# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S267 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 267 ken.“ Im offenbaren Widerspruch hiermit lehrt der Chiliasmus ein doppel⸗ tes Kommen des Herrn, das eine zur Aufrichtung des tausendjährigen Reiches, das andere zum Weltgerichte. Auch alle übrigen Bücher des Neuen Testaments, dessen Lehre von den letzten Dingen eine wunderbare Einheit hat, kennen nur eine Parusie, eine Zukunft des Herrn. Es ist überall schlechthin von der Parusie unseres Herrn Jesu Christi die Rede. Der Chiliasmus muß dies anerkennen, er ist aber jetzt zu der kühnen Behauptung vorgeschritten, der Ausdruck Parusie bezeichne überall im Neuen Testament nur seine Zukunft zur Errichtung des tausendjährigen Reiches.*) Warum denn blos diese und nicht auch die Zu⸗ kunft zum Gerichte und zur Wiedergeburt mit dem Namen der Parusie be⸗ zeichnet werde, dafür wird sich kein Grund angeben lassen. Es liegen aber entscheidende Gründe dafür vor, daß die Zukunft vielmehr überall die zum Weltgericht sein muß, neben der eine andere nicht existirt. Auf die Frage in 2 Petr. 3, 4.: „wo ist die Verheißung seiner Zukunft?“ wird in V. 10 ge⸗ antwortet: „Es wird aber kommen der Tag des Herrn wie ein Dieb, in wel⸗ chem die Himmel dröhnend zergehen werden, die Elemente aber vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke die darinnen sind, werden verbrennen.“ Nach 2 Thess. 2, 1. ist mit der Parusie Christi unsere Versammlung zu ihm verbunden, nach 1 Thess. 4, 17. die Entrückung der noch Lebenden von der Erde, womit unmittelbar ihre Verwandlung verbunden ist. Läßt man sich durch diese Stellen so weit treiben, daß man die Verwandlung der noch le⸗ benden Gläubigen und die Entrückung zu Christo vor das sog. tausendjäh⸗ rige Reich setzt, so verliert man den lebendigen Inhalt für das Heerlager der Heiligen und für die geliebte Stadt, welche uns in der Apokalypse jen⸗ seits der tausend Jahre begegnen. Ferner, nach 1 Thess. 3, 13. erscheint unser Herr Jesus bei seiner Zukunft „mit allen seinen Heiligen“, d. h. seinen Engeln. Dies Geleite der Engel ist charakteristisch für die Zukunft zum Weltgerichte. In Matth. 25, 31. kommt der Menschensohn in seiner Herrlichkeit und seine Engel mit ihm und in Folge dieser Erscheinung gehen die Einen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben. Die Engel gehen nach K. 13, 41. aus und sammeln aus dem Reiche Christi alle Aergernisse und die Unrecht üben und werfen sie in den Feuerofen. Die Engel werden nach V. 39. ausgehen am Ende der Welt und aussondern die Bösen aus der Mitte der Gerechten. Da stehen wir also deutlich jenseits der tausend Jahre, bei dem Punkte, da die Todten gerichtet werden nach ih⸗ ren Werken, Apok. 20, 12., und da alle, die nicht in dem Buche des Lebens geschrieben gefunden werden, geworfen werden in den Feuersee, V. 15. Hand in Hand mit den Stellen, welche der Parusie gedenken, gehen die Hinweisungen auf den „Tag des Herrn“, den „Tag des Gerichtes.“ Auch diese wissen überall nur von einem Tage. Der Tag der Chiliasten kann nicht gemeint sein, weil diesem Tage u. A. das Gericht über die verstorbenen Gottlosen beigelegt wird, das nach der Apokalypse erst jenseits der tausend *) Auberlen, S. 369.