# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 Ein Schriftbeweis gegen die Union. det der Apostel nun in seinem zweiten Briefe Kap. 6, 14. durch die oben an⸗ geführte allgemeine Wahrheit: „Licht und Finsterniß, Christus und Belial haben keine Gemeinschaft mit einander.“ Aller und jeder Götzendienst hat seinen Ursprung nicht in Gott, sondern im Fürsten der Finsterniß. Dazu aber ist das Licht in die Welt gekommen, daß es „das Gericht sei“ (Joh. 3, 19.), d. h. die Scheidung vollziehe; Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge müssen von einander getrennt sein. Und das ist das Werk des heiligen Geistes in der christlichen Kirche, sein Strafamt (Joh. 16, 8.), daß er das Licht durch die Predigt des Worts, d. h. durch das Bekennen der Wahr⸗ heit, leuchten läßt und alle, die aus der Wahrheit sind, an das Licht bringt (d. i. sammelt) und dadurch alle, die die Finsterniß mehr lieben als das Licht, ausscheidet, bis die Sichtung und Scheidung am jüngsten Tage als vollendet offenbar werden wird. Eben darum sollen wir aber auch nie und nirgends Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge mit einander vermischen und vermengen wollen. Und wo inmitten der Christenheit die Menschen sich unterfangen, dies dennoch zu thun, da gilt des heiligen Apostels war⸗ nende Frage: Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß? Folglich darf man auch nicht sagen, dieser Ausspruch St. Pauli beziehe sich nur auf das Verhältniß der Christen zu den Heiden, nicht auf das Verhältniß der Christen unter einander. Nicht also! „Das Licht hat keine Gemeinschaft mit der Finsterniß“ das ist eine allgemeine Wahrheit, die St. Paulus auf den Verkehr der Christen mit den Heiden zu Corinth anwendet. Nach demselben göttlichen Recht muß diese Wahrheit allenthalben da zur Anwen⸗ dung kommen, wo überhaupt in der ganzen Welt dagegen gesündigt wird. In Anwendung dieser allgemeinen Wahrheit und somit nach göttlichem Recht haben die Reformatoren keine Gemeinschaft mit der römischen Kirche haben dürfen. In Anwendung dieser Wahrheit darf überhaupt die Kirche keine Gemeinschaft mit irgend welcher falschen Lehre haben. In Anwendung dieser Wahrheit und somit nach göttlichem Recht darf die lutherische Kirche keine kirchliche Gemeinschaft mit der reformirten Kirche haben. Dagegen wendet man nun freilich ein, daß wer dies Wort des Apostels: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen“ als Beweis dafür aufstelle, daß die Union Sünde sei, dadurch die Reformirten für Ungläubige erkläre, wie es denn auch nicht an der böswilligen Verleumdung fehlt, daß wir Lutheraner die reformirte Kirche für das Reich Belials oder das Reich der Finsterniß hielten. Ich sage, das ist eine böswillige Verleumdung. Wir halten die reformirte Kirche weder für das Reich Belias, noch für eine Ver⸗ sammlung von lauter Ungläubigen. Wir wissen sehr wohl, daß es in ihr viele gläubige Kinder Gottes gibt; wir wissen auch, daß zu einer Zeit, als im lieben Pommerland die lutherische Kirche ein Acker voller Todtengebeine war, und die rationalistische Predigt ihrer Pastoren alles Leben in den To⸗ desschlaf gesungen und gewiegt hatte — daß zu jener Zeit zwei reformirte Pastoren, der lutherischen Kirche zur tiefen Beschämung, das blutige Ver⸗ dienst des Sohnes Gottes als den einzigen Grund unserer Seligkeit verkün⸗