# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S275 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 275 um so entscheidender ist, da die ganze Schriftlehre nur eine gleichzeitige Auf⸗ erstehung für Gerechte und Böse kennt, somit die Subjecte der ersten Auferste⸗ hung auch die der zweiten sein müssen, noch aus folgenden Gründen: Johannes sieht die Seelen. Daraus erhellt, daß es sich hier nur um die Seligkeit handeln kann, nicht um die Auferstehung des Fleisches. Denn dann müßte vielmehr der Leiber oder Leichname gedacht werden. Es heißt: „sie lebten“, „die übrigen Todten aber lebten nicht.“ Es wird hier also nur das Leben gewonnen. Dadurch kann, da jede nähere Bestimmung fehlt, nur die Seligkeit im Allgemeinen bezeichnet sein. Unmög⸗ lich konnte das bloße: sie lebten, von solchen gebraucht werden, die sich bereits der Seligkeit erfreuten, in die nach der Lehre der Offenbarung die Gläubigen gleich mit dem Ausgange aus diesem Leben eingehen. Das Wesen der himm⸗ lischen Seligkeit wird in Apoc. 7, 17. durch die Worte bezeichnet: „Er wird sie leiten zu Lebens⸗Wasserquellen.“ In den Stellen Kap. 7, 9—17. 14, 1—5., in denen uns die in Christo Gestorbenen in der himmlischen Seligkeit vorgeführt werden, sind alle die Merkmale vorhanden, die uns hier entgegentreten: selig und heilig sein, Priester Gottes und Christi, mit ihm regieren, der Macht des zweiten Todes entzogen sein. Selbst ein entschiedener Vertheidiger des Chiliasmus*) sieht sich zu der Bemerkung genöthigt: „Schwieriger ist zu erklären, warum diese erste Auf⸗ erstehung ein Gegenstand solcher Seligpreisungen und solcher Freude der ent⸗ schlafenen Heiligen sei, da sie doch schon als Selige vor dem Herrn stehen.“ Und in der That, das „selig ist der und heilig, welcher Theil hat an der ersten Auferstehung“, setzt voraus, daß sie vor der ersten Auferstehung nicht selig und nicht heilig oder herrlich waren. Da nun nach der Apokalypse die Seligkeit und Herrlichkeit der Gläubigen sofort mit dem Ausgange aus diesem Leben beginnt, so kann die erste Auferstehung nur die himmlische Seligkeit sein.**) „Die erste Auferstehung“ liegt weit ab von dem Ende. Zwischen ihr und dem Weltgerichte liegen die tausend Jahre und die Zeiten Gogs und Magogs. Dadurch wird die leibliche Auferstehung ausgeschlossen. Die leibliche Auferstehung aller Gläubigen soll nach den vielfach wiederholten Aussprüchen Christi, die grade Johannes mit besonderer Vorliebe mittheilt, am „jüngsten Tage“ erfolgen, dem Tage, auf den kein anderer mehr folgt, Joh. 6, 39. 40. (Jeder, der den Sohn sieht und glaubt an ihn, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage) 54. u. s. w. Der jüngste Tag kann nicht eine ganze Periode sein, jedenfalls nicht eine solche, die noch keinen Abschluß bildet. Innerhalb des jüngsten Tages kann unmög⸗ *) Flörke, S. 131. **) Schon Burnet, de statu mortuorum et resurgentium, Cöln an der Spree 1733, S. 257, sagt: Putas sat scio Beatos fuisse martyres in altera vita, ante suum huc reditum et descensum, quodnam vero aut quam ob rem cepit eos suae beatitudinis fastidium.