# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S282 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 282 (Aus Freimunds Wochenblatt.) Schriftgelehrte sollen nicht unrecht Urtheile schreiben. Jes. 10, 1. Gott verbietet das in seinem Worte, ja in der angegebenen Stelle wird sogar ein „Wehe“ über solche ausgesprochen. Es können einem aber solche und ähnliche Schriftstellen heut zu Tage auch bei gutgesinnten, hochgestellten Lehrern auffallen, wenn man sieht, wie sie über die lutherische Kirche und über alle hochverdiente Lehrer derselben urtheilen, die doch für ihre „reine Lehre“ bereit waren, „Haut und Haare“ zu lassen. Das fiel uns nun auch ein bei Betrachtung einer neuern Schrift des hochgestellten und hochverehrten Herrn Dr. A. Tholuck. Der Titel der Schrift heißt: „Lebenszeichen der lutherischen Kirche aus allen Ständen vor und während der Zeit des dreißigjährigen Krieges.“ — Und wollen wir nur einige der bekanntesten Namen nennen, denen wir in der interessanten, lehrreichen Schrift begegnen: Churfürst August von Sachsen, Herzog Ernst der Fromme von Gotha, Johann Gerhard, Simon Dach, Joh. Arndt, Valerius Herberger, Valentin Andreä u. s. w. Herr Dr. Tholuck hat sich durch die Schrift den Dank aller aufrichtigen Lutheraner erworben; denn es ist ja denselben eine genußreiche Freude bereitet, die alten Kämpfer des HErrn in ihrem Harnisch und mit ihrem Schild des Glaubens gerüstet in Schlachtreihe dastehen zu sehen, nicht allein gegen den Teufel, sondern auch gegen solche Leute, die mit einer zweideutigen Natur und Lehre, wie die Sanneballat zu Samaria und Tobia, der Ammoniter, mit bauen wollten an den Mauern Jerusalems. Nehem. 4, 1. 3. Ihnen mußte geantwortet werden, was dort Esra den Feinden sagte: „Es ziemet sich nicht uns und euch das Haus unseres Gottes zu bauen; sondern wir wollen allein bauen dem HErrn, dem Gott Israels,“ Esra 4, 3. Aus zwieschlächtigem Bauplane, wo nach dem einen solide Werkstücke, nach dem andern Schnörkel angewandt werden sollen, kann doch kein gescheidter, ebenmäßiger Bau aufgeführt werden. Daher muß es der aufrichtige Lutheraner doch auch wieder bestreiten, was Herr Dr. Tholuck bei der Herausgabe seiner Schrift über den lutherischen Kirchendom sagt. Er sagt aber S. 5.: „Ich leugne nicht, daß bei diesen Studien mir die lutherische Kirche in ihrer Lehre, in ihren Instituten und in vielen ihrer Repräsentanten sehr theuer geworden ist, und daß ich damit auch das Streben derjenigen habe besser würdigen lernen, welche in unserer Zeit den Neubau der Kirche auf ihren historischen Grundlagen sich haben am Herzen liegen lassen. Doch bin ich, indem ich dieses ausspreche, fern davon, demjenigen Confessionalismus das Wort zu reden, welcher in der Repristination der Vergangenheit mit Haut und Haar das Heil der Gegenwart sieht, jenem judaisirenden Particularismus, welcher das „Eine ist meine Taube“ zum Wahlspruch macht und die Charismen verkennt, welche andern Kirchen gegeben sind. Es ist Stahl, von welchem der Ausspruch gethan worden: „Es ist wahrhaft geschichtlich,