# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S276 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 276 Ein Schriftbeweis gegen die Union. lich das Loswerden Satans liegen. Nach dem Worte des Herrn in Joh. 12, 48: „wer mich verachtet, den wird das Wort, das ich geredet habe, richten am jüngsten Tage“, gehört dem jüngsten Tage das Gericht über die Gott⸗ losen an. Dieses weisen aber auch die Chiliasten dem absoluten Ende zu.*) Von entscheidender Bedeutung ist noch, daß von einer Auferstehung der Gerechten vor der allgemeinen Auferstehung die ganze übrige heilige Schrift nichts weiß, daß die Schrift überall nur eine Auferstehung kennt, so daß also die Apokalypse mit ihrer Lehre von der doppelten Auferstehung der Ana⸗ logie des Glaubens widersprechen und eben damit den canonischen Charakter verläugnen würde. Schon in der Grundstelle Dan. 12, 2. erstehen, offenbar gleichzeitig, die Einen zum ewigen Leben und die Anderen zur Schmach und ewigen Schande, und von einer doppelten Auferstehung, von einer langen Zeitfrist zwischen der Auferstehung der Gerechten und der Gottlosen ist keine Spur.“ (Schluß folgt.) Ein Schriftbeweis gegen die Union. (Aus Zöllers Schrift: Daß die preußische Union Sünde sei.) 2 Cor. 6, 14.: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Un⸗ gläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemein⸗ schaft mit der Finsterniß?“ Ich habe neulich einen Brief gelesen, geschrieben von einem gläubigen Pastor der Landeskirche an einen Schullehrer, der, durch die Union in seinem Gewissen beschwert, jenen schriftlich um Rath gefragt hatte. Die Antwort war: Was Paulus in der eben angeführten Stelle von Glauben und Un⸗ glauben, Licht und Finsterniß sage, das beziehe sich auf das Verhältniß der Christen in Corinth zu den dortigen Heiden, also auf das Verhältniß der Christen zu den Heiden überhaupt: bei der Union aber handle es sich um das Verhältniß der Lutheraner zu den Reformirten, also der Christen zu den Christen; folglich passe diese Stelle gar nicht zum Beweise, daß die Union Sünde sei. Die Ansicht dieses Pastors über die Erklärung dieser Schriftstelle ist nicht vereinzelt, wird im Gegentheil von vielen in der Union stehenden Pastoren und Laien getheilt; sie ist aber grundfalsch, und weil da⸗ durch gar manche Seele irre geleitet und im Irrthum bestärkt wird, will ichs versuchen, lieber Leser, dich in das richtige Verständniß dieser Schriftstellen *) Es ist merkwürdig, wie Bengel sich von den jetzigen Chiliasten durch seine Unbe⸗ fangenheit unterscheidet. Er macht in dem Gnomon gar keinen Versuch, seinen Chiliasmus gegen den klaren Wortlaut der ihm widerstreitenden anderweitigen Aussprüche mit Gewalt durchzusetzen, spricht vielmehr ohne Weiteres solches aus, was dem Chiliasmus entgegen ist. So bemerkt er z. B. hier: „An einem Tage wird sowohl die Auferstehung als das Ge⸗ richt sein. Die Erwähnung des jüngsten Tages hat große Bedeutung für die Gläubigen und für die Ungläubigen.“ Ebenso unbefangen äußert er sich zu 1 Cor. 15. u. 1 Thess. 4, 16.