# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S269 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 269 stum auf der alten Erde mit den Seinen Wein trinken lassen wollte, so würde man aus dem feinen Chiliasmus in den groben und gröbsten fallen. Es liegt noch eine dritte Stelle vor, in der das Reich Gottes nur das Reich der Herrlichkeit in dem Sinne der Kirche sein kann. In Matth. 25, 34. spricht der Herr erst bei dem allgemeinen Weltgerichte, welches nach den tausend Jahren fällt, zu den Gerechten: „ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ Es gibt nach der Lehre des N. T. nur zwei Aeonen, Welten oder Welt⸗ alter, die gegenwärtige und die zukünftige, Matth. 12, 32., Eph. 1, 21, deren Kräfte in die gegenwärtige hineinreichen und auf die zukünftige vorbereiten, Hebr. 6, 5. Die Stätte der zukünftigen ist das neue Jerusalem, Hebr. 13, 14. Der Chiliasmus zerstört diese scharfe Scheidung zwischen der gegenwärtigen und zukünftigen Welt, er führt ein Ineinander beider in dem tausendjähri⸗ gen Reiche ein. Man wird nicht behaupten dürfen, daß die letztere eben mit dem tausendjährigen Reiche beginne, und dann in der Wiedergeburt sich vollende. Denn zwischen den tausend Jahren und der Wiedergeburt liegt die Zeit, in welcher dem Satan von neuem Macht gegeben wird, und in der die alte Welt sich wieder in der schlimmsten Weise geltend macht. Neben diesen mehr speciellen Gründen erheben sich gegen den Chilias⸗ mus noch einige allgemeinere Erwägungen von der durchgreifendsten Bedeu⸗ tung. Vor Allem müssen wir hier darauf hinweisen, daß der Chiliasmus in der bedenklichsten Weise der biblischen Lehre von der Bedeutung des Kreu⸗ zes zu nahe tritt. Tausend Jahre ungestörten Glückes vor der „Verwand⸗ lung,“ bei dem Fortbestehen des alten Menschen, ich frage jeden erfahrenen Seelsorger, jeden gediegenen Christen, ob das nicht ein undenkbarer Gedanke ist, ob ihm nicht schaudert, wenn er an diesen Gedanken den Prüfstein der Erfahrung heranbringt. Man denke doch nur im A. T. an den Ausspruch: „Da ward Israel fett, schlug aus. Er ist fett, dick und stark geworden und hat den Gott fahren lassen, der ihn gemacht hat, er hat den Fels seines Hei⸗ les gering geachtet,“ 5 Mos. 32, 15., an die Zeit der Richter, in der regel⸗ mäßig auf das Glück der Abfall folgt, an den frommen Hiskias, dessen Herz sich erhob, da er das Heil Gottes geschaut hatte. Tausend Jahre des unge⸗ störten Glückes, in welchem Widerspruche würden sie stehen mit dem Aus⸗ spruche der Apokalypse selbst 3, 19.: „Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich,“ mit dem Ausspruche des Briefes an die Hebräer: „Welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er, er stäupet aber jeglichen Sohn, den er auf⸗ nimmt. Seid ihr aber ohne Züchtigung, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder.“ Wäre nicht der menschlichen Natur vor der Wandelung das Kreuz unbedingt nothwendig, warum wäre dann dem Apostel, damit er sich der hohen Offenbarung nicht überhebe, ein Pfahl ins Fleisch gegeben, warum hätte er so bitter seufzen müssen unter den Faustschlägen des Satansengels, warum hätte sein heißes Flehen, daß er von ihm wiche, keine Erhörung ge⸗ funden, vielmehr nur die Antwort: „Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ In einem unserer alten