# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S265 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 265 erscheint, wie der während der „Kirchenzeit“, als ein gemischter, mit allmäli⸗ gen Uebergängen, so daß es unmöglich und gefährlich ist, die Sonderung vorzunehmen. Das tröstende: dann werden die Gerechten leuchten, zeigt, daß sie auch während der tausend Jahre nicht aufhören werden, die „Elen⸗ den“ zu sein, daß ihre Herrlichkeit eine verdeckte ist, daß sie gar viel von den Söhnen des Bösen zu leiden haben. „Ein anderes Gleichniß — sagt Olshausen — geht von demselben Bilde des Samenstreuens aus, faßt aber eine andere Seite der Verhältnisse des Reiches Gottes ins Auge.“ Bei dem allgemeinen Zusammenhange der sieben Gleichnisse, dem besonderen dieser beiden, werden wir annehmen müssen, daß auch das Gleichniß vom Säemann den gleichen Zeitraum umfaßt von dem Anfange des Reiches Gottes bei der ersten Zukunft Christi bis zu dem jüngsten Gerichte. Danach wird auch in den tausend Jahren vieler Same neben den Weg fallen, auf das Felsige, unter die Dornen und nur ein Theil auf das gute Land. Es wird auch da der böse Feind kommen und bei Vielen hinwegnehmen, was in dem Herzen gesäet ist. Es wird Viele geben, die das Wort Gottes hören und nicht verstehen, viele „Zeitlinge“, die sich ärgern, wenn sie wegen des Wortes Gottes leiden müssen. Es wird auch da Be⸗ drängniß und Verfolgung wegen des Wortes geben. Die Sorge dieser Welt und der Betrug des Reichthums wird bei Vielen das Wort ersticken. Nach dem Gleichnisse vom Netze, welches dem vom Unkraut unter dem Weizen genau entspricht — was dort die Ernte, ist hier die Vollendung des Fischzuges — wird es bis zu dem jüngsten Gericht, bis zu der Zeit, da die Bösen in den Feuerofen geworfen werden, allerlei Gattungen von Fischen geben, gute und faule, es werden Böse und Gerechte sein und zwar unter⸗ schiedslos unter einander. „Durch diese Anordnung — sagt treffend Ols⸗ hausen — ist überall den Bösen die Möglichkeit eröffnet, sich zu bekehren, und das Kind des Lichtes wird in dem Kampfe mit den Feinden vollendet.“ Zu den tausend Jahren der Chiliasten will das gar nicht passen. Das Böse er⸗ scheint in diesem Gleichniß durchaus nicht als verschwindendes Moment. Es wird bis zu dem jüngsten Tage große Ausdehnung und Macht besitzen. Auch das Gleichniß vom Sauerteig ist für unseren Zweck von Be⸗ deutung. Das Reich Gottes ist gleich dem Sauerteig, welchen ein Weib nahm und verbarg ihn in drei Scheffel Mehl, bis daß es ganz durchsäuert war. Dem Weibe entspricht die Kirche. Das Mehl ist die Welt. Die drei Scheffel bedeuten die drei großen Abtheilungen des menschlichen Geschlechtes, Sem, Ham und Japhet. In dem Verbergen ist die geheime, im Unsichtbaren und Verborgenen wirkende Kraft angedeutet. Dieser verborgene Charakter des Reiches Gottes geht fort, bis das Ganze, so weit es sich säuern lassen will, durchsäuert worden ist. Dann tritt sofort das Ende ein, das jüngste Gericht, nach dem Ausspruche des Herrn in Matth. 24, 14.: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reiche in der ganzen Welt zu einem Zeugniß über alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ Im Widerspruch mit diesem Gleichniß behauptet der Chiliasmus, daß noch vor dem Ende der