# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 04_S39 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö des allerheiligſten Gottes ausgeſprochene Fluch: „So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen, anders, denn das wir euch geprediget haben; der ſei verflucht.“ (Gal. 1, 8. Ihm gilt das Urtheil, das einſt der HErr über Saul gefällt, der, indem er des HErrn Wort nicht wörtlich und buchſtäblich nahm, da⸗ mit dem HErrn zu dienen vermeinte: „Meinſt du, daß der HErr Luſt habe am Opfer und Brandopfer, als am Gehorſam der Stimme des HErrn? Siehe, Gehorſam iſt beſſer, denn Opfer, und Aufmerken beſſer, denn das Fett von Widdern: denn Ungehorſam iſt eine Zauberei⸗ Sünde, und Widerſtreben iſt Abgötterei und Götzendienſt. Weil du nun des HErrn Wort verworfen haſt, hat er dich auch verworfen.“ (1 Sam. 15, 22. 23.) Wie? Saul hatte ja nicht das ganze Wort Gottes verworfen, ſondern nur das Eine Wort vom Verbannen nicht buchſtäblich genommen, und zwar, wie er meinte, zu deſto größerer Ehre Got⸗ tes? (Vergleiche 1 Sam. 15. ganz.) — Hier ſehen wir, Gott fragt nichts nach der guten Mei⸗ nung unſeres eigenwilligen, ſtolzen, abtrünnigen Herzens. Gott will Unterwerfung unter ſein Wort; wer nun Ein Wort verwirft, der hat das ganze Wort Gottes verworfen, denn, ſpricht Ja⸗ cobus, „ſo jemand das ganze Geſetz hält, und ſündiget an Einem, der iſt es ganz ſchuldig.“ (Jac. 2, 10.) Ein fünfter Grund, warum wir uns hüten ſollen, jemals von dem Buchſtaben oder von den Worten der göttlichen Offenbarung abzugehen, iſt, daß der Teufel von jeher den Menſchen, um ihn um Seel und Seligkeit zu bringen, daz u verführt hat. Woher iſt aller der Jammer, zeitlicher und ewiger, leiblicher und geiſtlicher, ent⸗ ſprungen, der über uns nach Gottes Ebenbild geſchaffene Menſchen gekommen iſt? Daher, daß einſt unſere gemeinſchaftliche Mutter auf den Teu⸗ fel hörte, der ſie von dem buchſtäblichen Sinn der Worte Gottes abführen wollte, und ſprach: „Ja, ſollte Gott geſagt haben: Ihr ſollt nicht eſſen von allerlei Bäumen im Garten?“ (1 Moſ. 3, 1.) Der Teufel wollte hiermit ſagen: Wie könnt ihr die Worte Gottes ſo buchſtäblich nehmen? Sollte Gott von allen Bäumen zu eſſen erlauben, nur von Einem nicht? Gott iſt nicht neidiſch, daß er euch gerade die ſchönſten Früchte nicht gön⸗ nen ſollte; Gott hat euch ja zu Herren aller Crea⸗ turen gemacht, wie könnte er euch da die Eine Frucht zu eſſen verweigert haben? Gott iſt ein Geiſt und will, daß man ihn im Geiſt und in der Wahrheit anbeten ſolle, wie ſollte ihm mit Ent⸗ haltung von einer leiblichen Speiſe gedient ſein? Das waren die Gedanken, mit welchen Satan den Menſchen von dem buchſtäblichen Sinn der Worte Gottes abzuführen trachtete. Und ſiehe! es gelang ihm. Was aber war die Folge? — Der Menſch fiel von Gott ab in Sünde, Tod und Verdammniß. Wie? ſollten wir uns dieſes ſchreck⸗ lichſte aller Beiſpiele nicht warnen laſſen? Soll⸗ ten wir, die wir von jener erſten Sünde her Noth und Tod am Halſe tragen, nicht erzittern, in die⸗ ſelben Stricke des böſen Feindes zu fallen? Auch 39 St. Paulus erinnert daran ſeine Corinther, als dieſe falſchen Lehrern Gehör gegeben hatten, und ſpricht: „Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Evam verführte mit ihrer Schalkheit, alſo auch eure Sinne verrückt werden von der Einfältigkeit in Chriſto.“ 2 Cor. 11, 3. Oder hat der Teu⸗ fel etwa aufgehört, ſich des Mittels zu bedienen, durch welches er das ganze menſchliche Geſchlecht einſt geſtürzt hat? Hat er nicht Chriſtum auf dieſelbe Weiſe verſucht? Was that er anders, als er, die heilige Schrift anführend, ſprach: „Biſt du Gottes Sohn, ſo laß dich hinab; denn es ſtehet geſchrieben: Er wird ſeinen Engeln über dir Befehl thun, und ſie werden dich, auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein ſtoßeſt“? (Matth. 4, 6.) Der liſtige Geiſt hatte hier einen Spruch verſtümmelt ange⸗ führt, und das Wort: „auf allen deinen We⸗ gen“, weggelaſſen. (Pſ. 91, 11.) Von dieſem Worte Gottes, welches Schutz nur auf den Be⸗ rufswegen, nicht aber auf den Wegen des Vorwitzes verheißt, ſuchte Satan den HErrn ab⸗ zulenken. Was that aber der HErr? Er ſchlug alle Verſuchungen mit der Berufung auf das ge⸗ ſchriebene Wort zurück und ſprach fort und fort: „Es ſtehet geſchrieben!“ Er blieb bei ſeinem erſten Ausſpruch: „Der Menſch lebt nicht von Brod allein; ſondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ Ach, wie wollen wir einſt vor Gott beſtehen, wenn wir uns weder den Fall unſerer erſten Eltern noch den Sieg Chriſti erwecken laſſen wollen, den Ver⸗ ſuchungen des Satans und unſeres eigenen Her⸗ zens zu widerſtehen, je von dem Buchſtaben des Wortes Gottes zu weichen! Hierzu kommt nun endlich noch das aufmun⸗ ternde Beiſpiel der Heiligen Gottes. Vor allem erinnern wir an das Beiſpiel „des Vaters aller Gläubigen“ (Röm. 4, 11.), an Abraham. Die⸗ ſer mußte das Wort Gottes hören: „Nimm Iſaak, deinen einigen Sohn, den du lieb haſt, und gehe hin in das Land Morija; und opfere ihn daſelbſt zum Brandopfer.“ (1 Moſ. 22,2.) Hätte Abraham hier von dem Buchſtaben des Wortes des HErrn abgehen wollen, welche über⸗ aus ſcheinbare Gründe hätte er dafür gehabt! Er hätte denken können, Gott habe ja den Mord ſelbſt in ſeinem Geſetz verboten; Gott ſei ja ein Men⸗ ſchenfreund und ein Liebhaber des Lebens; er habe ihm ja die Verheißung gegeben, daß ſeiner Nachkommen ſo unzählbar viele werden ſollen, wie die Sterne des Himmels, und daß gerade auf Iſaak der Segen ruhen, und gerade von dieſem der Heiland aller Völker abſtammen ſolle, Gottes Wort könne ſich ja nicht ſelbſt widerſprechen; es ſei ja auch durchaus wider die Natur, daß ein Vater ſeinen eigenen Sohn ſchlachten ſolle, und unaustilgbar werde endlich das Aergerniß ſein, das er damit den benachbarten Heiden geben würde. Ja, ſo hätte Abraham denken und Grund genug zu haben meinen können, um von dem Buchſtaben jenes wie mit Blut geſchriebenen Wortes Gottes abzugehen. Aber was that Abraham? Er ſuchte nicht Gründe, um dem ſeiner Vernunft und ſeinem Herzen widerſtreiten⸗ den Worte Gottes ausweichen, ſondern Gründe, um bei dem Buchſtaben desſelben bleiben zu kön⸗ nen; „er dachte“ nemlich, wie es im Briefe an die Ebräer heißt, „Gott kann auch wohl von den Tod⸗ ten erwecken.“ (Cap. 11, 19.) Wie? ſollten wir uns ein ſolches herrliches Beiſpiel, das uns Gott ſelbſt zur Nachahmung aufgeſtellt hat, nicht reizen laſſen, lieber zu ſterben, als von einem Worte Gottes zu weichen? Sollten wir es hiernach nicht Gott zutrauen, daß, wenn wir uns keine Vernunft, ja keinen Engel von ſeinen Ausſprü⸗ chen abführen laſſen, wir uns gewißlich nicht be⸗ nogen finden werden; daß Gott die Ehre ſeiner Wahrhaftigkeit gewißlich retten und auch das wunderbarſte ſeiner Worte durch die herrlichſte Erl⸗ füllung verſiegeln, und diejenigen gewiß nicht werde zu Schanden werden laſſen, die ihm, ihrem himmliſchen Vater, in kindlicher Einfalt aufs Wort geglaubt haben? — Ja, wer noch in dieſer Zeit des Unglaubens durch Gottes Gnade den Glauben in ſeinem Herzen trägt, daß die Bibel Gottes Wort ſei, der wird nimmer wagen, Gott in ſeinem Worte zu widerſprechen und den Hei⸗ ligen Geiſt zu corrigiren, der wird kein Bibelwort nach ſeiner Vernunft deuten, der wird jedes neh⸗ men, wie es Gott geredet hat, der wird demüthig anbetend niederfallen und mit Samuel ſprechen: „Rede, HErr, dein Knecht höret.“ Denn Him⸗ mel und Erde werden vergehen, und mit ihr alle Weisheit dieſer Welt, alle noch ſo hohen Gedan⸗ ken der ſtolzen menſchlichen Vernunft, aber IEſu Worte werden nicht vergehen, auch das Wort nicht: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut.“ Mag die Welt ſolches Glaubens lachen und Alle Thoren ſchelten, die auf unſcheinbare und der Vernunft unglaubliche Worte trauen und bauen zu Trotz der ganzen Welt, zu Trotz der Hölle und ihrem Fürſten; Chriſti hier verachtete Worte werden einſt als ewige Sonnen den Himmel durchleuchten und aus ihren Strahlen alle Aus⸗ erwählten Licht, Leben und Seligkeit trinken. Wir ſchließen daher dieſe Abtheilung mit dem Verſe aus jenem lutheriſchen Liede: „Ich trete friſch zu Gottes Tiſch“ ꝛc. Vernunft nd Sinn Laß immerhin, Was möglich ſcheint, vergleichen: Ich will nun und nimmermehr Von dem Buchſtab weichen. Nachdem wir nun gezeigt haben, warum die Einſetzungsworte, wie alle Worte Gottes, buch⸗ ſtäblich zu nehmen ſeien, ſo werden wir, ſ. G. w., in nächſter Nummer davon ſprechen, warum jene Worte nicht nur buchſtäblich, ſondern auch eigentlich zu verſtehen ſeien. (Fortſetzung folgt.) Der Glaube bedarf die heilige Abſolution. Der Glaube, ohne das Wort, das ihm in der heiligen Abſolution entgegen kommt und im Na⸗ men Chriſti darreicht, was er umfaſſen will, iſt zu vergleichen den ausgeſtreckten Armen und bit⸗ tenden Augen eines Kindleins, dem keine Mutter ihre Hände reicht, es aufzunehmen und an ihren Brüſten zu ſtillen. * * Frage: Warum ſind die lutheriſchen Pfarrer nicht ſo eifrig, umherzulaufen nach Gemeinde⸗ gliedern wie die Methodiſten, Albrechtsleute und andere Schwarmgeiſter? Antwort: Weil zum bekannten und ver⸗ trauten Hirten die Schafe kommen. Der Wolf aber muß nach ihnen laufen und ſie holen. — Man kann auch die Bienen antworten laſſen. Sie fliegen nicht mit jedem Mundvoll Honig fort,