſchlechtes, ſeine gnadenreiche Geburt, ſein verſöhnendes Leiden und Sterben, und ſeine glorreiche Auferſtehung und Himmelfahrt. An dem heutigen Tage hingegen feiern wir das Ge⸗ dächtniß eines Werkes, welches Gott erſt vor 330 Jahren durch Dr. M. Luther begann und durch ihn in den folgenden Jahren ausführte. Was wir daher heute feſtlich begehen, das iſt ge⸗ ſchehen, als die chriſtliche Kirche ſchon 1500 Jahre lang beſtanden hatte. Um recht zu verſtehen, was es denn eigentlich für eine Bewandniß mit der vor 300 Jahren ge⸗ ſtifteten Reformation der Kirche gehabt habe, müſſen wir daher die Schickſale der Kirche vom Anfang an bis zum Auftreten Luthers zuvor kürzlich überblicken. Ihr wißt, kurz ehe Chriſtus gen Himmel fuhr, gab er ſeinen Jüngern den Befehl, in alle Welt zu gehen, allen Völkern das Evangelium zu predi⸗ gen und alle, die daran glauben würden, durch die er ihnen den Beiſtand des über ſie auszugießen⸗ den Heiligen Geiſtes verſprach. Chriſtus hielt dies ſein Verſprechen, und die Jünger erfüllten ſeinen Befehl. So wurde denn in wenig Jahren von ihnen eine Kirche von vielen tauſend gläubi⸗ gen Seelen in Aſien, Europa und Afrika geſam⸗ melt, in welcher das reine Evangelium und ein großer Eifer in der Gottſeligkeit im Schwange gingen. Der Zuſtand dieſer erſten apoſtoliſchen Kirche war ſo herrlich, daß ſie wie eine heilige Gottesſtadt leuchtete in allen Landen. In dieſem herrlichen Zuſtande blieb auch die chriſtliche Kirche in den drei erſten Jahrhunderten. In dieſer Zeit Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. lem, in die Kirche der Auserwählten. Da wollen Feſt gehört nicht unter die gewöhnlichen Feſte heilige Taufe in ſeine Kirche aufzunehmen, wozu