# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 04_S40 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ihn zu verſchenken, ſondern ſammeln ihn in Zel⸗ len und wer ihn haben will, kommt danach, nicht umgekehrt. * E Ein Wort an die Freunde der falſchen und Feinde der wahren Union. Das wäre, ſagte Luther zu Bucer, das Beſte zur Sache, wenn eure Leute recht lehrten und frei und rund heraus bekenneten: Lieben Freunde, Gott hat uns fallen laſſen, wir haben geirrt und falſche Lehre geführet, laſſet uns nunmehr klüger werden, vorſehen und recht lehren. Denn mit dem Bemänteln und Vertuſchen läßt es ſich wahrlich nicht thun, wie man auch weder ſein eigen noch anderer Leute Gewiſſen damit ſtillen kann. Denn ſolch Umſchweifen gefällt Gott nicht, der ſonderlich der Lehre halben ein ſcharf Urtheil von uns fordern wird. Darum wir Gott und ſeinem Wort in unſerm Amt und Leben nichts vergeben dürfen, es ſei ſo gleißend, ſchön, herrlich, mächtig, künſtlich, klüglich, als immermehr kann gedacht werden. — Fleißiget euch — ſprach er weiter — eure volkreiche Gemeinde, dafür ihr unſerm Gott müſſet Antwort geben, nicht mit ſchweren hohen und verdeckten Worten, noch frem⸗ den Fragen, ſondern aufs allereinfältigſte treulich und deutlich zu lehren. K. R. Iſt es erlaubt, die Gegner der Wahrheit lächer⸗ lich zu machen und ihrer Irrthümer zu ſpotten? Pascal) ſchreibt: „Es iſt ein großer Unter⸗ ſchied, ob man die Religion lächerlich macht, oder die, welche ſie durch ihre ungereimten Mei nungen profaniren. Es wäre Gottloſigkeit, wenn man den Wahrheiten, welche der Geiſt Gottes offen⸗ bart hat, nicht gebührende Ehrfurcht erwieſe; aber es wäre auch Gottloſigkeit, wenn man gegen die Unwahrheiten, welche der Menſchengeiſt ihnen entgegenſtellt, nicht Verachtung zeigte. — Die Wahrheiten unſerer Religion haben zwei Eigen⸗ ſchaften, eine göttliche Schönheit, welche ſie lie⸗ benswürdig, und eine heilige Majeſtät, welche ſie ehrwürdig macht, und die Irrthümer ebenfalls zwei Eigenſchaften, Gottloſigkeit, welche ſie ab⸗ ſcheulich, und Impertinenz, welche ſie lächerlich macht. So wie daher die Heiligen immer gegen die Wahrheit Liebe und Furcht fühlen, ſo fühlen ſie auch gegen den Irrthum Haß und Verachtung, und ihr Eifer arbeitet gleichmäßig, mit Kraft die Bosheit der Gottloſen zurückzuſtoßen, als auch ihre Irrungen und ihre Thorheit mit Spott nie⸗ derzukämpfen. Hofft alſo nicht, meine Väter (Jeſuiten), die Welt glauben zu machen, daß es eines Chriſten unwürdig ſei, Irrthümer mit Spott zu behandeln, weil es leicht iſt, denen, die es nicht wiſſen ſollten, zu zeigen, daß dies Verfahren ge⸗ recht, daß es bei den Kirchenvätern gemein und von der heiligen Schrift durch das Beiſpiel der größten Heiligen und Gottes ſelbſt gutgeheißen iſt. Denn, ſehen wir nicht, daß Gott die Sün⸗ der zugleich haßt und verachtet, dermaßen, daß in der Todesſtunde, da ihr Zuſtand am erbärmlich⸗ ſten und traurigſten iſt, die göttliche Weisheit Spott und Verlachen zu der Rache und dem Zorne fügen will, welcher ſie zu ewigen Strafen verdammen wird: „„Ihr laſſet fahren allen mei⸗ nen Raih, und wollt meiner Strafe nicht, ſo will ich auch lachen in eurem Unfall, und euer ſpotten, wenn da kommt, das ihr fürchtet.““ Sprüchw. 1, 25. 26. Und die Heiligen, von demſelben Geiſt getrieben, werden dasſelbe thun, weil ſie, nach David, wenn ſie einſt die Strafen der Böſen ſehen, darüber zugleich zittern und lachen werden. „„Die Gerechten werden es ſehen *) Vergl. die Nachrichten von ihm: Lutheraner III, 13. 40 und ſich fürchten und werden ſeiner lachen.““ Pſ. 52, 8. Und Hiob ſagt ebenſo: „„Die Ge⸗ rechten werden es ſehen und ſich freuen, und der Unſchuldige wird ihrer ſpotten.““ Hiob 22, 19. Auch haben die mit dem Geiſte Gottes erfüllten Propheten ſolchen Spott gebraucht, wie wir an den Beiſpielen von Daniel und Elias ſehen. Die Liebe treibt zuweilen an, über die Irrthümer der Menſchen zu lachen, um ſie zu bewegen, ſelbſt darüber zu lachen und ſie zu fliehen.“ Tertullian: „Es gibt viele Dinge, welche verſpottet und verlacht werden müſſen, um ihnen nicht, wenn man ſie ernſthaft bekämpft, Gewicht zu geben. Nichts verdient die Eitelkeit mehr, als verlacht zu werden; und der Wahrheit kommt das Lachen recht R zu, weil ſie fröhlich, und das Spotten über ihre Feinde, weil ſie des Sieges gewiß iſt. Es iſt wahr, daß man ſich hüten muß, daß der Spott nicht niedrig und der Wahrheit unwürdig ſei. Aber dies abgerechnet, iſt es eine Pflicht, ſich deſſen zu bedienen, wenn man es mit Geſchick verſteht.“ Auguſtinus: „Wer dürfte behaupten, daß die Wahrheit waffenlos gegen die Lüge bleiben ſolle, und daß es den Feinden des Glaubens er⸗ laubt ſei, die Gläubigen durch ſtarke Worte zu er⸗ ſchrecken, und ſich durch ergötzliche Einfälle über ſie luſtig zu machen, während die Rechtgläubigen nur einen ſo kalten Styl ſchreiben dürften, der die Leſer einſchläferte?“ * (Eingeſandt.) Erwiederung. Denn es ſind viele freche und unnütze Schwätzer und Verführer, ſonderlich die aus der Beſchneidung, welchen man muß das Maul ſtopfen. Tit. 1, 10. 11. Im Apologeten B. IX. No. 39. (G.=Nummer 455.) erwähnt Herr Heinrich Köneke, bei Gelegenheit eines Berichtes über verſchiedene Miſſionsſtationen, meines geringen Namens. Es ſchüttelt ihn noch wie ein wiederkehrender Fieberfroſt, wenn er nur denkt an die Stümme von Süd⸗St. Louis; aber angekommen auf der Verſailles⸗Station erholt er ſich wieder und thut einen gewaltigen Streich auf den dortigen luth. Prediger, d. i. auf mich, den Unterzeichneten, den er gar zu gern — wenn auch nicht zum Schlangen⸗ anbeter (vergl. Lutheran. Jahrg. IV. No. 2. S. 14. Miſſionsnachricht) — doch, weil die Methodiſten nicht fertig werden können mit dem Lutheraner, zum Ultra-Lutheraner, der in der Gläubigkeit noch weit über Luther hinausgeht, machen möchte. Mir nichts, dir nichts, als eine ausgemachte Sache, ohne einen Gewährsmann, ohne eine Ver⸗ anlaſſung zu nennen, die ihn dazu berechtigte, ſchreibt er in die Welt hinein: der Prediger Wege behauptet ſo und ſo. Es wird ja freilich nicht zu viel ſein, wenn ich verlange, es ſollen mir Zeit, Ort, Perſonen, Zeu⸗ gen, Veranlaſſung und Zuſammenhang vorgehal⸗ ten und nur nicht zur Behauptung gemacht werden, was mir — aufs gelindeſte Sehtgen durch Conſe⸗ quenzmacherei, d. i. durch Schließen und Folgern aufgebürdet wird, worin, wie der Lutheraner ſchon manchmal nachgewieſen, die Methodiſten Meiſter ſind. Wie, wenn nun Hr. Köneke & Co. — denn er wird doch Einen Gewährsmann haben, der ſich bei Herrn K. bedanken mag, wenn er durch ihn in die Enge kommen ſollte — die Einzigen blieben, die mir das nachſagten —? wie, wenn bei Gelegen⸗ heit offenbar würde, daß der vorſtehende Aelteſte, Herr K., ein Verläumder iſt und ſein Bericht über mich eine nachgeſagte Lüge, die aus Unverſtand und Feindſeligkeit zuſammengebraut worden —? O ihr klugen Methodiſten, warum wollt ihr doch mit aller Gewalt einen Hamans⸗Galgen bauen? warum wollt ihr doch mit aller Gewalt die Rari⸗ täten des Methodiſtengeiſtes, die hier ſeit vier Jahren ſich angehäuft haben, veröffentlicht ſehen? Was würdet ihr für Ehre davon haben, wenn es an den Tag käme, wie gröblich von Methodiſten geheuchelt worden iſt, auch mit Berufung auf die Augsb. Confeſſion, als ſie hier, in einer Lutheri⸗ ſchen Gemeinde, Eingang ſuchten —? War ein ſolches Bekenntniß zu der neuerdings von ihnen verſpotteten Confeſſion die Thür in den Schafſtall, oder das Loch, da man anderswo hineinſteiget? Wie rühmlich würde es doch ſein, wenn es ver⸗ öffentlicht werden ſollte, welche Zumuthung mir, dem Unterzeichneten, ein methodiſtiſcher Prediger machte, damit nur die Leute, von denen er, wie er ſagte, wüßte, daß ſie gute Lutheraner ſeien, nicht ſobald dahinter kämen, daß die Lehre der Metho⸗ diſten abweichend ſei von der Lehre Luthers? Und in welchem Glanz würde die gute Cenſur erſcheinen, die wohlgefällig Herr K. den Seinigen giebt, wenn erzählt werden ſollte, wie ſinnreich von Methodiſten das geiſtliche Leiden Chriſti*), da er mit Händen und Füßen am Kreuz gehangen, zu Hülfe genommen wurde, um zu beweiſen, daß im heiligen Abendmahle nur ein geiſtlicher Genuß ſei; zu geſchweigen anderer gelegentlicher Einfälle, die ſo kindiſch und lächerlich zugleich waren, daß ſie — was das meiſte Lob verdient — auf der Stelle wieder zurückgenommen wurden —! Wie ſchlußgerecht wurde endlich dem Unter⸗ zeichneten auf das Bekenntniß, er halte das Fleiſch und Blut Chriſti für weſentlich im heiligen Abend⸗ mahle, erwidert: „So glauben Sie den Leib Chri⸗ ſti mit den Zähnen zu zerreißen!“— Was hier geſagt iſt, ſind nur angedeutete Pröb⸗ chen, bezüglich auf das heilige Abendnahl. Es wäre ſehr leicht ausführlicher zu ſein, und könnten auch noch manche andere Dinge zur Sprache ge⸗ bracht werden, die merkwürdig genug wären, um als charakteriſtiſche Züge des Methodiſtengeiſtes in der Kirchengeſchichte unſerer Tage niedergelegt zu werden. Dies ſei genug auf diesmal für Herrn Köneke, für alle aber, denen es nicht gleichgiltig iſt, was für einen Glauben, Lehre und Bekenntniß der hieſige lutheriſche Prediger führe, diene zur Beruhigung, daß ich von einer ſo gröblichen und unehrerbie⸗ tigen Vorſtellung in Betreff des heiligen Abend⸗ mahls, als mir Hr. K. beimißt, nämlich, daß ich den Leib Chriſti — ich entſetze mich, die Worte nur zu wiederholen — mit den Zähnen zu empfangen glaube, ſo weit entfernt bin, als weit der Leib Chriſti im heiligen Abendmahle verſchieden iſt von allen anderen Speiſen. Benton County, im Oct. 1847. CE. F. M. Wege, Lutheriſcher Paſtor. ) Der Sprecher ſchien gar nicht begreifen zu können, daß Chriſtus auch leiblich gelitten habe. Berichtigung. Seite 8 Spalte 3 heißt es: von der Jacobus-Gemeinde 52.75. Dafür ſollte es heißen: von der Jacobus-Gemeinde 93.00, Dreieinigkeits-Gemeinde 2.75. Bezahlt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. Herr Pfeiffer. 4. Jahrg. Die HH. Baum, Mich. Benz, P. Beſt, C. Fricke, Gander, Göglein, Hamm, Joachim, W. Kauz, G. Kauz, Pfeiffer, Rasp, H. Scharf, P. Trautmann, Wörling. 2. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. P. Detzer (2 Ex.). Empfangen. Für das Seminar zu Altenburg von Hrn. Pfeiffer in Phila⸗ delphiiiii 83.50 Für die Miſſion am Iluſſe Cass, von Hr. P. L. 1.50 Gah Ret W 0n am Fluſſe Cass, von Hr. Schul⸗ ehrer i..• Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.