# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S274 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 274 Das sogen. tausendjährige Reich. Unter dieser könne nach biblischem Sprachgebrauche nur die leibliche Auf⸗ erstehung verstanden werden. Und da diese bisher noch nicht erfolgt sei, so müssen die tausend Jahre noch der Zukunft angehören. Der Grund wäre beweisend, wenn hier von der Auferstehung die Rede wäre. Daß die Auferstehung die leibliche ist, zeigt z. B. Matth. 22, 30.: „In der Auferstehung heirathen sie nicht“ u. s. w. Aber es ist hier nicht ohne weiteres von der Auferstehung die Rede, sondern von der ersten Auf⸗ erstehung. Durch den Beisatz: die erste, wird die hier gemeinte Auferstehung von der leiblichen bestimmt unterschieden. Die erste Auferstehung weist auf eine zweite hin, und da diese nur die leibliche sein kann, so muß durch die erste Auferstehung eine andere bezeichnet werden. Es würde sehr verkehrt sein, wenn man von Auferstehung hört, sogleich an die leibliche zu denken. Nach biblischem Sprachgebrauche kann jeder Ueber⸗ gang aus tiefem Elende zum Heile als Auferstehung bezeichnet werden.*) Gleich in der ersten Stelle, welche der Auferstehung gedenkt, Hos. 6, 2., bedeu⸗ tet sie den Uebergang in einen glücklichen Zustand: „Er wird uns beleben — sagt der Prophet zu Israel — nach zwei Tagen, am dritten Tage uns auf⸗ erwecken, daß wir leben vor ihm.“**) Ezechiel schaut in K. 37 die Herstellung des dem Tode, d. h. dem tiefen Elende, anheimgefallenen Israels unter dem Bilde der Auferstehung. Nach Luc. 2, 34. verkündet Simeon: „dieser wird gesetzt zu einem Fall und zur Auferstehung vieler in Israel“, und es liegt am Tage, daß diese Auferstehung in der leiblichen nur gipfelt, daß sie das Ganze des durch Christum gebrachten Heiles bezeichnet. In Röm. 6, 5. erscheint das neue Leben der Gläubigen von seinem ersten Beginn an als eine Nachbildung der Auferstehung Christi, also auch als eine Auferstehung. Ebenso auch in dem: „seid ihr nun mit Christo auferstanden“, in Col. 3, 1., vgl. noch Eph. 5, 14., Röm. 8, 11. Es gibt eine dreifache Auferstehung der Gläubigen. Zuerst die geist⸗ liche bei der Wiedergeburt, die Auferstehung aus dem Tode der Sünden. Diese kann hier nicht in Betracht kommen, da hier von entschlafenen Gerech⸗ ten die Rede ist. Dann die Auferstehung, von der Klopstock singt: „Aufer⸗ stehn, ja auferstehn wirst du, mein Geist (nicht Staub?) nach kurzer Ruh“, der Uebergang der in Christo Entschlafenen zur himmlischen Seligkeit, welchen Johannes in der Apokalypse vor Augen hat, wenn er sagt: selig sind die Tod⸗ ten, die in dem Herrn sterben, von nun an, und welche er in K. 7, 9—17., 14, 1—5. mit so reizenden Farben schildert, daß dem Christen das Herz im Leibe lacht. Endlich die leibliche Auferstehung. Daß hier nur die himm⸗ lische Seligkeit gemeint sein kann, erhellt außer dem Beisatze: die erste, der *) Von dieser Mehrdeutigkeit des Ausdruckes nahm die Meinung des Hymenäus und Philetus ihren Ausgangspunkt, daß die Auferstehung schon geschehen sei, 2 Tim. 2, 18. **) Daß hier nicht von einem bloßen Auferstehen die Rede ist, sondern von einer Aufer⸗ stehung, zeigt Simson in dem Comm. zu d. St. Dafür spricht die Vergleichung mit der Vision Ezechiels, der Parallelismus mit der Belebung, und daß als Folge der Auf⸗ erweckung das Leben bezeichnet wird.