# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S273 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 273 Buße und thue die ersten Werke; wo aber nicht, werde ich dir kommen bald und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte.“ Ueberall, wo der Islam den Sieg erhalten hat, wird man einen vorangehenden tiefen Fall erkennen, wie z. B. in Constantinopel. In den Gebieten, welche sich der Herrschaft des Islam erwehrt haben und die mit den unterworfenen in gleichem Ver⸗ hältnisse stehen, wie z. B. in Aethiopien, legt sich zu Tage, wie gerecht das göttliche Gericht gewesen ist, wie die Verwüstung nicht über das Leben ergan⸗ gen ist, sondern über den Tod. Noch viel weniger hat es auf sich, wenn eingewandt wird: „In diesen tausend Jahren, wo grade im Namen Christi von Katholiken, Rationalisten und Orthodoxen, o wie viel! gesündigt wurde, da soll der Teufel gebunden gewesen sein!“ Der Teufel wird gebunden in seiner Eigenschaft als Drache, als der Hintergrund der gottfeindlichen, bestialischen Weltmacht, nicht als der, welcher die einzelnen Seelen beschleicht und sie zu Irrthum und Sünde ver⸗ leitet. Es handelt sich nach dem Verhältniß zu dem Vorhergehenden und Nachfolgenden um Verleitung der Völker (diese werden genannt und nicht die Einzelnen) zu einem großen, offenen und allgemeinen Kampf, zu einem Sturmlaufen gegen den Herrn und seine Kirche, um völlige Verläugnung und entschiedne und allgemeine Befehdung des christlichen Principes. Das wird man in den tausend Jahren nicht nachweisen können. Sie unterschei⸗ den sich von der Zeit, welche voranging und welche nachfolgte, im Ganzen und Großen dadurch, daß das christliche Prinzip in ihnen das herrschende war. In der Anerkennung desselben waren die Waldenser und ihre Verfol⸗ ger einig, trotz der greulichen Dinge, die von den letzteren verübt wurden, die Inquisition und ihre Schlachtopfer, die Hugenotten und die Urheber der Bar⸗ tholomäusnacht, und von welcher hohen Bedeutung diese Einigkeit war, das zeigt recht deutlich die Erfahrung unserer Tage, in denen eine widerchristliche öffentliche Meinung uns auf jedem Schritte darauf hinweist, daß der Satan losgeworden ist aus seinem Gefängnisse. Wer aber den Unterschied jetzt noch nicht anerkennt, dem wird sicher in Zukunft seine Anerkennung aufgezwungen werden. Denn es ist offenbar, daß der Gegensatz gegen die Kirche im Fort⸗ schreiten begriffen ist. Uebrigens ist es eine unglückliche und jetzt glücklicher⸗ weise veraltete Geschichtsbetrachtung, welche in den tausend Jahren der Herr⸗ schaft des christlichen Principes den Blick einseitig auf die Aergernisse richtet. Tritt man in den Kölner Dom und in den Freiburger Münster, in denen die Antwort auf die Frage: „wo findet die Seele die Heimath, die Ruhe“, so laut und vernehmlich ertönt, vertieft man sich in des Anselmus: Warum ein Gottmensch, und des Thomas da Celano: dies irae, in Luthers: Eine feste Burg, Nicolaus: Wachet auf, und Paul Gerhards: Ein Lämmlein geht, in Quesnels N. T. und in Scrivers Seelenschatz, in Pergoleses stabat mater und in Bachs Passion, so wird man eine ganz andere Stellung zu diesen tausend Jahren gewinnen, von deren reichem Ertrage wir jetzt noch großentheils leben. Ganz besonders aber stützen sich die Chiliasten darauf, daß dem Anfange der tausend Jahre die Auferstehung der treuen Bekenner beigelegt werde.