# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S272 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 272 Das sogen. tausendjährige Reich. Nach allen Seiten zeigte sich, daß der Staat als solcher keiner Wiedergeburt mehr fähig war. Man behauptet ferner, was in der Apokalypse dem Jahrtausend beige⸗ legt wird, lasse sich in den mit der Bekehrung der Germanischen Völker be⸗ ginnenden tausend Jahren nicht geschichtlich nachweisen. Im Allgemeinen bemerken wir dagegen Folgendes. In den Büchern Mose's wird Canaan mit den reizendsten Farben geschildert. Es erscheint als „ein Land gut und weit, ein Land, das von Milch und Honig fließt,“ „ein Land der Wasserbäche, da Quellen und Fluthen hervorkommen im Thale und im Gebirge, ein Land des Waizens und der Gerste und des Weinstockes, des Feigenbaumes und der Granate, ein Land des Oelbaumes und des Honigs.“ Die Feinde der Religion, besonders die Englischen Deisten, haben Mosen wegen dieser Schil⸗ derung lebhaft angegriffen und ihn der Uebertreibung und Lüge geziehen. Sie zogen aus den Reisebeschreibungen alles aus, was diesem Lande zum Nachtheil gereichte. Was war der Fehler in solchem Verfahren? Sie ver⸗ kannten, daß Moses von dem Standpunkte der Wüste aus redet, der großen und grausamen, da feurige Schlangen und Skorpionen und eitel Dürre und kein Wasser war (5 Mos. 8, 15.). Ebenso schreibt auch Johannes in einer Zeit, da das Volk Gottes sich in einer schaurigen Wüste befand (K. 12, 6. 14.), in die es noch immer tiefer hineingeführt werden sollte. In der Zeit, wo das Heidenthum seinen Vernichtungskampf gegen die Kirche Gottes begon⸗ nen hatte, in der der allmächtig erscheinende Römische Staat sich zermalmend auf sie geworfen, mußte sich dasjenige, was die tausend Jahre der Herr⸗ schaft des christlichen Principes darbieten, als ein gar Großes darstellen, wenn man auch bei näherer Besichtigung gar manche Mängel und Schäden entdeckt. Man macht besonders geltend, innerhalb dieses Jahrtausends fallen die bedeutendsten Fortschritte des Muhammedanismus. Das passe schlecht zu der Bindung Satans, durch welche ihm verwehrt wird, die Völker zum Kampfe gegen die Kirche Christi zu verführen. Aber es handelt sich zunächst um die Bindung des Satans in Bezug auf dieselben Völker, welche er bis dahin verführt hatte. Und dann sind die christlichen Kernländer von dem Mu⸗ hammedanismus nicht überfluthet worden, sie sind vielmehr im Kampf gegen ihn in der Hauptsache siegreich gewesen. „Zuerst — sagt Ranke*) — haben die westlichen Stämme denselben bestanden, und ihn von Spanien, Italien, Sicilien bis nach Syrien getragen. Siegten sie nicht vollkommen, so behaupteten sie doch Europa. Jedermann weiß, wie ihnen aus dem Kampfe selbst Antrieb und Anlaß zu der mannigfachsten Ausbildung erwachsen ist.“ So weit aber der Angriff des Islam wirklich Erfolg hatte, ist er weniger unter den Gesichtspunkt der Verführung des Satans zu stellen, als unter den des göttlichen Gerichtes über das Abgestorbene. Diesen Ge⸗ sichtspunkt eröffnet uns die Apokalypse selbst. In dem Briefe an das jetzt im Mittelpunkte des Jslamitischen Gebietes liegende Ephesus heißt es: „Thue *) Die Serbische Revolution, S. 3.