# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S271 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 271 Blut zu kämpfen haben, sondern mit den bösen Geistern unter dem Himmel? Ist der Satan völlig in Ruhestand versetzt, so wird die Bibel bald bestauben. Auch das ist noch von Bedeutung, daß das von dem Chiliasmus in Aussicht gestellte ungestörte Glück auf dem Boden von 1 Mos. 8., welcher bis zu dem neuen Himmel und der neuen Erde fortdauern wird, unmöglich ge⸗ deihen kann. Aus der verderbten menschlichen Natur muß auch während der tausend Jahre mannigfacher Streit und Krieg hervorgehen. Die Unbill der Witterung, die Disposition zu Krankheiten, die Neigung des Bodens, Dornen und Disteln zu tragen, der Schweiß des Angesichtes, der Tod kann auf der alten Erde nicht aufhören, die in jeder Beziehung nicht zur Stätte des Glückes eingerichtet ist, sondern vielmehr als „ein Jammerthal voll Noth und Trübsal überall,“ in dem der Mensch für seine zukünftige Bestimmung vorbereitet wird, in dem er nicht glücklich sein, sondern selig werden soll. Die alte Erde zu einer Stätte ungestörten Glückes machen, heißt Trauben von den Dornen suchen und Feigen von den Disteln. Das sind die Hauptgründe gegen den Chiliasmus. Fassen wir jetzt noch die Einwendungen ins Auge, welche von seinen Freunden gegen die An⸗ sicht erhoben worden sind, wonach die tausend Jahre der Apokalypse der Ver⸗ gangenheit angehören. „Was des Jahrtausends specifischer Inhalt nach dieser Deutung sein soll — wird bemerkt*) — reicht der Wahrheit nach zu weit in die vorhergehenden Jahrhunderte bis auf Justinian, Theodos und Constantin zurück, und dagegen das unchristliche, ungläubige Wesen zu weit in das Jahrtausend hinein.“ Was aber das letztere betrifft, so wird kaum jemand läugnen können, daß die Wirksamkeit des Bonifacius und Karls des Großen eine epochemachende ist, daß von da an der christliche Staat unter den Germanischen Völkern gesichert und zu festem Bestehen gelangt war. Was das erstere angeht, so konnte von der Bindung Satans doch nicht vor der Christianisirung der Völker die Rede sein, welche dem Römischen Reiche den Untergang brachten. Das Thier fand sofort ein neues Werkzeug an den Völkern und Königen der Völkerwanderung. Erst nachdem dies neue Werkzeug zerstört war, konnte der Bindung des Satans gedacht werden. Auch das ist noch von Bedeutung, daß erst unter den Germanischen Völkern der christliche Staat recht zur Erscheinung kam. In dem altrömischen Staate ist die heidnische Wurzel stets geblieben. Man kann dies z. B. recht deutlich an dem Eherechte sehen. Die Idee der christlichen Ehe ist erst in den Ger⸗ manischen Staaten zu ihrem Rechte gelangt. Auch unter den christlichen Kaisern des alten Roms hat die Licenz der Ehescheidungen fortgedauert, und die Versuche, sie zu beschränken, haben in der Hauptsache ihr Ziel nicht er⸗ reicht. Erst in Folge der Bekehrung der Völker der Völkerwanderung ist das heidnische Rom wirklich zum christlichen geworden. So lange Rom noch die Herrschaft behauptete, war sein Christenthum ein sehr theilweises, seine Be⸗ kehrung auch, so weit sie stattgefunden, vielfach nur eine vorwiegend äußere. Noch im fünften Jahrhundert war Rom der Mittelpunkt des Heidenthums. *) Dr. Nitzsch, System § 218.